ever & anon

Stylisch soll unsere Kleidung sein, vorteilhaft und bequem – aber auch nachhaltig. In Zeiten von Fast Fashion und Billigmode ist es jedoch nicht einfach, sozial und umweltbewusst produzierte Klamotten zu finden. Ein Start-up aus dem Unterallgäu macht das jetzt möglich. Ihr Clou: Sie setzen auf Recycling made in Germany – und sparen so Ressourcen und CO2-Emissionen.

Fast Fahion vs. Nachhaltigkeit

Die Zahlen sind erschreckend: Rund 1,3 Millionen Tonnen Altkleider landeten nach Angaben des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung 2018 jedes Jahr im Müll – rund ein Drittel mehr als fünf Jahre zuvor. Im Schnitt entsorgte jeder Deutsche 15 Kilogramm Kleidung pro Jahr. Aktuellere Zahlen gibt es derzeit nicht, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass die Menge an Kleidermüll eher weiter ansteigt. Der Grund: Fast Fashion – billig produzierte und ebenso billig auf den Markt geworfene Kleidung minderer Qualität. Die Stücke werden meist nur wenige Male getragen. Schnell sind sie verschlissen oder kaputt und landen im Müll, besser erhaltene, mitunter sogar unbenutzte Stücke kommen in den Altkleidercontainer. Doch auch von ihnen sind nur rund 60 Prozent noch tragbar, heißt es beim Verband Fair Wertung. Der Rest wird im besten Fall zu Dämmmaterial oder Automatten verarbeitet, ein Großteil wird verbrannt – die in den Klamotten steckenden Ressourcen sind unwiederbringlich verloren.

Doch es gibt auch den entgegengesetzten Trend: Immer mehr Verbraucher fordern nachhaltige, fair produzierte Kleidung, die lange hält und so Umwelt und Ressourcen schont. ever & anon, ein Start-up aus dem Unterallgäu hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, in ihrem Onlineshop auf everandanon.com ausschließlich recycelte Kleidung aus Naturstoffen wie Wolle oder Biobaumwolle zu produzieren, die gleichzeitig hochwertig und langlebig sind. Die Kleidungsstücke orientieren sich nicht an kurzlebigen Trends, sondern sind zeitlos und bereiten lange Freude.

Außerdem sind sie nicht in Masse produziert. „Sobald ein Modell ausverkauft ist, produzieren wir das nicht mehr nach. So bleibst du mit hoher Wahrscheinlichkeit auch unique“, klären die ever & anon-Gründer Carina Preschl und Sebastian Dittrich. Doch ihr wichtigstes Alleinstellungsmerkmal ist ein anderes: Preschl und Dittrich nutzen für ihre nachhaltige Mode vor allem aufgearbeitete Textilien. „Recycling, wo es nur geht“, das ist ihr Leitmotiv.

ever & anon-Gründer Carina Preschl und Sebastian Dittrich

Fasern möglichst lange nutzen

Gerade bei der Wahl der Oberstoffe setzen die beiden Modemacher auf das Wiederverwenden hochwertiger Naturfasern wie Wolle und Baumwolle. „Diese Naturfasern bekommen im Bereich des Recyclings häufig noch zu wenig Aufmerksamkeit, obwohl es auch hier dringend notwendig ist“, erklären die ever & anon-Gründer. Der Grund: Gerade bei Anbau und Aufzucht von Baumwollpflanzen werde enorm viel Wasser verbraucht. Zudem kämen viele Pestizide zum Einsatz. Einmal produzierte Baumwolle müsse deshalb möglichst lange genutzt und wiederverwertet werden, so könne Wasser gespart und der Pestizideinsatz reduziert werden.

Doch auch Stoffe, die aus Kunstfasern oder aus einer Mischung aus Natur- und Kunstfasern bestehen, werden bei ever & anon wiederverwertet. Hier setzen die Gründer gerne auf GRS-zertifizierte Stoffe. Das Siegel steht für Global Recycled Standard und garantiert, dass Textilien aus recycelten Materialien und zudem nach ökologischen und sozialen Kriterien produziert wurden.

Auf Nachhaltigkeit und den Einsatz von wiederverwerteten Materialien achten sie aber nicht nur bei den Oberstoffen. Auch kreative Elemente wie Knöpfe oder Reißverschlüsse sowie technische Zutaten wie Garne, Fixiereinlagen, Kantenbänder und Etiketten werden zum höchstmöglichen Anteil aus recycelten Werkstoffen hergestellt. Und auch die Verpackungsmaterialien sollen, sofern sie wirklich notwendig sind, nachhaltig sein. Auf Plastikfolien verzichtet das ever & anon-Team komplett, die Papierverpackungen sind kompostierbar und zu 100 Prozent aus FSC-Recyclingpapier in Dänemark hergestellt.

Papierverpackungen ever & anon

Auf die Herkunft kommt es bei ever & anon an

Die Herkunft spielt für Preschl und Dittrich auch bei den Stoffen und sonstigen Bestandteilen eine große Rolle. Denn Nachhaltigkeit bedeutet auch, auf lange Transportwege zu verzichten, um Energie einzusparen und den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Statt aus Asien kommen die recycelten Materialien aus europäischen Ländern wie Portugal, Italien oder der Türkei.

Bei der Produktion setzen die Gründer ganz auf „Made in Germany“: Vom ersten Zeichnen der Modelle über die Schnittkonstruktion und die Herstellung der Prototypen bis hin zur Produktion werden die Kleidungsstücke in Deutschland gefertigt. Die heimische Produktion garantiere ein hohes Qualitätsniveau bei der Verarbeitung sowie sichere faire Arbeitsbedingungen, eine transparente Kommunikation und kurze Transportwege zwischen allen am Produktionsprozess Beteiligten.

Auch die Stoff- und Materialreste, die bei der Produktion der Kleidungsstücke anfallen, werden nicht achtlos weggeworfen. Sie gehen an ein Partnerunternehmen, das daraus je nach Qualität entweder Putzlappen oder Sekundärrohstoffe wie Reißfasergemische, die zum Beispiel in der Papierindustrie zum Einsatz kommen, herstellt.

ever & anon Mode

Vorteile liegen klar auf der Hand

„Von Anfang an wollten wir unsere Nachhaltigkeitsmission konsequent durchsetzen“, erklären die Gründer Carina Preschl und Sebastian Dittrich. Die Vorteile nachhaltig, sozial und umweltbewusst produzierter Kleidung liegen für sie klar auf der Hand: Werden Materialien wiederverwertet und zu neuer, hochwertiger und langlebiger Kleidung verarbeitet, entsteht weniger Müll, der verbrannt werden muss. Das reduziert nicht nur die CO2-Emissionen, sondern spart auch Rohstoffe und Ressourcen.

Gleichzeitig wird dank der Wiederverwertung weniger Energie verbraucht, als es bei der Produktion völlig neuer Stoffe der Fall wäre. Zudem spart das Recycling von Naturfasern Wasser, da keine neuen Baumwollpflanzen gesetzt und bewässert werden müssen. „Bei unseren Kollektionen achten wir auf einen möglichst hohen Einsatz von wiederverwerteten Materialien“, so Preschl und Dittrich. So haben alle was von der fairen Mode – die Kunden, die Produzenten und der Planet.

 

 

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Fotos: ever & anon