Fairphone 3: Wie gut ist das neue nachhaltige Smartphone?

Alleine die Tatsache, dass es das Fairphone 3 überhaupt gibt, kann schon als Erfolg verstanden werden. Denn auf einem Markt, der von Giganten wie Apple, Samsung und Huawei dominiert wird, war der Erfolg eines Nischenanbieters für nachhaltige Produkte keineswegs garantiert. Das Fairphone 3 ist aber gleichzeitig auch der Beweis dafür, dass das Unternehmen nicht nur überlebt, sondern sich auch technologisch deutlich weiterentwickelt hat.

So sieht das nachhaltige Smartphone aus

Das Vorgängermodell war verglichen mit dem Branchenstandard noch recht klobig. Daraus haben die Entwickler nun allerdings gelernt: Das Fairphone 3 ist schmaler und dünner geworden – dafür aber auch etwas länger. Konkret liegen die Abmessungen bei 158 x 71.8 x 9,89 mm. Für die Länge des Smartphones gibt es eine einfache Erklärung: Das Display ist größer geworden und kommt nun auf 5,65 Zoll. Gleichzeitig sorgt die Verschlankung in der Breite aber dafür, dass der Bildschirm auf ein etwas ungewohntes 18:9-Verhältnis kommt. Dafür flimmert das Display – anders als beim Vorgänger – aber auch nicht mehr. In Sachen Nutzungskomfort ist also eine deutliche Verbesserung gelungen.

Fairphone 3 vorne und hinten

Die Leistungsdaten des Fairphone 3

Selbiges gilt auch in Sachen Leistungsfähigkeit. So liegen die Werte für den Arbeitsspeicher (4 GB Ram) und die Speicherkapazität (64 GB) jeweils doppelt so hoch wie beim Vorgänger. Bedenkt man, dass das letzte Modell schon vor rund vier Jahren auf den Markt kam, sollte dies aber keine Überraschung darstellen. Als Prozessor kommt ein Qualcomm Snapdragon 632 mit 8 Kernen und bis zu 1,8 GHz zum Einsatz. Alles in allem befindet sich das Fairphone 3 damit leistungstechnisch in der Mittelklasse der Smartphone-Welt. Eine wichtige Verbesserung konnte allerdings erreicht werden: Während das Fairphone 2 für den Start noch extrem lange braucht, startet das neue Modell deutlich schneller.

Die Kamera: Von der Schwachstelle zum soliden Produkt

Schaut man sich alleine die Daten auf dem Papier an, dürften bei der Kamera eigentlich die Alarmglocken klingeln. Denn das Fotogerät auf der Rückseite kommt mit Weitwinkelobjektiv auf 12 und die Selfie-Kamera auf 8 Megapixel. Dies sind exakt die Werte des Vorgängermodells und dort galten die Fotos als eindeutige Schwachstelle. Erstaunlicherweise ist es dennoch gelungen, die Qualität der Bilder deutlich zu steigern. Insbesondere bei nicht optimalen Lichtbedingungen können nun bessere Ergebnisse erzielt werden. Von den High-End-Kameras der Spitzen-Smartphones ist man damit zwar noch immer weit entfernt. Für den einen oder anderen Erinnerungsschnappschuss kann das Fairphone 3 aber problemlos genutzt werden.

Fairphone 3 Selfie

Das Betriebssystem bleibt unverändert

Von Beginn an war das Fairphone-Projekt rein auf die Hardware ausgelegt. Ein eigenes Betriebssystem wurde nicht entwickelt. Auch das neueste Modell setzt daher weiter auf Android. Konkret wurde Andorid 9 mit dem aktuellsten Sicherheitsupdate verwendet. Für dich bedeutet das: Du findest alle gängigen Google-Apps auf dem Gerät. Dennoch gibt es einen wichtigen Unterschied zu den meisten anderen Herstellern: Es wurde darauf verzichtet, zusätzliche Bloatware zu installieren. Auf dem Smartphone befinden sich also keine Apps, die du nicht brauchst, die aber installiert wurden, weil die Publisher dafür bezahlt haben.

Wie nachhaltig ist das Fairphone 3?

In Sachen Nachhaltigkeit setzen die Macher vor allem auf zwei Ansätze. Zum einen kommt nicht jedes Jahr ein neues Modell auf den Markt. Dies leuchtet ein: Alle vier Jahre ein neues Smartphone zu kaufen ist nachhaltiger, als im gleichen Zeitraum drei Geräte in den Müll zu werfen. Gleichzeitig setzt das Fairphone 3 auf einen modulartigen Aufbau. Mithilfe eines mitgelieferten Schraubenziehers kann das Gerät in seine Einzelteile zerlegt werden. Der große Vorteil: Die einzelnen Module können nachbestellt und auch durch Laien ausgetauscht werden. Auch diese Vorgehensweise punktet in Sachen Nachhaltigkeit. Denn so kannst du dein Smartphone deutlich länger nutzen und es werden Ressourcen gespart. Beim Kauf eines neuen Fairphones kannst du zudem dein altes Smartphone gegen eine Prämie eintauschen.

Wie fair ist das faire Smartphone wirklich?

Das kommt ganz auf den Standpunkt an. Klar ist: Es ist relativ einfach, Kakao oder Kaffee unter fairen Bedingungen anzubauen. Ein ganzes Smartphone aber, für das eine Vielzahl an Rohstoffen benötigt werden, ist eine viel komplexere Aufgabe. Zumindest setzen die Macher hinter dem Fairphone 3 hier auf Transparenz. Bei einigen Rohstoffen konnten zudem schon wichtige Fortschritte erzielt werden. Plastik, Kupfer und Wolfram beispielsweise werden per Recycling gewonnen. Bei Zinn und Tantal wird aktuell an fairen Lieferketten gearbeitet. Noch ist in diesem Bereich also einiges zu tun. Klar ist aber: Das Fairphone 3 ist in Sachen Fairness besser aufgestellt als alle anderen Produkte auf dem Markt. Produziert wird es allerdings ebenfalls in China. Die Arbeiter dort erhalten aber deutlich mehr als den örtlichen Mindestlohn.

Fairphone 3 Komponenten

Ist das faire Smartphone auch preislich konkurrenzfähig?

Wenig überraschend gibt es Nachhaltigkeit und Fairness nicht zum Nulltarif. Mit einem Preis von 450 Euro ist das Fairphone 3 deutlich teurer als vergleichbare Modelle. Das ähnlich leistungsfähige Motorola Moto G7 kostet beispielsweise weniger als 300 Euro. Nutzt man das Smartphone allerdings über mehrere Jahre und kauft nicht alle zwölf Monate ein neues, können sich diese Mehrkosten relativieren. Zumal auch die Ersatzteile des Fairphones vergleichsweise günstig sind:

1. Display: Ca. 90 Euro
2. Kamera: Ca. 50 Euro
3. Lautsprechermodul: Ca. 20 Euro
4. Untermodul mit USB-C, Mikro usw: Ca. 20 Euro
5. Topmodul mit Selfie-Frontkamera: Ca. 30 Euro
6. Akku: Ca. 30 Euro
7. Rückabdeckung: Ca. 25 Euro

Fazit: Das Fairphone 3 kann mithalten

Wenn du ein High-End-Smartphone mit möglichst vielen technischen Spielereien haben möchtest, bist du beim Fairphone an der falschen Adresse. Selbiges gilt für besonders preissensible Käufer. Wer aber ein langlebiges, nachhaltiges und durchaus leistungsfähiges Produkt sucht, sollte das Fairphone 3 auf jeden Fall mit in die engere Auswahl nehmen.


Mehr zum Fairphone 3 findest du auf https://www.fairphone.com/de/

 

Fotos: Fairphone (CC BY-NC-SA)