StartMindsetDen ganzen Tag beschäftigt und trotzdem nichts geschafft? Schreib eine Erledigt-Liste

Den ganzen Tag beschäftigt und trotzdem nichts geschafft? Schreib eine Erledigt-Liste

Du klappst den Laptop zu. Von den drei Dingen, die du morgens erledigen wolltest, ist eines fertig. Trotzdem hast du kaum Pause gemacht. Dazwischen lagen ein Rückruf, eine dringende Rückfrage und die Kollegin, die ohne deine Hilfe nicht weiterkam. Auf deiner Liste steht davon nichts. Dort sieht es aus, als hättest du zwei Drittel des Tages vertrödelt.

Bevor du dir für morgen noch mehr vornimmst, schreib einmal auf, was heute tatsächlich passiert ist. Eine Erledigt-Liste kann dir helfen, zwischen zwei sehr unterschiedlichen Situationen zu unterscheiden: Habe ich mich vor einer Aufgabe gedrückt? Oder war mein Tag längst mit anderen Aufgaben voll?

Was ist eine Erledigt-Liste?

Eine Erledigt-Liste, auch Done-Liste oder Reverse To-do-Liste genannt, hält fest, was du bereits gemacht hast. Du kannst sie zwischendurch ergänzen oder am Ende deines Arbeitstags schreiben. Eine Notiz auf dem Handy oder ein Blatt Papier genügt.

Anders als eine To-do-Liste plant sie nicht die Zukunft. Sie dokumentiert den tatsächlichen Tag. Und anders als ein reines Erfolgstagebuch muss sie nicht ausschließlich schöne Ergebnisse enthalten. Auch ein zähes Telefonat, nach dem endlich die Zuständigkeit geklärt ist, darf darauf stehen.

So kann ein Eintrag aussehen

Stell dir vor, du wolltest eine Präsentation fertigstellen, eine Auswertung prüfen und einen Termin vorbereiten. Nur die Terminvorbereitung ist abgeschlossen. Dein erster Gedanke: Wieder nicht genug geschafft.

Deine Erledigt-Liste könnte so aussehen:

  • Unterlagen für den morgigen Termin zusammengestellt.
  • Mit der Kundin geklärt, welche Zahlen in die Präsentation gehören. Die fehlenden Daten sind angefragt.
  • Der neuen Kollegin den Ablauf für Reklamationen erklärt. Ungeplant, etwa 40 Minuten.
  • Einen Fehler in der Auswertung gefunden. Die Korrektur liegt bei der zuständigen Abteilung.
  • Wegen eines Betreuungsausfalls die Abholung organisiert. Ungeplant, mehrere kurze Unterbrechungen.

Das ist ein erfundenes Beispiel. Es zeigt aber den Unterschied zwischen „nicht fertig“ und „nichts gemacht“. Die Präsentation ist noch offen. Trotzdem hast du eine Voraussetzung dafür geschaffen, sie fertigzustellen.

Wichtig: Schreib bei angefangenen Aufgaben den konkreten Zwischenstand auf. „An der Präsentation gearbeitet“ sagt wenig. „Gliederung fertig, zwei Zahlen fehlen noch“ hilft dir auch beim Wiedereinstieg.

Was gehört auf die Liste?

Aufgaben mit einem sichtbaren Ergebnis fallen meist sofort ein. Weniger offensichtlich sind Abstimmungen, Unterstützung und Organisation. Du hast eine Entscheidung vorbereitet, eine Rückfrage beantwortet oder verhindert, dass jemand mit falschen Angaben weiterarbeitet. Auch das kostet Zeit.

Du entscheidest, ob du Berufliches und Privates gemeinsam notierst. Wenn du verstehen möchtest, warum für deine beruflichen Pläne wenig Raum bleibt, kann der gemeinsame Blick sinnvoll sein. Willst du dagegen ein Gespräch mit deiner Führungskraft vorbereiten, sind die beruflichen Aufgaben und ihre Prioritäten der relevante Ausschnitt.

Vertrauliche Angaben gehören nicht in eine beliebige Notiz-App. Für diesen Rückblick brauchst du weder Kundennamen noch persönliche Details anderer Menschen.

Der wichtigste Schritt kommt nach dem Aufschreiben

Eine volle Erledigt-Liste löst keine zu hohe Arbeitsbelastung. Sie kann dir aber konkrete Beispiele liefern, statt nur das Gefühl „Es ist alles zu viel“.

Schau nach ein paar Tagen auf die ungeplanten Aufgaben. Kommen dieselben Rückfragen immer wieder? Übernimmst du regelmäßig etwas, für das eigentlich jemand anderes zuständig ist? Oder ist dein Kalender so dicht, dass schon eine kleine Störung die Planung kippt?

Du musst nicht jede Minute rechtfertigen. Entscheidend ist die Frage, welche Arbeit realistisch in die verfügbare Zeit passt. Wenn du deine Aufgaben anschließend neu sortieren möchtest, findest du in unserem Überblick zu Zeitmanagement-Methoden verschiedene Ansätze zur Planung und Priorisierung.

Was, wenn du tatsächlich ausgewichen bist?

Auch das darf auf der Liste sichtbar werden. Vielleicht hast du viele kleine Dinge erledigt, aber das unangenehme Gespräch zum dritten Mal verschoben. Zwanzig abgehakte Kleinigkeiten beantworten dann nicht die Frage, warum du nicht anrufst.

Frag dich konkret: Fehlt mir eine Information? Weiß ich nicht, wie ich anfangen soll? Habe ich Angst vor der Reaktion? Der nächste Schritt könnte sein, die erste Frage für das Gespräch zu formulieren, statt noch eine weitere Kleinigkeit einzuschieben.

Wenn du beispielsweise Stellenangebote sammelst, aber nie eine Bewerbung abschickst, hilft dir unser Check für gespeicherte Stellenanzeigen, die offene Entscheidung genauer anzusehen.

Eine Ergänzung, kein Ersatz für deine Planung

Fristen und Termine bleiben wichtig. Du brauchst nicht sämtliche To-dos abzuschaffen. Probiere lieber für einige Arbeitstage zwei kurze Bereiche aus: Das steht an und Das habe ich gemacht. So siehst du den Unterschied zwischen Plan und Wirklichkeit.

Vielleicht merkst du, dass du mehr leistest, als dein Blick auf die offenen Punkte vermuten lässt. Vielleicht zeigt sich aber auch, dass du dringend etwas weglassen musst. Beides ist ein brauchbares Ergebnis.

Und an einem Tag, an dem wenig möglich war, musst du die Liste nicht künstlich verlängern. Dein Feierabend hängt nicht davon ab, wie viele Zeilen du füllen kannst.

Zum Weiterlesen: Wenn die Liste nie leer wird

Oliver Burkemans 4000 Wochen: Das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement beschäftigt sich mit der Frage, wie wir mit begrenzter Zeit umgehen, statt immer noch mehr in einen Tag zu packen. Das passt zu dem Moment, in dem deine Erledigt-Liste zeigt: Es fehlt nicht an Einsatz, sondern an Platz für alles. Das Buch ist keine Voraussetzung für die Übung oben.

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Melanie Bojko
Melanie Bojko
Melanie Bojko ist Mitgründerin und Chefredakteurin von AJOURE´ — und seit über 20 Jahren selbständig. Mit der NEBO marketing GmbH hat sie sich ihr eigenes Unternehmen aufgebaut und kennt den Weg dahin aus erster Hand: die Anfänge, die Fehler, das was wirklich funktioniert. In ihren Artikeln schreibt sie über Selbständigkeit ohne Beschönigung — für Frauen, die sich fragen ob das auch für sie möglich ist. Sie lebt mit Mann und zwei Kindern in Berlin.

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