Hate Fuck: Warum die Lust am Hass so unwiderstehlich ist

In zwischenmenschlichen Beziehungen findet sich kaum ein heftigerer Gegensatz als Liebe und Hass. Diese Urgewalten stehen zwar auf den ersten Blick in völligem Konflikt zueinander, liegen aber zuweilen näher beisammen als dir vielleicht bewusst ist. Wir zeigen dir, was Hate Sex ist und was ihn so begehrenswert macht.

Sex ohne Liebe

Wir alle sehnen uns nach Zuneigung und Geborgenheit, eng umschlungen im Bett zu kuscheln und füreinander da zu sein. In den allermeisten Fällen resultiert Sex in Beziehungen aus Liebe heraus, oder zumindest aus gegenseitigem Interesse und Sympathie. Der sogenannte Hate Fuck hingegen erwächst aus einer gegenläufigen Emotion: Hass. Beides sind äußerst intensive und unberechenbare Emotionen, aus denen sexuelles Interesse entstehen kann. Die Intensität kann in beiden Fällen sehr ausgeprägt sein, lediglich die Art des Sex verändert sich. Und es eröffnet sich eine völlig andere Erfahrung. Landet ein Pärchen durch Liebe im Bett, ist der Akt zärtlich, sanft und gefühlvoll. Das ganze Erlebnis basiert auf Vertrauen, man sorgt sich umeinander, möchte sich gegenseitig verwöhnen und geht auf Vorlieben und Wünsche ein.

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Sexuelle Gefühle können jedoch auch aus Hass entstehen, wobei der Fokus auf den eigenen Bedürfnissen liegt. Dabei steht vielmehr die körperliche Befriedigung im Vordergrund als der Austausch von Zärtlichkeiten. Rough Sex zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass das selbstsüchtige, animalische Vergnügen Mittelpunkt des Geschehens wird und Grenzen überschritten werden können, die ansonsten unangetastet bleiben. Kratzen, Beißen und Spielzeuge sind dabei nur einige Beispiele für Neigungen, die Pärchen ansonsten für sich behalten würden.

Warum will ich ihn, obwohl wir uns hassen?

Viele Menschen kennen das Gefühl, trotz allen Differenzen zu einer gewissen Person hingezogen zu werden. Oftmals spielt es dabei keine große Rolle, ob es sich um den Ex handelt, der dir durch Lügen und Untreue das Herz gebrochen hat oder um eine flüchtige Bekanntschaft, die auf den ersten Blick schlichtweg unsympathisch erscheint. Was führt dazu, dass wir Menschen körperlich lieben wollen, obwohl wir sie emotional verabscheuen?

Eine mögliche Erklärung besteht darin, dass wir zwar beigebracht bekommen, negative Emotionen zu unterdrücken, diesen aber gerne freien Lauf lassen wollen. Das kann zum Erhalt von Beziehungen oder für das Wohlbefinden der eigenen Gefühlswelt auch dringend nötig sein. So kann es passieren, dass wir negative Empfindungen nicht durch Worte, sondern durch Taten artikulieren. Im Alltag kann die Wahrheit hässlich und verletzend sein. Im Bett allerdings kann sie sogar erregend wirken, wenn man sich endlich mal sorglos aussprechen darf und kein Blatt vor den Mund nehmen muss oder einfach nur durch körperliche Gesten zeigen kann, was man von seinem Gegenüber hält.

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Der Hang zum Angry Sex kann allerdings auch seine Wurzeln in einem gestörten Verhältnis zu den Eltern haben. So neigen Jungen, die in ihrer frühen Kindheit eine problematische Mutter-Kind-Beziehung erfahren haben, eher dazu, Aggressionen gegenüber Frauen zu empfinden und diese in Beziehungen auch auszuleben. Mädchen, die von ihren Vätern vernachlässigt wurden, stellen tendenziell später im Leben geringere Ansprüche an potentielle Partner und tolerieren in diesem Fall das raue Verhalten des Mannes.

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Das Spielchen mit dem Hass

Normaler Sex kann in einer Beziehung schnell langweilig werden. Er gehört zur Tagesordnung, beide Partner trauen sich wenig Neues und die ständige Routine steht im Kontrast dazu, dass der Mensch nach neuen Erfahrungen und Erlebnissen strebt. So kann Hate Sex, lässt man sich darauf ein, schnell dazu führen, etwas Außergewöhnliches zu probieren und über seinen Schatten zu springen. Einfach mal die tierischen Triebe und jene Leidenschaft auszuleben, von der die meisten Menschen nicht einmal wissen, dass sie in ihnen schlummert, kann Schwung in die Beziehung bringen. Er ermöglicht, sich rein körperlich auszusprechen und sich sexuell das zu nehmen, was man dringend braucht. Versöhnungssex ist eine Form des Hate Fuck, hat im direkten Vergleich jedoch die Zielsetzung, danach die Beziehung wieder in gewohnte Bahnen zu lenken.

Reiner Hate Sex dagegen ist eher als kurzweiliges Machtspielchen zu sehen und im Fokus steht das Ausleben von Bedürfnissen und emotionale Bindungen sind selten das Ziel.

 

Foto: Artem Furman / stock.adobe.com