StartLifestyleUnterhaltungBewegende Filme über Magersucht und Essstörungen, die unter die Haut gehen

Bewegende Filme über Magersucht und Essstörungen, die unter die Haut gehen

Magersucht ist ein Tabuthema – und dennoch mitten in der Gesellschaft zu finden. Denn rund ein Drittel junger Frauen zwischen 15 und 20 Jahren kämpft mit Essstörungen. Und die Zahl der Betroffenen wächst seit den 90er-Jahren kontinuierlich.

Die Gründe sind vielfältig, liegen aber vor allem bei medial und damit gesellschaftlich weit verbreiteten Frauenbildern, die (übermäßige) Schlankheit als Ideal feiern. Mit der Realität hat das wenig bis gar nichts zu tun, weisen doch nur drei Prozent der bundesdeutschen Frauen die häufig propagierten 90-60-90-Maße auf. Dadurch entsteht ein Zerrbild, dem viele junge Menschen nachhängen.

Manchmal spielen auch familiäre oder schulische Probleme sowie ein geringes Selbstwertgefühl eine Rolle.

Das Thema Essstörungen wird in den letzten 30 Jahren auch von der Filmindustrie immer wieder aufgegriffen. Unsere nachfolgende Liste zeigt Filme über Magersucht, die sich diesem Thema auf verschiedene Art und Weise annehmen. Die Liste ist aber ausdrücklich nicht als Ranking zu verstehen, sondern als Empfehlung für Filme, die wir in diesem Zusammenhang als besonders gelungen erachten.

Aufwühlende Filme über Magersucht und andere Essstörungen

1. To the Bone (USA 2017, 107 Min.)


Die Netflix-Produktion wartet mit namhaften Darstellern auf, verfällt aber nicht in Hollywood-Kitsch, sondern nimmt sich seiner Thematik mit Nachdruck an. Einfache Antworten sucht man vergebens, wenn dem Schicksal einer magersüchtigen Frau (Lily Collins) nachgespürt wird. Ursächlich scheint das zerrüttete Verhältnis zu ihrer Familie, bei der sie weder Rückhalt noch Verständnis findet. Erst im Zuge einer radikalen Therapie kommt die Protagonistin ihrem Versuch, die Krankheit hinter sich zu lassen, näher.

Der betreuende Arzt wird von Keanu Reeves verkörpert, der gegen sein Image besetzt ist. Gegenläufig scheinen zudem die Inkonsequenzen und Widersprüche der Hauptfigur, deren Heilungsprozess keineswegs gradlinig verläuft. Genau das war die Intention der Drehbuchautorin und Regisseurin Marti Noxon, sieht sie ihr Drama doch als herausfordernde Werkstudie, nicht als schnell konsumierbares Wohlfühlkino. Noxon kämpfte jahrelang selbst gegen Essstörungen und Magersucht und weiß daher, was Sache ist.

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2. Vincent will Meer (Deutschland 2010, 95 Min.)


Schwere Kost leicht aufbereitet? Und dann auch noch aus Deutschland? Ja, das geht. Ralf Hüttners Tragikomödie „Vincent will Meer“ verbindet einen kantigen Sachverhalt mit komischen Einsprengseln. Resultat ist ein durchaus sensibles Stück Unterhaltungskino, das gleich mehrere Krankheitsbilder zentriert.

Im Mittelpunkt agiert der unter dem Tourette-Syndrom leidende Titelheld Vincent (Florian David Fitz), der seinen Klinikaufenthalt neben dem Zwangsneurotiker Alexander (Johannes Allmayer) und der magersüchtigen Marie (Karoline Herfurth) verbringt. Als das Trio aus der Psychiatrie flieht, um eine Italienreise anzutreten, verwandelt sich das anfängliche Kammerspiel in ein Road-Movie. Zugegeben, die Grundstrukturen erscheinen nicht sonderlich einfallsreich, doch die dynamische Inszenierung und nuanciert aufspielende Akteure verleihen dem Film ungewöhnlichen Reiz. Die präsentierten Krankheiten werden mal mit dem nötigen Ernst, mal mit humorigem Augenzwinkern verhandelt.

Vincent will Meer auf Netflix streamen »


3. Keine Sorge, mir geht´s gut (Frankreich 2006, 96 Min.)


Als Mix aus Thriller und Drama kommt das französische Werk „Keine Sorge, mir geht´s gut“ daher. Die Handlung rankt sich um die junge Lili (Melanie Laurent), die nach den großen Ferien in ihr Elternhaus zurückkehrt. Entsetzt muss sie feststellen, dass ihr Zwillingsbruder das Haus nach einem Streit mit dem Vater verlassen hat. Das fehlende Motiv und die Begleitumstände lassen Lili in die Magersucht abgleiten und ziehen schließlich den Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik nach sich.

Während die Eltern um Normalität bemüht sind, lässt sich Lili ziel- und orientierungslos treiben. Die Apathie, die die Hauptfigur an den Tag legt, spiegelt weniger das klinische Bild einer Essstörung, sondern vielmehr einen universellen Seelenzustand, der die Sinnhaftigkeit des gesamten Daseins in Frage stellt, wider.

Keine Sorge, mir geht´s gut mit Joyn PLUS+ streamen »


4. Delicious – Liebe geht durch den Magen (Großbritannien 2013, 82 Minuten)


Viele Köche verderben bekanntlich den Brei. Wie gut, dass Tammy Riley-Smith nur zwei Exemplare der Gattung auf den Zuschauer loslässt. Da wäre zum einen der frisch aus dem Knast entlassene Franzose Jacques (Nico Rogner) und sein neuer Chef, der britische Starkoch Victor (Adrian Scarborough). Zum Culture-Clash gesellt sich ein Duell am Kochtopf, wenn der Franzmann und der Engländer die Messer wetzen. Abseits der Herdplatte glaubt Jacques in Victor seinen verschollenen Vater gefunden zu haben.

Richtig kompliziert wird es aber erst, als sich Jacques in seine Nachbarin Stella (Louise Brealey) verguckt. Pech nur, dass Stella unter Magersucht leidet. Pragmatisch wie er ist, möchte Jacques sie heilen – mithilfe seiner Kochkünste. Wer sich von der arg konstruierten Story nicht ins Boxhorn jagen lässt, bekommt eine leichthändige britische Lovestory zu Gesicht. Die richtigen Zutaten beim Kochen korrespondieren auf metaphorische Weise mit den richtigen Ingredienzien in der Liebe und im Leben.


5. Thin (USA 2006, 85 Min.)


Der von Amazon Prime vertriebene Dokumentarfilm entführt nach Florida, genauer gesagt in das dortige Renfrew Center, eine therapeutische Einrichtung für Personen mit Essstörungen. Im Zentrum der Darstellung befinden sich vier Frauen, die direkt oder indirekt von Magersucht betroffen sind: Hausfrau Alisa, Studentin Brittany, Lobbyistin Polly und Krankenschwester Shelly. Ihre Porträts werden ergänzt durch Stellungnahmen von Freunden und Familienangehörigen.

Das Kaleidoskop unterschiedlicher Stimmen und Stimmungen verdichtet sich zu einem bewegenden Film über die gesamte Bandbreite der Magersucht und ihrer breitflächigen Folgeerscheinungen. Konsequenterweise zeigt Regisseurin Lauren Greenfield keine Lösungen, allenfalls Chancen und Möglichkeiten auf.


6. Durchgeknallt – Girl Interrupted (USA 1999, 127 Min.)


Für den wichtigsten Filmpreis der Welt nominiert war eine der Akteurinnen des Melodrams „Durchgeknallt“ – und sie ging aus der Verleihung tatsächlich als Siegerin hervor. Die Rede ist von Angelina Jolie, die im Jahr 2000 als „beste Nebendarstellerin“ den Oscar erhielt und folglich eine internationale Karriere startete.

Jolie zur Seite gestellt ist Winona Ryder, aus deren Perspektive „Girl, Interrupted“ erzählt ist. Ryder gibt eine Selbstmord-gefärdete Frau, die Ende der 60er-Jahre in eine psychiatrische Klinik eingeliefert wird. Zwar lautet die offizielle Diagnose „Borderline“, doch das Krankheitsbild deutet vielmehr auf die damals noch weitestgehend unbekannte Essstörung Anorexie hin.

Genauso wie die Regiearbeit von James Mangold das Thema Magersucht umschifft, geht sie auch den damit einhergehenden Randerscheinungen aus dem Weg. Defekte werden eher behauptet als belegt und mit klischierten Versatzstücken ausgeschmückt.

Sehenswert ist der Film allein aufgrund seiner beiden Hauptdarstellerinnen. Winona Ryder und Angelina Jolie gelingt es, die Geschehnisse dem grauen Mittelmaß zu entreißen.

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7. Swallow (USA 2019, 91 Min.)


Laut medizinischer Definition handelt es sich bei Magersucht um eine klinische Form der Essstörung. Sie äußert sich zum Teil in Form von Depressionen. Selbige münden nicht nur in einer verzerrten Selbstwahrnehmung und damit in die Verweigerung von Nahrung. Sie führen mitunter zur „ersatzweisen“ Nahrungsaufnahme „nicht-essbarer“ Dinge. Genau davon handelt „Swallow“.

Das Drama zeigt eine Frau (Haley Bennett) aus ärmlichen Verhältnissen, die einen reichen Mann heiratet, jedoch von dessen Umfeld weitestgehend ignoriert wird. Der wachsende Akzeptanzdruck führt sie dazu, Gegenstände wie Batterien oder Nägel zu schlucken, was in lebensbedrohliche Szenarien mündet.

Obwohl der in der weiblichen Hauptrolle brillant verkörperte (Body-)Horrorfilm das Magersucht-Thema nur indirekt streift, gelingt der Inszenierung das eindrucksvolle Porträt einer dysfunktionalen Außenseiterin, die Dinge verinnerlicht, damit ihr Körper sie veräußert.


8. 301/302 – Der Fall ist gegessen (Südkorea 1995, 100 Min.)


Was passiert, wenn kulinarischer Genuss in sein Gegenteil, die konsequente Nahrungsverweigerung, umschlägt? Dieses philosophische Denkmodell übersetzt der südkoreanische Film „301/302“ in ein (Bilder-)Meer aus asiatischen Leckerbissen. Präsentiert werden sie in verlockenden (Neon-)Farben, die so grell sind, dass die anfängliche Bewunderung alsbald in Ekel und Abscheu umschlägt.

Schuld sind die Bemühungen einer fanatischen Köchin, die neben ihrem Ehemann auch deren Nachbarin „zu Tode kochen“ möchte. Dagegen hilft nur Protest – Prostest in Form eines Hungerstreiks, der schleichend in Magersucht umschlägt. Der unter der Regie von Park Chul-Soo entstandene Streifen war 1995 in der Kategorie „Bester nicht-englischsprachiger Film“ für den Oscar nominiert.

Derzeit nicht erhältlich

Kompletten Original-Film mit englischem Untertitel ansehen:


9. Primo Amore – Körper der Liebe (Italien 2003, 100 Min.)


Das von Matteo Garrone inszenierte Werk versucht sich an einem Perspektivwechsel. Die filmische Studie zentriert einen Mann, der eine Frau zur Magersucht „zwingt“. Zwar ist die junge Geliebte des 40-Jährigen Vittorio (Vitaliano Trevisan) alles andere als dick, doch aus (fehlgeleiteter) Liebe für den Goldschmied, hungert sich Sonia (Michela Cescon) bis auf die Knochen herunter.

Die Beziehung des ungleichen Paares erfüllt im wahrsten Sinne des Wortes die Bedingungen einer „amour fou“, gleicht sie doch einer „ver-rückten“ Sinneswahrnehmung. „Wie dünn ist dünn genug?“ und „Welche Torturen muss ein liebender Mensch auf sich nehmen?“ sind nur zwei der übergeordneten Fragestellungen des Psychodramas. Selbiges ist in ruhigen Bildern und langen Einstellungen gehalten. Der zurückgenommene Duktus erlaubt das Nachdenken über industriell erzeugte Schönheitsideale.

Derzeit nicht erhältlich

Filme über Magersucht und andere Essstörungen – unser Fazit

Wir haben hier verschiedene Filme über Magersucht vorgestellt, die das Thema Essstörungen auf unterschiedliche Art und Weise behandeln. Die Filme zeichnen sich durch ihre authentischen Darstellungen der Krankheit aus und bieten dem Zuschauer Einblicke in die komplexen psychischen und körperlichen Auswirkungen von Essstörungen.

Ein wichtiges Thema, das in vielen dieser Filme behandelt wird, ist die gesellschaftliche Stigmatisierung von Menschen mit Essstörungen. Die Filme zeigen, wie diese Stigmatisierung dazu führen kann, dass die Betroffenen sich isoliert und unverstanden fühlen, was die Genesung erschwert.

Insgesamt können diese Filme wichtige Beiträge zur Sensibilisierung und Aufklärung über diese Krankheiten liefern. Sie vermitteln ein besseres Verständnis für die Herausforderungen, mit denen Betroffene und ihre Angehörigen konfrontiert sind, und helfen dabei, die Notwendigkeit einer umfassenden Unterstützung und Behandlung hervorzuheben.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Filme zwar ein wichtiger Schritt in Richtung Sensibilisierung und Aufklärung sind, aber nicht als Ersatz für eine fachgerechte medizinische Behandlung dienen. Vielmehr können sie dazu beitragen, das Bewusstsein für die Bedeutung einer angemessenen Behandlung zu schärfen und Betroffene und ihre Familien dazu ermutigen, Hilfe zu suchen und anzunehmen.

 

 

Foto: To the Bone Productions LLC / Gilles Mingasson/Netflix

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AJOURE´ Redaktion
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