Als ich klein war, wollte ich immer ein Junge sein. Keine Kleider, lieber Hosen. Als ich 12 war, hängte ich meine eventuelle Ballettkarriere an den Nagel, weil es von heute auf morgen uncool war, im Tutu über die Bühne zu flitzen. Und die Jungs? Wollten die jemals ihre weibliche Seite leben? Nö, die haben nur ab und an die Betitelung „Du bist so ein Mädchen!“ zu hören bekommen. Und das war kein Kompliment.

Dass wir Frauen als das schwächere Geschlecht bezeichnet werden, ist etwas, womit wir uns wohl längst abgefunden haben. „Schwach“ ist zwar ein grundsätzlich blödes Adjektiv, aber wir geben gerne zu, dass wir in den meisten Fällen körperlich schwächer sind als die meisten Männer. Da hört es aber schon auf, denn bezüglich allen anderen Attributen sind wir sehr wohl auf gleicher Augenhöhe. Wer hätte je etwas anderes behauptet?

Und trotzdem. Viele Mädchen wollten in jüngeren Jahren lieber dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden – und nein, das hatte nichts mit Transvestitismus zu tun. Wir armen Mädchen, die mit zu zwei Zöpfen geflochtenem Haar am Sonntag ein hübsches Kleid anziehen mussten und getadelt wurden, wenn wir in unseren blütenweißen Sandalen über den Spielplatz fegten. Wollten wir doch viel lieber Jungs sein, die sich im Dreck suhlen durften und coole Piratenpflaster auf ihren verschrammten Knien trugen. Hach, kein Wunder, dass so viele Mädchen schon in der Pubertät die Schnauze voll hatten von dem ganzen Weiberkram. Denn irgendwie haben wir die Aussage mitbekommen, dass Männer einfach mehr Spaß haben und sich an nichts halten müssen, denn wenn man als Mann gegen Regeln verstößt, dann ist das rebellisch und sagenhaft lässig. Ja, fast schon heldenhaft. Während die Frau in der Ecke steht und ihn anhimmeln darf. Das war’s dann aber auch. Ja, ich gebe es zu, wir sind in vielen Punkten verdammt neidisch auf euch, Jungs.

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Nicht umsonst findet der beleidigende Ausruf „Du bist so ein Mädchen“ seinen Ursprung genau hier. Frauen ist immer kalt, sie müssen immer aufs Klo, haben meist dazu auch noch Hunger und müde sind sie sowieso.
Männer hingegen frieren nicht, wenn sie aufs Klo müssen, stellen sie sich einfach an einen Baum oder fahren rechts ran, wenn sie Hunger haben, erlegen sie ein Tier und müde ist ein Mann nie, es sei denn, er war wiedermal 36 Stunden am Stück wach. Dann macht er allerdings nur einen kleinen Powernap und isst ein paar Nüsse.

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Doch darf ich an dieser Stelle mal kurz beleuchten, was wir Frauen erleben, ich möchte fast sagen, teilweise durchmachen müssen, um am Ende als starkes und unabhängiges Individuum dastehen zu können? Mit dem Einsetzen der Periode setzt bei den meisten auch erst mal große Verwirrung ein, gefolgt von einem jahrelangen Leidensweg, welcher sich in Bauchkrämpfen, Rückenschmerzen und Stimmungsschwankungen zeigen kann. Wir lernen, damit umzugehen, weil wir’s können. Wir sind außerdem diejenigen, die schwanger werden und dadurch zwar reich beschenkt werden von Mutter Natur, allerdings auch hier obiges Leiden in Höllenformen auszuhalten haben. Wir sind es auch, die immer noch zu hören bekommen, dass man für eine bestimmte Jobstelle nicht geeignet sei oder seltsam von der Seite angeschaut werden, sollten wir es doch in eine Führungsposition geschafft haben.

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Ich finde, angesichts dessen, dass das schwächere Geschlecht die ganzen Jungs, die diese Bezeichnung verwenden, voller Liebe und Hingabe zur Welt bringt und somit ebendiese in Gang hält, doch äußert überfällig ist zu überdenken. Wir haben einiges geschafft und es liegt immer noch vieles vor uns.

Nicht verwechseln darf man die Angelegenheit damit, dass es weiterhin schön ist, mal die Tür aufgehalten zu bekommen oder eingeladen zu werden. Das hat nämlich nichts damit zu tun, dem schwächeren Geschlecht unter den Arm zu greifen, sondern schlicht und ergreifend mit guten Manieren und dem Dasein eines waschechten Gentlemans.