#Hate-follow - Warum wir Leute stalken, die wir nicht leiden können

Täglich umgeben wir uns mit den sozialen Netzwerken, lassen andere an unserem Leben teilhaben und wollen auch am Leben anderer teilnehmen. Wir sind von Natur aus neugierig und verfolgen gerne das Leben unserer Freunde. Sofern man bei ungefähr 512 Freunden wirklich von Freunden sprechen kann. Aber das ist ein anderes Thema.

Nicht allen, denen wir folgen, sind wir wirklich positiv gegenüber gestimmt. Mal ehrlich, da gibt es ja immer diesen einen Ex, der uns verlassen hat … Was macht er? Mit wem macht er was? Wenn er dann Bilder einer neuen Freundin postet, interessiert uns das doch besonders, auch wenn es weh tut. Oder diese blöde, arrogante Mitschülerin von damals … Was macht sie heute und wie weit ist sie gekommen? Was für ein Leben führt sie? Auch das interessiert uns brennend. Na, erkennst du dich wieder? Gar nicht tragisch, denn so sind wir eigentlich alle!

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Aber warum folgen wir eigentlich Menschen, die wir nicht (mehr) leiden können?

Das Ganze hat einen Namen: Hate-Follow. Im Grunde geht es uns nur darum, die Menschen fallen zu sehen, wir warten förmlich darauf. Irgendein blödes Bild, eine weniger hübsche neue Freundin – und schon geht es uns vieeeel besser. Das liegt einfach in der Natur der Sache: Wir wollen uns permanent vergleichen und besser dastehen, um unser eigenes Ego zu puschen. Ist das nicht verrückt? Wenn es anderen, unseren selbsternannten „Feinden“, schlechter geht als uns, freuen wir uns und es geht uns deutlich besser.

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Dabei ist es interessant zu wissen, dass wir eher zu Stalkern werden, wenn es uns selbst schlecht geht. Ärger im Job gehabt? Kein Problem, wir gucken mal, wem wir heute mal auf das Profil schauen können.

Da sich viele Leute auf den Plattformen nahezu nackig machen und fast alles posten, finden wir doch bestimmt jemanden, über den wir uns lustig machen können. Dabei bemessen wir die Dinge auch ganz unterschiedlich, was für uns selbst cool erscheint, finden wir bei anderen lächerlich.

Eine Studie der Ohio State University hat das Phänomen „Hate-Follow“ bestätigt:

Die Probanden der Studie nahmen an einer Prüfung teil, die eine Hälfte schnitt sehr gut ab, während die anderen Teilnehmer äußerst schlecht abschnitten. So wurde es ihnen zumindest mitgeteilt. Daraufhin sollten die Teilnehmer auf einer eigens eingerichteten Social-Media-Plattform surfen. Es stellte sich heraus, dass die „Guten“ in die Welt der Schönen und Reichen eintauchten, während die „Schlechten“ nach Leuten suchten, denen es scheinbar schlechter ging als ihnen selbst.

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Das kann ganz schön anstrengend werden, denken wir – wir wollen doch eigentlich auf den Plattformen Freude teilen und uns an schönen Dingen erfreuen. Vielleicht solltest du auch mal deinen Account durchforsten und einige „Freunde“ aussortieren – das Leben geht ja auch nach dem Ex weiter …

In diesem Sinne: „Love-Follow“!

 

Foto: RichVintage / Getty Images