Schon oft ist Heather Nova in unserer Hauptstadt unterwegs gewesen. Sie liebt es in Berlin, denn diese Stadt ist einzigartig für sie und bedeutet ihr viel. Wir haben es uns also nicht nehmen lassen, uns mit der super sympathischen Sängerin von den Bermudas zu treffen. Wir fragten sie wie sich ihre Musik verändert hat, was die Aussagen ihrer Songs für sie bedeuten und wie sie zum Thema Natur und deren Schutz steht. Denn Heather ist bekannt dafür, sich über die Maßen für den Naturschutz einzusetzen. Am 28. Juni erschien ihr neues Album „Pearl“, welches das in Heathers Augen perfekteste Album ist, das sie jemals veröffentlichte. Wie die Tracks entstanden, was sie auf den kommenden Konzerten spielen wird und worin bei „Pearl“ die Besonderheit liegt, erfährst du hier.

Dein neues Album „Pearl“ erschien am 28. Juni. Warst du immer noch nervös vor der Veröffentlichung, obwohl du bereits acht Alben zuvor auf den Markt gebracht hast?

Ja, absolut. Ich war richtig nervös! Aber es war eher eine Nervosität begründet durch Vorfreude. Ich bin auch heute immer noch nervös, kurz bevor ich auf die Bühne gehe, aber das ist wieder eine andere Form von Nervosität. Jedes Mal fühlt es sich für mich an, als wäre ich ein Anfänger, der zum ersten Mal vor Publikum spielt. Es ist einfach verrückt (lacht). Ich weiß auch nicht, weshalb das bei mir so ist. Vielleicht kommt es daher, dass ich so gerne möchte, dass meine Fans meine Lieder mögen. Du gehst auf die Bühne und du gibst sozusagen alles von dir preis. Die Menschen sind nur wegen dir dort und das ist ein tolles, aber ein anfangs auch komisches Gefühl. Ich möchte, dass meinem Publikum gefällt, was sie sehen und dass sie den Abend genießen. Sobald ich aber meinen ersten Song beginne zu singen, ist meine Nervosität verschwunden. Ich lebe dann nur noch für das Singen und vergesse alles um mich herum. Ich verschwinde sozusagen in den Songs und verliere mich in ihnen. Es ist ein unglaubliches Gefühl und ich liebe es sehr. Ab diesem Zeitpunkt empfinde ich irgendwie vollkommene Freiheit und genieße jeden Augenblick auf der Bühne, denn Musik ist dann alles, was noch zählt.

Heather Nova Pearl
Jetzt mit amazon music anhören

Welches ist der für dich beste Moment während eines Konzertes?

Es ist der Moment, wenn du vollständig loslassen kannst. Dies passiert irgendwann während meiner Lieder. Es ist beinahe so, dass ich selbst keine Ahnung habe, was meine Stimme ab diesem Moment machen wird. Ich lasse also los und alles Weitere passiert rein intuitiv und improvisierend. Es lässt mich dann während des ganzen Konzerts auch nicht mehr los. Das ist schon ein wahnsinniges Gefühl.

Das Lieblingsalbum deiner Fans ist nach wie vor „Oyster“, welches 1994 erschien. Jetzt sagt man, dass „Pearl“ dieses Album ersetzen könnte. Was denkst du? Was ist das Besondere an diesem neuen Album im Vergleich zu all den anderen Alben zuvor?

„Pearl“ fühlt sich so einhundertprozentig nach mir an. Als Künstler versuchst du immer, irgendwie deine Individualität zu präsentieren, was natürlich nicht immer einfach ist. Irgendwie ist in der Vergangenheit mal die Produktion in diese Richtung gegangen oder mal ein Song. Aber wenn all diese Elemente bei einfach jedem Track perfekt zusammenkommen und somit deine Musik und dich persönlich widerspiegeln und das dann alles auch noch gut klingt und funktioniert, dann hast du etwas Besonderes. So ist es bei „Oyster“ gewesen und jetzt auch wieder bei „Pearl“. Ich denke nicht, dass man davon reden kann, dass ein Album das andere ersetzt, denn beide sind irgendwie speziell und einzigartig. Hinzu kommt, dass die Lieder aus „Oyster“ die Menschen in eine Zeit mit zurücknehmen, an die sie irgendwelche schönen oder traurigen Momente hatten und sie sich hierdurch daran erinnern können. Das kann ein ganz neues Album natürlich noch nicht schaffen. Rein musikalisch und texttechnisch fühlt es sich bei „Pearl“ für mich aber so an, dass ich hier an meinem Höhepunkt angekommen bin.

Heather Nova im Interview

Wie schwierig war es denn für dich, mit „Pearl“ so ein schönes und passioniertes Stück Rockmusik zu entwerfen?

Gute Frage… Es entstand vollkommen natürlich und war dennoch sehr viel Arbeit. Die Lyrics zu den Songs kamen fast wie von selbst. Ich musste durchaus einiges an Arbeit in die Zeilen stecken, aber es fiel mir nicht schwer und ich konnte beinahe aus dem Vollen schöpfen. Bei den Recordings war es etwas härter und ich musste viele Entscheidungen treffen. Angefangen von verschiedenen Musikern, bis hin zu diversen Producern, die dazu im Stande waren, mit meiner Musik die Atmosphäre zu erschaffen, die ich haben wollte. Bei „Pearl“ fühlt es sich für mich jetzt so an, als hätte ich hier alles richtig gemacht. Es ist roh, es ist echt, es ist sensibel und es rockt. Die Musiker und Produzenten haben also die ganzen Songs zum Leben erweckt und genau so wollte ich es damals gerne haben. Es hat unglaublich gut funktioniert.

Wie entstehen denn deine Lyrics? Wie schreibst du am liebsten?

Ich gehe jeden Tag laufen. Das ist wie meine persönliche Auszeit, wie eine Art Meditation. Dies tue ich wie gesagt jeden Tag und es befreit meinen Kopf von all diesen unnötigen Gedanken und macht Platz für Wichtiges. Sobald dieser Moment der Klarheit in meinem Kopf einsetzt, kommen mir die Ideen für neue Texte. Ich singe oder spreche dann die Ideen während meines Laufens in mein Handy, damit ich sie bis zu Hause nicht wieder vergessen habe. Daheim angekommen, setzte ich mich dann an meine Gitarre und mache den Song fertig. Manchmal gelingt mir das sehr schnell und andere Male dauert diese Prozedur Tage oder Wochen. Es ist immer unterschiedlich.

Wie lange hat es gedauert, bis „Pearl“ fertig war? Ist es dir leichtgefallen oder hat es länger gedauert, als du ursprünglich gedacht hast?

Zwischen meinem letzten Album und „Pearl“ liegen vier Jahre. Ich habe in den letzten Jahren schon damit begonnen, die Texte für mein neues Album zu schreiben. Aber wenn ich zurückdenke, dann würde ich sagen, dass die wichtigen und guten Songs alle im letzten Jahr entstanden sind. Ich glaube, es war eine Kombination aus Erfahrungen, die ich gemacht habe und deshalb würde ich sagen, dass es zwar einfach war, aber auch sehr hart. Das soll bedeuten, dass es seine Zeit brauchte, diese Erfahrungen zu machen, aber sobald es ans Schreiben ging, lief es wie von selbst.


Es sind elf Lieder auf dem Album. Welches ist dein persönlicher Favorit?

Schwer zu sagen, denn all die Lieder auf „Pearl“ sind meine Favoriten aus 40 zur Verfügung stehenden Songs, die ich hierfür schrieb. Jeder Song bedeutet auf seine eigene Art und Weise etwas Besonderes für mich. Dennoch gehört der erste Track auf dem Album „The Wounds We Bled“ zu meinen Lieblingsstücken. Es ist ein Song über die Tatsache, dass wir die Entscheidung, welchen Weg wir einschlagen, selbst treffen. Wenn du dich für einen schmerzhaften Weg entschieden hast, um etwas zu lernen, dann hilft dir das und du weißt, dass du durch diese schwere Zeit gehen musstest. Aber auch der Song „Rewild Me“ ist sehr besonders für mich. In diesem geht es um meine starke Verbundenheit zur Natur und wie wichtig diese für uns alle ist. Durch all die Technologie und durch unsere Denkweise haben wir uns so weit von dem entfernt, was eigentlich wichtig sein sollte, nämlich diese Natur zu schützen. Die Natur ist fundamental für uns. Mittlerweile gibt es sogar Workshops, die einem erklären, wie die Natur uns heilen kann. Wir wissen das eigentlich alles, doch in der heutigen Zeit haben wir das einfach vergessen, obwohl unsere Seelen danach rufen. Genau darum geht es in „Rewild Me“.

Wenn ich darüber nachdenke, dann ist auch „Some Things Just Come Undone“ einer meiner Liebslingsstücke. Ich habe diesen Song für meinen Sohn geschrieben. Die Aufgabe, wenn du ein Kind hast, ist, dieses zu schützen und zu verteidigen. Du versuchst eine sichere und kreative Welt für dein Kind zu erschaffen, aber das ist nicht immer einfach. Wenn du zu dem Moment gelangst, an dem du deinem Kind sagen musst, dass du dich scheiden lassen wirst, dann kommt es dir in diesem Moment so vor, als tust du genau das Gegenteil von dem, was richtig für dein Kind ist. Es ist, als ob du deren Welt und sicheren Zufluchtsort zerstörst. Das ist der wohl schlimmste Moment für einen Elternteil und so kam es, dass ich genau darüber diesen Song geschrieben habe, denn ich war der Meinung, dass viele Menschen irgendwann in genau dieser Situation sein werden.

Was war zuerst da: Die neuen Songs oder der Albumname „Pearl“?

Die Lieder waren zuerst da und als ich mit diesen fertig war habe ich mir überlegt, wie ich das Album benennen könnte. Dann realisierte ich, dass 25 Jahre zwischen „Oyster“ und „Pearl“ liegen und dass es sozusagen ein Jubiläumsjahr ist. Da ich zum selben Sound wie bei „Oyster“ und zu denselben Produzenten zurückkehrte, fragte ich mich, was 25 Jahre zuvor geschah. So kam ich auf die Idee, dass man nach so langer Zeit in einer Auster wohl eine Perle finden würde – zumindest im besten Fall (lacht).

Ab 18. Oktober tourst du durch acht deutsche Städte. Werden deine Fans hier nur Lieder deines neuen Albums zu hören bekommen oder schleicht sich auch der ein oder andere Song aus den alten Alben mit hinein?

Ja, natürlich. Du musst einfach einige der Favoriten aus den Jahren zuvor spielen. Das geht kaum anders. Ich weiß, wie es bei mir ist, wenn ich auf Konzerte von Musikern gehe, die ich großartig finde. Ich möchte niemals nur das neue Album hören. Es wird also einige der alten Songs geben, aber natürlich auch viele der neuen.

Soziales Engagement ist dir sehr wichtig. Du tust sehr viel für deine Heimat Bermuda, aber auch für die Tierwelt. Zudem setzt du dich gegen Delphinparks ein. Wie wichtig findest du es denn generell, sich für diese Dinge einzusetzen?

Ich denke, es sollte für jedes Individuum wichtig sein, Teil der Veränderung zu sein. Jeder sollte sich überlegen, ob er sich wirklich eine Einweg-Plastikflasche kaufen muss oder nicht. In der heutigen Zeit gibt es bessere Alternativen als Plastikflaschen, erst recht, wenn es keine Pfand- und Mehrwegflaschen sind. Viele denken, dass es keinen Unterschied macht, wenn eine Person etwas ändert oder versucht sich besser zu verhalten. Aber ich sehe das anders. Ich sage auch meinem Kind immer, dass Großes dabei entsteht, wenn viele Kleinigkeiten von vielen Leuten verändert werden. Es macht dann die Masse und das ist in unserer heutigen Welt unglaublich wichtig. Aufgrund der Tatsache, dass ich eine Plattform habe, über die ich diese Probleme ansprechen kann, fühle ich mich dazu gezwungen, Menschen darauf hinzuweisen. Dieses Thema ist in der Tat sehr wichtig für mich.

 

Fotos: Vincent Lions