Diese Montagskolumne würde es nicht geben, wenn es nicht immer Gesprächsbedarf zwischen Mann und Frau geben würde. Und die unterschiedlichen Meinungen dazwischen. Deswegen habe ich ein paar Männer gefragt, was sie wirklich an Frauen stört und was sie im Gegenzug an ihnen zu schätzen wissen. Und ich muss sagen, dass ich die Antworten radikal ehrlich und sehr schön finde.

„Dass sie sich meist über ihr Äußeres definieren, obwohl sie verdammt nochmal viel mehr zu bieten haben, und aber gleichzeitig fast nie zu ihrem Körper stehen“.

Uff, das sitzt. Da stecken zwei Vorwürfe und ein Kompliment drin. Allerdings, je öfter ich die Zeilen lese, desto intensiver nicke ich dazu innerlich.
Dadurch, dass wir schon immer als das schwache Geschlecht betitelt werden, suchen wir uns unsere Nischen und die Attribute an uns, die uns helfen hervorzustechen. Das tun wir, indem wir unsere Lippen knallrot bemalen, uns in schwindelerregend hohe Schuhe zwängen oder unsere Haare bis zum Po wachsen lassen. Weiblich sein ist schön. Sich weiblich zu fühlen ist noch viel schöner. Und wir wissen, dass die Mehrzahl der Männer genau darauf steht: Auf eine Frau, die sich präsentieren kann und etwas aus sich macht.

Trotzdem geht es den meisten Frauen, die ich kenne, so: Sie stehen perfekt gestylt in einer Bar und können trotzdem ein Kompliment bezüglich ihrem Äußeren nicht annehmen. Sie spielt es herunter oder wirft ihrem Gegenüber vor, er hätte sofort irgendwelche Absichten. Wir sind Geschlecht Misstrauisch. Trauen nicht nur nicht dem Menschen neben uns, sondern oftmals auch nicht uns selbst. Es fällt uns schwer, uns in unserem Körper fallen zu lassen. Weil wir ihn zu weich, zu rund, zu un-ge-photo-shopt finden.

„Dass sie in Konflikten meist nicht sachlich bleiben können, gleichzeitig aber eine Emotionalität ausstrahlen, die Ruhe und Sicherheit beinhaltet. Sie sind einfach emotionaler, das hat Vor- und Nachteile.“

Das finde ich schön. Wir strahlen „Yin“ aus, damit sich das „Yang“ hineinkuscheln kann. Ich bin fast ein bisschen überfordert mit der Tatsache, dass sich hier ein Mann traut zuzugeben, dass Frauen eine fürsorgliche Ausstrahlung haben und dass Männer es genießen, auch mal aufgefangen zu werden.
Emotionalität hat immer seine Schattenseiten. Ich gebe zu, dass ich mich kaum daran erinnern kann, in einer Auseinandersetzung komplett sachlich geblieben zu sein. Viel zu oft vermischen sich alte Wunden, nicht ausgesprochene Vorwürfe mit der eigentlichen Angelegenheit, um die es geht. Das können Männer besser und es fällt ihnen gleichzeitig unglaublich schwer, mit einem Vorwurf anno 2011, damals im Sommer am Strand, als du meintest… umgehen zu können. Das bringt nichts, weil sie sich schon 2011 nicht anders verhalten konnten, was sollten sie nun 2014 besser machen, wenn sie sich nicht mal mehr an den Vorfall erinnern können?
Fehlende Sachlichkeit. Ich finde, wenn man das aus weiblicher Sicht betrachtet, handelt es sich hier um ein grandioses Kompliment. Wer will schon sachlich bleiben, wenn es so viele Emotionen zu erleben gibt?

In einer Sache waren sich alle einig: Wir seien zu kompliziert. Und würden dem Mann immer vorwerfen, er sei so leicht zu durchschauen. Die Männer fragten mich: Geht es wirklich darum?
Und ich sagte: Ich habe diesen Vorwurf noch nie wirklich verstanden. Welche Frau möchte einen Mann, den sie nicht versteht? Wir haben genug damit zu tun, uns selbst zu durchschauen.