#JOMO - Party verpasst? Gut so!

Seit wir das Erwachsenenalter erreicht habe, laufen wir im 24/7 Erreichbarkeitsmodus, manche von uns sogar schon davor – und das nicht nur von Montag bis Freitag. Im Minutentakt erreichen uns neue Meldungen, Mails oder was auch immer unsere Bekannten digital mit uns kommunizieren. Egal bei welcher Tätigkeit, das Smartphone ist immer dabei und einsatzbereit. Alles muss in den Social-Media-Kanälen dokumentiert werden, jede Party, jeder Urlaub und jeder noch so kleine Gang vor die Haustür.

Kann man es aus unerdenklichen Gründen doch nicht zur vermeintlichen Party des Jahrhunderts schaffen, wird der Verlauf des Events exzessiv durch die Social-Media-Kanäle von Freunden und Bekannten verfolgt, bis die eigene Tätigkeit komplett ausgeblendet wird. Wir verfallen durch unsere fehlende Präsenz in FOMO – the fear of missing out oder übersetzt: die Angst, etwas zu verpassen. Dieses Phänomen ist nicht selten in den jüngeren Generationen zu beobachten, nicht umsonst wurde die catchy Abkürzung ein Trendwort des letzten Jahres. Zugegeben, es ist schön, Erlebnisse mit unserem Umfeld zu teilen, aber muss dies wirklich immer passieren?

Dieser Frage widmet sich der im letzten Jahr erstmals aufgetauchte Begriff JOMO, der uns anhält, unser Leben und unser digitales Kommunikationsbedürfnis zu entschleunigen. Die Idee hinter dem Begriff existiert schon weitaus länger, aber wie so häufig brauchte es erst einen eingängigen Begriff, um unsere Verhaltensmuster genauer unter die Lupe zu nehmen und zu überdenken.

JOMO und der Zwang, alles mitzubekommen

Smartphone aus, reale Welt an! Es gibt so viele Wege JOMO, auch the joy of missing out, also zu deutsch die Freude am Verpassen, zu praktizieren. Obwohl der Social-Media verrückte Teenager sich dabei anderes denken wird, hat JOMO nicht die Eingrenzung unseres Soziallebens oder den Abbruch sozialer Kontakte zum Ziel, vielmehr geht es darum, den Alltag bewusst zu entschleunigen und ein Stück der Zeit, die uns sonst von leuchtenden Bildschirmen und unserer dauerhaften Onlinepräsenz entzogen wird, zurückzugewinnen. Bedenkt man all die Momente, in denen man ´doch nur mal kurz draufschaut´, häuft sich die Zeit erheblich, die wir tagtäglich damit verbringen, immer erreichbar und auf dem neusten Stand zu sein.

Bei JOMO geht es aber nicht ausschließlich um digitale Verhaltensmuster, auch in unserem (realen) Umfeld können wir dessen böser Stiefschwester, FOMO zum Opfer fallen: Nach einer langen Arbeitswoche geht man Freitag mit den Kollegen aus, Samstag steigt die meist herbeigesehnte Party des Jahres und Sonntag sind wir schon wieder unterwegs, noch bevor der Kaffee am Frühstückstisch kalt wird. Zum Ereigniszeitpunkt stellen wir fest, eigentlich keine Lust auf die bevorstehende Veranstaltung zu haben. Und was nun? Die meisten unter uns haben vermutlich den selben ersten Gedanken: „Dann verpasse ich XY…“ (den neusten Gossip, eine nie zuvor dagewesene Chance oder was auch immer uns gerade wichtig erscheint). Die Stärkeren unter uns, die sich selbst treu sind und sich schweren Herzens dazu durchringen, kurzfristig abzusagen, plagen meist bereits kurze Zeit später Schuldgefühle. Wir wollen nichts verpassen, unter keinen Umständen, auch wenn uns der Weg dahin manchmal Unbehagen bereitet.

Dabei würde es uns guttun, Zeit für sich allein einzuräumen. Zeit, in der wir einfach abschalten, mental und digital, um uns auf unser Wohlbefinden konzentrieren.

Diese Entschleunigung geht mit JOMO einher – das Abschalten und Ausloggen wird bewusst als positiver Zeitvertrieb anerkannt und praktiziert.

JOMO - The Joy of Missing Out

Gute Gründe, JOMO eine Chance zu geben

Der Trend hat viele Vorteile, verhilft uns aber besonders zu einer Pause. Diese Pause brauchen wir alle früher oder später, um unsere Konzentration so bündeln zu können, dass wir nicht nur fokussierter, sondern auch produktiver arbeiten können. Unser Sozialleben wird ebenfalls positiv beeinflusst, wir wählen unseren Umgang und unsere Aktivitäten bewusster, was uns dazu verhilft, unser Umfeld intensiver wahrzunehmen und über einige Missstände aufzuklären. Konversationen werden nach einiger Bedenkzeit ohne schnelle Messages tiefgründiger und du wirst feststellen, dass diese erhöhte Qualität des tatsächlich Erlebten in vielen Bereichen zutrifft.

So schön es auch ist, ein unvergängliches Reisetagebuch zu haben, wir müssen zugeben, dass es manchmal den Charme des Urlaubs nimmt. Der Urlaub fühlt sich plötzlich wie Urlaub an und du kannst dich entspannt zurücklehnen, anstatt dauerhaft angespannt für die Dokumentation der Reise posen zu müssen. Zeitsparend wirkt JOMO darüber hinaus, du wirst erstaunt sein, wie viel Zeit dir tatsächlich bleibt, wenn du nicht ständig die News auf dem Smartphone checkst.

Und wie geht JOMO?

Es gibt viele Arten, JOMO umzusetzen, die ganz individuell sind. Ob du dein Handy für ein paar Stunden oder sogar einige Tage ohne schlechtes Gewissen auf Flugmodus stellst und stattdessen die Freuden des realen Lebens genießt oder einfach einen Freitagabend ungestört Zuhause verbringst – die Art des Ausloggens liegt ganz an dir. Ein Digital Detox kann uns dazu verhelfen, unsere Lebensqualität zu verbessern, indem wir mehr im Moment leben und uns auf unser direktes Umfeld konzentrieren. Auch ein Party Detox kann genauso hilfreich sein -was auch immer deinen Alltag dominiert, kann auch für einige Zeit ruhen. Also mit Freude ausloggen und raus in die reale Welt oder mit deinem Lieblingsbuch aufs Sofa – wir sind uns sicher, du verpasst nichts.
 

Fotos: silverkblack; VadimGuzhva / stock.adobe.com