Anika Landsteiner Kolumne

Derzeit bin ich Strohwitwe. Alleine in einer zu groß erscheinenden Wohnung. Wenn man sich als Frau in diesen Gedanken hineinsteigern möchte, klappt das wunderbar, schnell und effizient. Dazu gibt es seit ein paar Tagen noch einen tollen Katalysator obendrauf: Ständig geht irgendetwas kaputt, was ich nicht reparieren kann oder will. Eine Eigenschaft, die frau sich aneignet, wenn sie sich immer auf mann verlassen konnte. Beide Daumen runter.

Eventuell werde ich zur Klempnerin. Folgende Geschichte ereignete sich letzte Woche und ich musste wirklich leider feststellen, dass ich genau die Frau bin, die bei Reparaturarbeiten oder auch nur einfachen, technischen Vorgängen ihrem Mann nicht über die Schulter schaut, sondern sich lieber wieder den putzigen Katzenbaby-Videos auf YouTube zuwendet. Doch jetzt, wo ich für ein paar Monate alleine in der Wohnung verweile, muss ich auf unsanfte Art und Weise lernen, dass ich a) besser mal zugeguckt hätte und b) nun selbst zum Werkzeug greifen muss.

An unseren Heizungen ist der Griff abmontiert, stattdessen ist ein super tolles und innovatives Thermostat mit Selbstregelungs-was-auch-immer drangeschraubt. Und ob man es mir glauben möchte oder nicht, aber während ich im Bett lag, fiel das Plastikding einfach ab. Wie von Zauberhänden. Daraufhin feuerte die Heizung volle Kraft voraus und ich hatte das Gefühl, in der Wohnung zu ersticken. Also dachte ich mir: Selbst ist die Frau. Und schaute mir keine Tiervideos auf YouTube an, sondern DIY-wie-schraube-ich-einen-Plastikring-vom-Aufsatz-um-danach-wieder-den-normalen-Griff-anzubringen. Ich habe es (natürlich) nicht hinbekommen.

Und so hing ich über der Heizung mit hochrotem Kopf, riss das Fenster auf und rief meinen Vater an, der ironischer Weise Heizungsinstallateur ist und mir mit stoischer Ruhe und einem Grinsen auf den Lippen (ja, ich konnte es durch die Leitung hören) zu erklären versuchte, wie ich vorgehen musste. Endlich verstanden, scheiterte ich immer am letzten Schritt – trauriger Weise, weil ich einfach nicht genügend Kraft hatte.

In der Zwischenzeit rief mein Freund an, der mir dann ebenfalls das Prozedere erklärte. Nichts half. Während mein Vater schnell zu Hause mit der Hilfe meiner Mutter ein kleines Video drehte, indem er bei der eigenen Heizung den Vorgang dokumentierte, befahl mein Freund, beim Nachbarn zu klingeln, das sei ein „kompetenter Kerl, der sicherlich mehr Kraft hätte als ich“.

Nun gut. So klingelte ich, immer noch mit hochroter Birne, beim Nachbarn. Eine junge Frau öffnete, ich war überfordert und stammelte nur etwas von „wohnt hier auch ein Mann?“. Der Mann war beim Sport. Aber das Mädchen nett. Weiterhelfen konnte sie mir nicht, dafür haben wir uns ganz gut unterhalten. Ich ging wieder rein. Mittlerweile war das Video von Papa angekommen. Zuckersüß, irgendwie, was er sich für Mühen gemacht hat. Plus Mamas Stimme im Off, die gekonnt mit ihrem iPad die Heizungs-Doku bildlich festhielt.

Ich schaffte es. Mit roher Gewalt. Papa stolz. Freund auch. Ich heulte. Warum? Ach, weil das halt so ist, wenn man körperlich am Ende ist und eigentlich nur schlafen wollte.
Ich bin eben die typische Frau. Habe keine Ahnung von Werkzeug und schreibe am liebsten über die Liebe. Aber jetzt bin ich Profi, was das Austauschen von Thermostaten an Heizkörpern angeht. Das ist doch was. Auf geht’s zur nächsten Challenge. Ich stehe bereit mit Werkzeugkoffer in der Hand und Angstschweiß auf der Stirn.