Schauspielerin Jeanette Hain im Interview

Schauspielerin Jeanette Hain im Interview

Schauspielerin Jeanette Hain im Interview

Jeanette Hain, die Opelbefürworterin, Schauspielerin, Mama und eine ganz besondere Frau, besitzt die Gabe sowohl in ihrem Job, als auch privat dich in ihren Bann zu ziehen. Selten begegnet man Menschen, die das Leben an kleinen Dingen messen und das eigentliche Glück für sich definieren können. Jeanette Hain zeigt uns mit einer enormen Leichtigkeit, dass so etwas möglich ist.

Wir hatten die Gelegenheit Jeanette bei sich zu Hause zu interviewen und konnten somit ein sehr persönliches Bild von ihr erhaschen. Jeanette erzählte uns, weshalb sie die Angewohnheit hat, mit der Sonne zusammen aufzuwachen und was sie tatsächlich emotional berührt!
 

Über das Leben

Ajouré: Wir haben recherchiert: Stehst du morgens noch immer um 04:00 Uhr auf?

Jeanette: Oft. Also ich muss gestehen, wenn Schulferien sind, dann kippe ich mit meiner Tochter aus der Zeit heraus. Vor allem ist es ihr auch wichtig, aus der Zeit heraus zu kippen und dann mach ich auch mit.

Ajouré: Aber warum eigentlich um 04:00 Uhr?

Jeanette: Vor ein paar Jahren ist mir aufgefallen, als es in Berlin abends so früh dunkel wurde und ich darauf gewartet habe, von der Muse geküsst zu werden, weil ich noch kreativ sein und was schaffen wollte. Und ich merkte, dass das nicht klappt, weil ich müde und erschöpft war und der Kopf voller Gedanken – der ganze Tag fand schon statt und steht im Raum. Irgendwann bin ich dann einmal früh zu Bett gegangen, weil ich müde war. Zwischen vier und halb fünf wurde ich dann wach und bin aufgestanden. Es war einfach Stille. Mein Kind hat noch geschlafen, die Nachbarn, ganz Berlin. Man hat nicht einmal einen Bus gehört. Da habe ich gemerkt, wenn ich mit dieser Stille Hand in Hand gehe, dass ich dann viel mehr im Augenblick bin und ich auch auf ganz andere Gedanken und Einfälle komme. Ich bin dann ganz anders bei mir und war völlig begeistert, was da mit der Seele passiert, weil man noch so dünnhäutig ist. So entstand dann die Uhrzeit. Aber es kann auch mal sein, dass ich länger schlafe – wie in den Ferien oder wenn ich abends mal ausgehe. Ich stell mir nie den Wecker, es sei denn, ich habe etwas Wichtiges zu schreiben oder zu arbeiten. Aber normalerweise gehe ich früh zu Bett und stehe dann auch früh wieder auf.

Ajouré: Hast du einen Wunsch, den du dir selber noch im Leben erfüllen möchtest?

Jeanette: Ich habe den Wunsch, es zu schaffen, dass man den Moment lebt. Sich wirklich dem Moment hingeben zu können, mit dem Wissen, alles wird gut. Ich wünsche mir, diese völlige Hingabe, die ich auch in meinem Beruf erlebe, beibehalten zu können.

Ajouré: Was ist dein Ventil im Trouble der Filmwelt?

Jeanette: Zum einem ist es die Stille morgens und zum anderem die Natur. Ich bin oft im Havelland unterwegs; dort sieht man weit und breit nichts. Wenn ich da bin denke ich oft „Mein Gott, dieser Sternenhimmel! War der da schon immer? “, weil in der Stadt sehen wir ja eigentlich gar keinen Sternenhimmel mehr – es ist alles so hell. Wenn du dann aber da sitzt und dir bewusst wird, dass das was du da siehst das Universum ist, dann ist das schon toll. Den Sternenhimmel im Havelland zu spüren oder auch den Sonnenuntergang – das ist einfach göttlich und in sich selber trägt man das auch. Zu sehen, was ist wirklich wichtig im Leben – und das ohne Druck, weil man etwas unglaublich Schönes wahrnimmt. Dieses Geschenk auch wirklich zu leben, kommt durch die Stille und durch die Natur.

 

Jeanette Hain im Interview

 

Über die Arbeit

Ajouré: Wie bist du darauf gekommen Filmregie zu studieren?

Jeanette: Nach der Schule hatte ich unzählige Puzzleteile an Dingen, die ich gerne gemacht habe – mal habe ich gelesen, mal gerne geschrieben oder gemalt. Wenn ich versucht habe das mental zusammen zu setzen, dachte ich mir, dass das Filme und Geschichten sind, Musik und Kamera – und Regie. Es ist toll, etwas Eigenes zu machen und Geschichten zu erzählen, sich in ihnen aufzuhalten. Als Schauspielerin merke ich manchmal, dass es eine wunderbare Rolle ist – aber wann trifft man eine Geschichte, bei der man auch so fühlt? Ich sage nicht, dass ich das jetzt kann, aber ich merke, dass ich mich gerne in der Fantasiewelt aufhalte. Das habe ich sicher schon damals vermutet und gedacht, dass das in der Regie zu leben und zu schaffen ist.

Ajouré: Was reizt dich denn am meisten an der Schauspielerei?

Jeanette: Mich reizt es, dass ich all die unterschiedlichen Charaktere verkörpern darf. Es ist schön, wenn etwas in einem wach geküsst wird, was nur als winzig kleiner Funke in einem existiert, von dem man vielleicht sogar gar nichts weiß. Und plötzlich brennst du lichterloh in Flammen, wenn das entfacht wird. Ich finde es toll, wenn die Charaktere dann durch mich Gestalt annehmen. Und was wir eben schon hatten: die Hingabe.

Ajouré: Wenn du nicht Schauspielerin geworden wärst, hättest du dir je vorstellen können, etwas anderes zu machen und wenn ja, was?

Jeanette: Also was ich noch immer machen will, ist Gitarre lernen und zu singen. Das mache ich auch schon mit einem Freund auf dem Land. Ich habe Texte geschrieben, wir singen dann und machen die Musik dazu. Ich finde, Musik bewirkt binnen Sekunden etwas in einem. Die Magie, die Musik auslösen kann, ist Wahnsinn. Und malen ist auch etwas, dass mir viel bedeutet – auch das Schreiben.

 

Über die Liebe

Ajouré: Was ist das Schwierigste und was ist das Schönste daran Mama zu sein?

Jeanette: Ich bin sehr gerne alleine und würde das auch gerne mal sein, ohne mir Gedanken um die Kinder machen zu müssen. Ich liebe es, mir Gedanken um die Kinder zu machen, aber ich merke, wenn ich mal aus bin und alleine bin, fühle ich mich wieder wie Anfang 20. Dieses komplette Wissen, dass man ganz alleine ist und man einfach irgendwohin verschwinden könnte. Das Schönste für mich ist, dass Kinder Wesen sind, die ihre eigene Geschichte mit sich bringen, ihre eigene Seele. Ich bin mit 22 Mutter geworden und somit auch mit einem Kind erwachsen geworden – das ist etwas Tolles diesen Prozess des Lebens mit Kindern zu erleben. Es öffnet in einem selber und draußen neue Türen, sodass ich sagen kann, dass es ein Geschenk ist, Kinder zu haben.

Ajouré: Wie hat dein Traummann auszusehen?

Jeanette: Ich merke, ich habe kein bestimmtes Beuteschema. Ich mag zum Beispiel Männer, die so wie in den Klimt-Gemälden sind – etwas hager. Dann finde ich aber auch Männer toll, die kernige Mannsbilder sind. Ich finde es bei Männern, und Menschen allgemein, toll, wenn sie bei sich zu Hause sind, sie lieben was sie machen und auch sich selber lieben.

Ajouré: Wie sieht dein perfektes Date aus?

Jeanette: Ich glaube, ein perfektes Date ist, wenn ich mit jemanden komplett aus Zeit und Raum kippe und ich nur mit ihm sitze und nicht überlege, was es abends zu Essen gibt oder sonst was. Perfekt ist es also, wenn ich nur mit jemandem zusammen bin und es sonst nichts gibt.

 

Jeanette Hain privat

 

Über Berlin

Ajouré: Kannst du dir vorstellen in einer anderen Stadt außer Berlin zu wohnen?

Jeanette: Also ich träume seit Jahrzenten, von einer Stadt, die fast etwas Orientalisches hat und nicht aufhört und drinnen in der Stadt ist. Ich frag mich immer, wo sie denn ist und ich weiß, dass es etwas in meinem Unterbewusstsein gibt, dass ich noch nicht gefunden habe und was garantiert nicht Berlin ist. Was ich hier schön finde ist, wenn die Sonne rauskommt und die Menschen wieder auf die Straße kommen. Ich vermisse manchmal das Südländische, dass man mehr draußen ist. Aber als Stadt, von allen Städten, in denen ich schon war – abgesehen von der aus meinem Traum, gibt mir Berlin das Gefühl, in den Himmel wachsen zu können. Hier gibt es eine großzügige Weite.

Ajouré: Was ist für dich typisch Berlin?

Jeanette: Typisch Berlin ist für mich, dass, wenn ich von Kreuzberg nach Prenzlauer Berg oder Charlottenburg fahre, ich das Gefühl habe, ich sei in einer anderen Stadt. Berlin ist ein buntes, mannigfaltiges, widersprüchliches unterschiedliches Puzzle.

Ajouré: Wir sitzen gerade in Kreuzberg. Warum wurde es dieser Stadtteil? War es Absicht?

Jeanette: Als ich mit meinem Sohn nach Berlin kam, wollte ich einen Hinterhof und den Geruch von Kohleofen, sowie bei meinem ersten Berlin-Besuch als ich 15 Jahre alt war. Das haben wir im Prenzlauer Berg gemacht, dann sind wir nach Charlottenburg, dann wieder zurück, anschließend waren wir in Kreuzberg – ich habe gemerkt, dass ich immer öfter hier in der Ecke war und ein gutes Gefühl hatte.

 

Über ihre Emotionen

Ajouré: Was war dein peinlichstes Erlebnis hinter der Kamera?

Jeanette: Allgemein glaube ich, dass ich sehr früh gelernt habe, dass mir nichts peinlich ist. Ich glaube, es gibt auch nichts Peinliches. Wenn du entbinden oder auf Klo musst oder einen Orgasmus hast, dann muss das eben sein. Das steht so im Drehbuch.

Ajouré: Gibt es Dinge, die dich im Leben immer emotional catchen?

Jeanette: Alles, was wahrhaftig ist, wo ich merke, das ist wirklich vorhanden oder wo ich den Herzschlag eines anderen spüren.

Ajouré: Was ist das Schönste in deinem Leben?

Jeanette: Das ist eine gute Frage. Das ist wie eine Perlenkette aus schönsten Momenten, auf die du immer eine neue Perle auffädelst und sie zum Schluss trägst und gar nicht mehr sagen kannst, welche nun die schönste ist. Die Geburt meiner Kinder, die gemeinsamen Momente und das Miteinander nehmen natürlich einen großen Anteil davon an. Oft sind das ganz normale alltägliche Momente, in denen ich fühle, wie dankbar ich bin, hier zu sein. Das Leben ist ein Geschenk und wenn ich das für mich entdecke, bin ich glücklich. Das sind oft die kleinen Momente. Dieses Bewusstsein, dass das Leben ein Geschenk ist.

 

Fotos: Luis Viegas

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