Pink Interview

Vor fast 20 Jahren haben sich Pink und der amerikanische Fernsehmoderator Carson Daly von TODAY schon einmal getroffen. Damals hatten sie in der Sendung TRL einen Sketch zusammen. Für Pink und Carson Daly hat sich seitdem nach eigener Aussage nichts geändert. Ihr letztes Zusammentreffen hätte auch genauso gut gestern sein können. Jetzt hat Carson Pink zum Interview geladen und wir waren in der glücklichen Position, uns dieses schnappen zu dürfen.

„Ich war wild“

So beschreibt sich die 39-Jährige selbst, wenn sie auf das damalige Interview zurückblickt. Auf die Frage, wo sie sich selbst in der Musikindustrie sieht, antwortet sie überraschend. „Ich passe nirgendwo wirklich hinein. Ich mag alles kreuz und quer. Die erste Kassette, die ich gekauft habe, war von Mary J Blige, mein erstes Vinyl war The Mamas And The Papas und mein erster Schwarm war Jon Bon Jovi. Die personifizierte Wundertüte, wenn du so willst.“ Sie blickt also mit guten Erinnerungen auf ihre Anfangszeit zurück.

Zu ihrer Zeit war sie eine frische Brise in ihrer Branche, weil sie eben nicht in den Mainstream gepasst hat, sondern angeeckt ist. „Ich habe die Machete in die Hand genommen und mir meinen Weg durch die Industrie gebahnt.“ Ihrer Meinung nach kann jeder Künstler zur selben Zeit Erfolg haben. Einen „Künstler-Killer“ gibt es nicht, wenn es nach Pink geht.

Carson will natürlich auch etwas zum neuen Album wissen. Über die Jahre hat sie natürlich schon viel mit anderen Künstlern zusammengearbeitet. Aber es wird ihr auch mehr als genug abgesagt. Eminem wollte zum Beispiel unbedingt mit ihr performen. Mary J Blige hat allerdings abgesagt. „Dieses Mal hat alles geklappt. Ich hatte die Möglichkeit, mit Chris Stapleton zu singen und habe ein Feature mit Khalid.“ So langsam werden die neuen Songs in die Tour-Sets integriert. Im Moment ist sie noch in den USA, aber die nächste Tour findet in Europa statt.

„Bei einer Tour auf der Bühne zu stehen, ist das physisch Anstrengendste, was du tun kannst, ohne ein Athlet zu sein.“ Neben ihr auf der Bühne stehen die Besten der Besten. Außerdem sagt sie, ist es fast unmöglich, keinen Spaß an ihrer Show zu haben. Trotzdem schafft es die Sängerin immer wieder, genau den einen Typen zu finden, der seine Schwester fahren musste. „DU. DARFST. NICHT. LACHEN!“ sagt sie dann zu genau diesem Zuschauer. Carson bemerkt, dass das nicht mütterlicher sein könnte.

Seit sie Mutter geworden ist, sagt Pink von sich selbst, sei sie viel offener, viel akzeptabler sich selbst gegenüber und auch durchgeplanter. Auch ihre Weltansicht hat sich verändert. „Ich denke viel darüber nach, was wir diesen Kindern hinterlassen. Auch die Richtung, in die wir uns bewegen, beschäftigt mich viel.“ Die Songs schreibt sie nicht (mehr) für ihre Kinder, weil die besten ihrer eigenen Meinung nach schon geschrieben sind.

Pink

Sie singt schon ihr ganzes Leben

„Meine Tochter Willow ist interessant. Sie kann singen, will aber lieber ein American Ninja Worrior werden…“ Ihr Sohn Jameson ist gleich in zwei ihrer Tänzerinnen verliebt. Carson wirft ein, dass „Liebe keine Grenzen sieht.“ Willow ist in ihren Physiotherapeuten verknallt und Jameson in seine Verlobte. Auf Tour hat jeder seine Kinder mit dabei und damit sind auch alle cool. Pinks Band hat sich ganz nebenbei gegen sie verschworen und ihrer Tochter ein Schlagzeug-Set geschenkt. Das macht ihr aber herzlich wenig aus.

Im Hinblick auf ihren Social-Media-Auftritt bereut es die Sängerin überhaupt nicht, ihr Familienleben geteilt zu haben. „Nach letzter Kritik mache ich glaube ich eine Pause davon, meine Kinder so sehr in der Öffentlichkeit zu teilen.“ Die Leute haben im Internet etwas zu sehr ihre Manieren vergessen. Auf die Frage hin, ob sie versucht, die Leute mit Freundlichkeit zu töten, antwortet sie mit: „Nein, das mach ich nie. Das Höchste der Gefühle ist, wenn sich im Supermarkt jemand vordrängelt und ich nur „Du Truthahn“ sage.“

Das neue Album

Pinks Touren dauern knappe drei Jahre. Das ist der Fluch der Popularität. Nach diesem Sommer wird es eine komplett neue Tour geben, die ihr ganz eigener Cluster-Fuck wird.

Michael Gracey, der auch schon beim Film „The Greatest Showman“ Regie geführt hat, hat das auch beim Video von Pinks Song „Walk Me Home“ gemacht. „Willow und ich lieben den Film. Wir haben ihn schon so oft gesehen und als es an der Zeit war das Musikvideo zu drehen, da wusste ich, dass es Michael Gracey sein muss.“ Carson sagt zu Pink, dass sie eigentlich der größte Showman ist, weil sie über die Jahre hinweg so ein hohes Maß an körperlicher Fitness beibehalten hat. „Vielen Dank! Ich bin nicht nur stolz auf mich selbst, sondern auch auf alle, die drumherum stehen. Meine gesamte Crew macht so einen tollen Job und ich könnte nicht zufriedener mit ihnen sein.“

Laut Carson ist Pink eine der am meisten unterschätzten Künstlerinnen in der Musikindustrie. Die Leute kommen zu ihrer Show und sehen etwas, das sie noch nie zuvor gesehen haben. Außerdem promotet sie sich nicht wie viele andere Pop-Stars in sozialen Medien.

„Was ich tue ist wirklich cool und bereitet mir den Spaß meines Lebens. Ich kann nachts im Backstage-Bereich sitzen und bin so ausgelaugt, dass mir meine Seele wehtut. Aber sobald ich beim zweiten Song des Auftritts angekommen bin, könnte ich nicht glücklicher sein.“ Wem die Arbeit so viel Spaß macht, der arbeitet nicht einen Tag im Leben. „Imagine Dragons machen sehr viel Spaß beim Zuschauen. Als ich sie das erste Mal gesehen habe, dachte ich nur, dass ich sie liebe“. Nach Carsons Meinung passiert das auch bei Leuten, die ein Pink-Konzert zum ersten Mal sehen.

„Niemand wird mich je verstehen, wenn er nicht meine Show sieht.“

Auf Carsons Frage, ob sie jemals eine Pause braucht, kommt eine interessante Antwort. „Ich nehme mir Pausen in Form von Umarmungen. Ich bin so gut zu umarmen, dass ich selbst wahrscheinlich die am meisten umarmte Person bin, die ich kenne.“ Die Sängerin kann das aber nicht nur mit ihren Kindern Willow und Jameson, sondern auch mit komplett fremden Personen. Wenn du sie jemals sehen solltest, dann trau dich ruhig!

Pink hört sich in ihrer Freizeit Billie Eilish an. Es ist ihrer Meinung nach zwar nicht wichtig, dass man mit moderner Musik mithält. Es gibt einfach sehr viel coole Musik und man sollte offen ihr gegenüber sein.

Gerade neulich hat sie einen Stern auf dem Walk of Fame bekommen. Diese, ihrer eigenen Aussage nach, surreale Erfahrung hat sie mit ihrer gesamten Familie gemacht. „Jeder wollte mit dabei sein und wir haben im Nachhinein eine große Party geschmissen. Es war so unglaublich peinlich und total süß.“ Von ihrem eigenen Stern erhofft sie sich nur, dass die Leute daran vorbeigehen und denken: „Das da ist ein Badass.“ oder: „An diesen Song erinnere ich mich. Er hat mir geholfen.“

Über Twitter und Co. wird sie von so vielen Leuten kontaktiert, die ihr keinen Honig ums Maul schmieren, sondern sofort auf den Punkt kommen. Da wird der ein oder andere schon mal sehr emotional. Wenn sie, wie jeden Abend, ihre Stimme trainiert, scrollt Pink durch ihren Twitter-Feed und schaut sich alles an, was ihre Fans so von sich geben.

Eine besonders herzerwärmende Nachricht hat sie bei einem ihrer Konzerte nicht mehr losgelassen. Eine Mutter hat in ihren Feed geschrieben, dass sie mit ihrem Sohn da ist, der das Down-Syndrom hat und vor kurzem erst den Krebs besiegte. Bei ihrem Showact wird sie mit Hilfe von Seilen durch die Luft befördert. Der erste Stopp ist immer in der Rollstuhl-Area. Kurz bevor sie an diesem Abend abgehoben ist, hat sie nur „Ich komme zu dir, Calvin!“ gerufen. Die völlig perplexe Mutter winkte ihr zu und war völlig aus dem Häuschen.

Beim nächsten Auftritt, an einem völlig anderen Abend in derselben Arena, sieht sie dann in ihrem Feed, dass Calvin und seiner Mutter wieder da sind. „Ihr müsst Calvin finden!“ sagt sie zu ihrer Crew. Alle vom Team sind los und haben gesucht. Als sie die Oma, die Mutter und Calvin gefunden haben, werden sie zu Pink gebracht. Diese Momente machen für die Pop-Sängerin das Leben als Musiker aus.

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Das normale Leben

Nach all ihrer Zeit in der Musikindustrie ist es der Künstlerin sehr wichtig, auch die Einzelheiten des normalen Lebens wertzuschätzen. „Das ist einer der Hauptgründe, die mich immer weiter nach vorne treiben.“ Mit dem Smartphone im Anschlag ist das ihrer Meinung nach sehr wichtig. „Dann kannst du deinen Kindern zeigen, was ihr zusammen erreicht habt.”

Mit der aktuellen Debatte um mentale Gesundheit hat sich auch Pink beschäftigt. Sie hofft nämlich, dass das Tabu, sich damit öffentlich auseinanderzusetzen, so langsam verschwindet. „Darüber zu reden ist das Wichtigste. Meine Generation hatte stark mit Depressionen und Selbstmordgedanken zu kämpfen und die heutige Jugend hat viel mit sozialen Ängsten zu tun.“ Sie selbst hält die richtigen Leute um sich herum und geht zur Therapie.

Ohne eine Eheberatung gäbe es ihre Ehe nach eigener Aussage schon gar nicht mehr. „Es gibt kein Buch was dir sagt, wie du die Dinge angehen sollst. Meine Assistentin Laura, die auch gleichzeitig meine beste Freundin ist, hat mir den Mut gegeben, dort hinzugehen.“ Die beiden sind jeweils Patentanten ihrer Kinder. „Wenn du Hilfe brauchst, dann empfehle ich dir auf jeden Fall eine Therapie. Mir hat es geholfen.”

Love Me Anyway

Zum Schluss des Interviews kommen die beiden noch einmal auf Pinks Album zurück. Der Song „Love Me Anyway“ wird dort insbesondere angesprochen. „Ich bin eine schwierige Persönlichkeit, wenn ich in einer Beziehung bin.“ Pink hat eine hohe Messlatte, wenn es um ihren Partner geht, was es schwer macht, so die 39jährige. „Ich bin unmöglich.“

Gerade zum Ende eines Songs neigt Pink dazu, zu übersingen. Mit Chris Stapleton war das ganz anders. „Ich bin die ganze Zeit über auf einem einheitlichen Level und bilde die Basis, damit Chris scheinen kann und Junge… er strahlt!“

Du willst P!NK live erleben und hautnah erfahren, worüber sie im Interview sprach, als es darum ging, dass ihre Konzerte einzigartig seien? Dann haben wir eine gute Nachricht für dich, denn PINK startet ihre Deutschland-Tour am 05. Juli in Köln. Einige der Städte sind bereits ausgebucht, aber noch gibt es ein paar Tickets. Du solltest dich beeilen.

 

Fotos: Andrew MacPherson