Jasmin Taylor: Die Power-Frau, die Reiselust weckt

Jasmin Taylor: Die Power-Frau, die Reiselust weckt

Die JT Touristik-Gründerin im Interview

Jasmin Taylor: Die Power-Frau, die Reiselust weckt

Im Alter von 17 Jahren ist die gebürtige Iranerin vor dem Krieg in ihrer Heimat geflohen und kam ohne Deutschkenntnisse in Bonn an. Das war Anfang der 80er Jahre – seitdem ist viel passiert in ihrem Leben. Nachdem sie die Sprache schnell erlernte, schloss sie vier Jahre darauf ihr Abitur ab. Später absolvierte sie mit Bestnoten an der University of Maryland ihren Bachelor in Psychologie und Management sowie den Master in Human Relations an der Universität von Oklahoma.

2002 machte sich Jasmin Taylor schließlich in Berlin mit ihrem Unternehmen selbstständig – ehe sie 2009 die JT Touristik GmbH gründete. Heute ist aus dem „Eine-Frau-Betrieb“ eines der führenden Reiseunternehmen geworden.
Wir trafen die Power-Frau zum Interview und bekamen einen Einblick in ihr Leben und in ihr Herzensprojekt „SIS – Strong Independent Sisters“.

 

Ajouré: Welche erlebte Reise ist dir in unvergesslicher Erinnerung geblieben?

JT: Fast alle sind in unvergesslicher Erinnerung geblieben – weil meine Reisen tatsächlich immer sehr schön sind. Dennoch ist vor allem die Reise mit dem Orient-Express von Berlin nach Venedig ein absolutes Highlight gewesen, aber auch Dubai ist immer wieder ein Erlebnis. Kürzlich war ich in Afrika – das war auch sehr besonders.

Ajouré: Was magst du lieber: Kurze Städtetrips oder lieber ausgedehnte Erholungsurlaube?

JT: Beides! Ein- bis zweimal im Jahr brauche ich kurze Städtetrips. Aber auch Erlebnisreisen, wie jetzt die Flugsafari in Afrika oder in Dubai einfach nur am Strand zu liegen und nichts tun zu müssen, ist mir ebenfalls sehr wichtig; das tut immer wieder gut.

Ajouré: Welches ist dein persönliches, liebstes Reiseziel?

JT: Ohne groß zu überlegen, würde ich jederzeit nach Dubai und Abu Dhabi fliegen.
 

Jasmin Taylor im Interview
 

Ajouré: Du hast neben Management auch Psychologie und Human Relations studiert. Was konntest du aus diesen Studiengängen für dein Berufsleben nutzen?

JT: Ich hoffe den Umgang mit Menschen – das Zwischenmenschliche. Aber auch mein Wissen zu Marketing und Konsumverhalten ist hilfreich.

Ajouré: Wusstest du schon immer genau, welchen Weg du im Leben gehen willst oder hast du dich treiben lassen und geschaut, was als nächstes auf dich zukommt?

JT: Ich wollte immer Unternehmerin werden und wusste auch ganz genau, dass ich auf der Bildungsebene mindestens einen Masterabschluss machen möchte. Mein Wunsch ist es, noch irgendwann meinen Doktor zu machen – aber das ist bei meinem Arbeitspensum momentan nicht möglich.

Ajouré: Was war der wichtigste Karriere-Ratschlag, den du erteilt bekommen hast?

JT: Ich habe sehr viele wichtige Ratschläge bekommen. Während des Studiums – damals gab es auf der beruflichen Ebene auch noch nicht so die Gleichberechtigung – meinte mein Professor, dass wir Frauen nicht herumlaufen und darüber jammern sollen, dass die Männer uns im Leben nicht weiterkommen lassen. Wir sollen das ignorieren und das machen, was wir wollen, ohne uns aufhalten zu lassen.
Es ist sehr wichtig, sich nicht beirren zu lassen. Man muss die Menschen ignorieren die einen hindern wollen und stattdessen das tun, was man selber für richtig hält. Man muss sich von allem befreien, damit man sein eigenes Ziel klar vor Augen sieht. Generell sollte man im Leben immer das machen, was einen selbst glücklich macht.

Ajouré: Du hast die Organisation „SIS – Strong Independent Sisters“ ins Leben gerufen. Erzähl uns etwas darüber!

JT: Ich dachte, ich könnte mit meiner eigenen Geschichte gut als Vorbild fungieren. Ich bin als Flüchtling nach Deutschland gekommen und meinen eigenen Weg gegangen. Ich falle hier niemandem zur Last und habe stattdessen sogar Arbeitsplätze geschaffen. Daher dachte ich, ich könnte als gutes Vorbild für Frauen, die hier herkommen, dienen. In meinem Leben hatte ich sehr viel Glück und möchte das auch gerne ein wenig weitergeben.

Ajouré: Wie wichtig ist dir der Zusammenhalt unter Frauen?

JT: Ganz wichtig! Nicht nur Frauen – generell müssen wir Menschen zusammenhalten. Dennoch ist der Zusammenhalt unter Frauen besonders wichtig, da viele generell aber auch durch ihre Kulturen oder Traditionen benachteiligt sind. Daher ist es wichtig, dass die, die es geschafft haben, unbedingt als Vorbilder fungieren – weil wir immer Vorbilder im Leben brauchen.

Ajouré: Wieso, glaubst du, ziehen nicht viel mehr Frauen am selben Strang, sondern stehen sich durch z.B. Konkurrenzverhalten oder Stutenbissigkeit oftmals gegenseitig im Weg?

JT: Ich erlebe Gott sei Dank eine Welt, in der sich Frauen gegenseitig unterstützen. Ich habe immer Unterstützung von Frauen bekommen und gebe das auch weiter! Es ist schön, wenn man von einander abgucken und sehen kann, was im Leben alles möglich und erreichbar ist. Das ist ein tolles Gefühl!

Ajouré: Hattest du weibliche Unterstützung in deinem Leben?

JT: Ja – meine Mutter ist meine größte weibliche Unterstützung. Aber auch meine Schwestern und viele Freundinnen. Sogar in der Tourismusbranche gibt es immer wieder Frauen, die sich für mich freuen. Ich habe nämlich als erste und bisher einzige Frau den höchsten Award in der Tourismusbranche verliehen bekommen. Die Männer waren da eher verhalten. Tatsächlich haben sich viel mehr Frauen für mich gefreut – aber das erlebe ich generell eher.
 

Jasmin Taylor Jt Touristik
 

Ajouré: Wie sieht ein normaler Alltag in deinem Leben aus?

JT: Ich stehe morgens relativ spät auf – so zwischen acht und neun Uhr. Dann laufe ich runter in mein Geschäft. Mittags gehe ich wieder hoch und frühstücke – dann geht es wieder runter arbeiten … so geht es im Grunde den ganzen Tag bis Mitternacht. Zwar würde ich mich selber nicht als Workaholic bezeichnen, aber ich arbeite in der Tat sehr viel.

Ajouré: Wie bereits eben erwähnt wohnst und arbeitest du unter einem Dach. Kommst du da überhaupt zum Abschalten? Oder liegt darin vielleicht sogar der Vorteil und macht JT Touristik erfolgreich?

JT: Abschalten ist eine Sache des Kopfs und nicht der Location. Manchmal bin ich 5000 Kilometer weg von hier und mit den Gedanken dann doch bei der Arbeit. Es gibt aber auch Tage, an denen es genau umgekehrt ist: Dann bin ich zwar hier, aber mit dem Kopf ganz woanders und kann mich nicht auf eine Sache konzentrieren. Wenn ich also die Treppen herunterkomme, herrscht eine andere Atmosphäre – auch die Einrichtung ist komplett anders. Das sind dann für mich zwei verschiedene Welten. Ich habe gelernt, wunderbar zu entspannen und loszulassen.

Ajouré: Wie oft kommst du tatsächlich selber zum Reisen?

JT: Sehr oft – aber ich verbinde das auch immer mit der Arbeit. Für mich gibt es da keine klare Grenze. Das ist wahrscheinlich auch normal, wenn man selbständig ist. Ich liebe meine Arbeit und genieße jede Sekunde davon. Wenn ich also reise, kombiniere ich das häufig.

Ajouré: Was wünschst du dir persönlich für die Zukunft?

JT: Mehr Zeit! Vor allem, um sie mit meinem Mann und meiner Familie zu verbringen, um schöne Sachen auch noch neben der Arbeit zu erleben.

 

Fotos: JT Touristik

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