Concorde-Effekt: Warum Aufgeben manchmal doch eine Option ist

Durchhalten und nicht schlapp machen: Diesen und ähnliche Sprüche hören wir am laufenden Band. In der modernen Leistungsgesellschaft gehört es eben zum guten Ton, niemals auf halber Strecke aufzugeben – selbst wenn alles deutlich dafürspricht. Dies gilt für Beziehungen ebenso wie für das Studium oder eine Diät. Aufgeben wird als Schwäche gewertet. Doch ist dies tatsächlich immer der Fall? Muss man unbedingt konsequent alles durchziehen, was man begonnen hat? Und was hat es mit dem Concorde-Effekt auf sich?

Der Concorde-Effekt: Ich habe bereits so viel investiert

Eine häufige Begründung für das Weitermachen fußt auf der sogenannten Sunk-Cost-Fallacy. Dieser „Irrtum der versunkenen Kosten“ bezeichnet eine Situation, in der man gewissermaßen viel zu tief im Sumpf steckt, um sich am eigenen Schopf herausziehen zu können. Selbst wenn man das eigentliche Problem klar und deutlich sieht, zieht man es vor, die Augen zu verschließen. Dieses Phänomen wird auch als Concorde-Effekt bezeichnet – zu Ehren des legendären Überschallflugzeugs, das bereits vor seinem Jungfernflug durch den Steuerzahler subventioniert werden musste und während seiner Dienstzeit rote Zahlen schrieb. Eigentlich war dies den Ingenieuren vor der Fertigstellung der Supermaschine bereits bewusst gewesen. Doch sie machten ungerührt weiter, denn sie hatten ja bereits so viel Zeit investiert und wollten zudem ihre Ehre wahren.

Bei einem internationalen Projekt wie der Concorde ist dieses Verhalten verständlich. Doch warum übernehmen viele Menschen dieses Verhaltensmuster und schaden sich selbst damit?

Häufige Gründe für kompromissloses Weitermachen

Ein übertriebenes Pflichtgefühl macht vielen Menschen einen Strich durch die Rechnung. Zwar ist es gut, wenn du Verantwortung übernimmst und dich als verlässlich zeigst, doch ein übermäßiges Pflichtgefühl kann dein Leben durcheinanderbringen. Das passiert beispielsweise dann, wenn du weitermachst, obwohl dir etwas ganz und gar nicht gefällt. Studierende sind oft von diesem Verhaltensmuster betroffen und geben nur ungern zu, dass sie das Studium am liebsten abbrechen würden. Natürlich solltest du nicht sofort bei der ersten Hürde aufgeben. Merkst du jedoch, dass es so nicht mehr weitergeht, solltest du dich lieber nach einer geeigneten Alternative umsehen.

Ein weiterer Grund ist das Selbstwertgefühl beziehungsweise die Angst, dieses zu verlieren. Wer nicht durchhält, ist ein Versager – mit dem Selbstbewusstsein ist es da nicht weit her. Wenn auch du dich in einer solchen Situation befindest, solltest du sämtliche Vor- und Nachteile abwägen. Steigen deine Chancen auf Erfolg, wenn du dein Studium oder ein Projekt durchziehst? Bist du der Ansicht, dass es dich glücklich machen wird, wenn du auf Biegen und Brechen durchhältst? Versuche auf dein Bauchgefühl zu vertrauen und schlage Warnsignale nicht in den Wind, denn sie entstehen aus gutem Grund. Wer rücksichtslos weitermacht, wird irgendwann kläglich scheitern.

Finanzielle Investitionen sind ein weiterer, häufig genannter Grund, der viele Menschen zum Weitermachen animiert. Natürlich ist es ärgerlich, wenn du viel Geld für etwas ausgegeben hast und erkennen musst, dass diese Wahl falsch war. Leider ist das Weitermachen hier ein Trugschluss, denn du wirst noch viel mehr investieren müssen, um das Ziel zu erreichen. Deshalb ist es empfehlenswert, der Sache rechtzeitig ein Ende zu setzen, um keine weiteren Ausgaben in Kauf nehmen zu müssen.

Warum Aufgeben die richtige Wahl ist

Zwar läuft dies der gängigen Meinung zuwider, doch rechtzeitig aufzugeben und loszulassen erfordert Mut. Egal, ob es sich um ein Studium, einen Surfkurs oder ein technisches Projekt handelt: Wenn du mit Vernunft entscheidest und das Begonnene auf der Grundlage von Tatsachen abbrichst, beweist du, dass du der Lage mächtig bist. Bei Projekten, in die außer dir weitere Personen verwickelt sind, gestaltet sich dies viel schwieriger als bei einer Tätigkeit, die nur dich betrifft. Doch genau in diesen Fällen ist es besonders wichtig, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Indem du Nein sagst, hilfst du auch anderen Menschen aus der Patsche. Es hilft nichts, die Tatsachen schönzureden sowie sich selbst und andere eine heile Welt vorzugaukeln. Die Wirklichkeit wird dich früher oder später einholen – je länger sich eine unangenehme Situation dahinschleppt, desto schlechter ist es für alle Beteiligten.

Niederlagen sind wichtig

Niederlagen sind keine Schande. Im Gegenteil: In der ganzen Weltgeschichte findet sich keine einzige berühmte Persönlichkeit, die in ihrem Leben nicht mindestens eine Niederlage erlitten hätte. Man denke nur an Albert Einstein, der sich am Mathematikexamen die Zähne ausbiss. Es ist wichtig, mit Niederlagen richtig umgehen zu können. Statt sie als Tragödie zu werten und die Flinte ins Korn zu werfen, solltest du jede Niederlage als Chance sehen – die Chance, es nächstes Mal besser oder gar anders zu machen.

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