Es heißt doch irgendwie so: „Was dem einen seine Eule, ist dem anderen seine Nachtigall.“ Sprich, was der Eine so sieht, sieht der Andere eben so. Was dem Einen Freude bereitet, bedeutet für den Anderen Eisberg volle Kraft voraus.
Ist das schlimm? Eigentlich nicht.

Vor ein paar Wochen, als ich noch in Kolumbien war, lernte ich einen Deutschen kennen, der mir auf Anhieb unsympathisch war. Er hatte mitbekommen, dass ich auf der Suche nach einem Restaurant war und lud sich einfach selbst mit ein. (Dass ich nicht fähig bin, in so einer Situation „nein, danke“ zu sagen, ist eine andere Geschichte.) Was ich aber sagen konnte, war, dass ich Vegetarierin sei und falls er vorhabe, kolumbianisch essen zu gehen, er leider woanders hingehen müsse. Er winkte gleich ab und meinte, das sei kein Problem.
Ach ja? Vielleicht bis zu dem Zeitpunkt, ab dem er immer wieder kopfschüttelnd betonen musste, warum ich denn kein Fleisch essen würde, wie ich das nur machen könne und warum man sich denn so geißeln müsse.

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Man kann erahnen, dass mir fast der Kragen geplatzt ist. Ohne eine Fleischdebatte in Gang setzen zu wollen, aber nein, ich bin in der Regel kein missionierender Vegetarier, der es nicht erträgt neben jemandem zu sitzen, der Fleisch ist. Es stört mich manchmal, ja, sage ich etwas dazu? Nein.

Warum ist es also für manche Menschen so unerträglich schwierig, ihre Meinung für sich zu behalten? Wieso haben so viele sogar den Drang, einen unwahren Wurm ins Ohr zu setzen, beispielsweise, dass ich mich geißeln würde? Ja, vor allem dann, wenn ich wiedermal mein Essen vor lauter Euphorie und Glückseligkeit hinunterschlinge.

Warum haben manche Zeitgenossen einen so großen Drang, Dinge, die für andere wichtig sind oder ihnen sogar Freude bereiten, schlecht zu reden? Das fängt beispielsweise beim Urlaub an („echt, was willst du denn in dem Land?“) bis hin zu verschiedenen Geschmäckern („wie kannst du nur diese Musik hören?“).
Es liegt natürlich in der Natur des Menschen, automatisch auf Dinge, Ereignisse, Umstände zu reagieren. Wenn beispielsweise vor mir ein abgepackter Fleischsalat vom Discounter steht, dann muss ich würgen, unabhängig davon, ob der anderen Person das schmeckt. Und manchmal hat man mit Orten oder Erlebnissen schlechte Erfahrungen gemacht und möchte seine Freunde darüber in Kenntnis setzen, sie davor bewahren oder sich einfach auszutauschen. Trotzdem gibt es einen sehr schmalen Grat zwischen Austausch und Schlecht-Reden. Oder dem allseits bekannten Missgönnen. Oder beidem.

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Ich kenne Menschen, und ich bin sicherlich nicht die Einzige, die zu allem, absolut allem, eine Meinung haben. Und wenn sie keine haben, weil sie sich mit der Materie nicht auseinandersetzen, dann bauen sie sich eine. Sie geben zu jeder Angelegenheit ihren ungefragten Senf dazu, reden die Träume anderer schlecht und obendrauf garnieren sie ihre Bockwurst mit der Aussage, dass sie selbst das Ganze entweder besser machen würden, schon längst an diesem Reiseziel gewesen seien oder es nicht verstehen könnten – was auch immer! Sie wissen es besser. Selbst wenn sie gar nichts wissen.
Dauerkommentieren. Das ist ja sowieso leider ein Phänomen derer, die so gar keine Ahnung haben. Eine Tatsache, die mir schleierhaft ist, denn wenn ich keine Ahnung habe und spüre, wie sich jeder von mir abwendet, weil ich nur negative Energie versprühe, dann ist es höchste Zeit zu schweigen. Denn es ist eigentlich nicht schwierig, einen Menschen glücklich oder in Vorfreude zu sehen, auch wenn es selbst vielleicht nicht den eigenen Vorstellungen entspricht.
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Foto: Shut Up, take 2 von Daniela Vladimirova via flickr.com, cc by 2.0