Mir ist derzeit unglaublich danach, einer Scheiß-egal-Einstellung zu frönen. Kopfüber stecke ich in Arbeit und kollidiere fast minütlich mit einem Eisberg. Nicht jedem kann man es immer recht machen und schon gar nicht sich selbst. Und während der Urlaub immer näher rückt, habe ich mittlerweile nur noch einen Gedanken im Kopf: Fuck it.
Und: Wir brauchen mehr Luftblasen, sonst gehen wir unter.

Fuck it. Das befreit so sehr, dass es mich selbst erstaunt. Einatmen, ausatmen, fuck it sagen. Oder, für alle, die im Büro sitzen, fuck it denken. Ein kostenloses Heilmittel, das sofort wirkt und auch noch ohne Nebenwirkungen. Während ich diese Zeilen tippe, fange ich an zu lächeln, erst unbewusst, aber nun spüre ich es und vielleicht lächeln wir nun zusammen? Ich gestehe mir ein, dass es das erste ehrliche Lächeln heute ist. Warum? Mal von vorne.

Seit Wochen rackere ich mich ab. Ich habe ein Printmagazin in den Druck gebracht, während das nächste Projekt und eine bedrohliche Deadline schon in den Startlöchern stand. Gleichzeitig dazu habe ich – obacht, Luxusproblem – großen Freizeitstress, denn wohnt man zu Wiesn-Zeiten in München, klopfen Freunde aus der ganzen Welt an und einmal im Jahr weiß ich, wie es sich anfühlt, Hotel Mama ausgenutzt zu haben. Denn nun arbeite ich fünf, manchmal sechs Tage die Woche, um am Wochenende vollkommen verschnupft über das Oktoberfest zu rennen und am Sonntagnachmittag das Gästebett frisch zu beziehen – und die nächsten, bitte!

Bitte interpretiert nicht zu viel Sarkasmus in diese Zeilen, denn die letzten Wochen waren Teil einer bombastischen Zeit. Aber ich bin Typ Mensch, und vielleicht bin ich da nicht alleine, der schnell Angst bekommt, es nicht jedem recht machen zu können und sich permanent unter Wert verkauft. Ich kann mir definitiv eine Scheibe abschneiden von den Menschen, die das Nach-mir-die-Sintflut-Prinzip nicht nur leben, sondern anscheinend auch noch konzipiert haben.

Also habe ich mal versucht, den Stecker zu ziehen. Einfach so. Ich übe das ehrlich gesagt gerade noch, denn eigentlich ist mir total wichtig, Projekte zu Ende zu bringen oder sie in gute Hände abzugeben. Und eben weil ich niemand bin, der sich einfach umdreht und geht, verabschiede ich mich mit dieser Kolumne. Denn hier, bei ajouré, ziehe ich heute einen meiner vielen überspannten Stecker und sage zum Abschied leise Servus (aus Bayern).

Es hat mich gefreut, über ein Jahr hinweg manchmal einen Austausch anzustiften, Menschen zum Lachen zu bringen oder einfach nur die Mittagspause zu versüßen.

Ich für meinen Teil verschwinde nun Richtung Asien und komme danach mit einem frischen Kopf, ganz viel exotischem Input und voller Tatendrang zurück.

Denn es geht immer weiter, halleluja. Auch wenn es kleine Luftblasen dazwischen braucht, in die man sich dann retten kann. Momente zum Durchatmen. Zum Fuck it sagen und es auch so meinen. Einfach mal alles hinschmeißen. Das darf man gerne, das soll sogar so sein. Denn genau dann, wenn du gut hinschaust, spürst du, was du wirklich drauf hast. Wie weit du gehen kannst und was du vermagst zu träumen. Genau so, wie Wolfgang Herrndorf es schon in tschick geschrieben hat:

„Weil, man kann zwar nicht ewig die Luft anhalten. Aber eben doch ziemlich lange.“

 

Wer möchte, kann meine Arbeit unter www.anidenkt.de verfolgen und nächstes Jahr meinen Roman kaufen, der derzeit noch in Bearbeitung ist, aber 2015 verlegt wird.

(Bildquelle: JD Hancock (flickr) via cc by sa-2.0)