Seitdem das Internet so richtig stylish wurde, an jeder virtuellen Ecke ein hübsches Bildchen oder ein inspirierender Satz zu finden ist, habe ich einen eigenen Ordner auf meinem Desktop. Der ist randvoll mit genau diesen Sprüchen, einsamen Landschaften, glücklichen Menschen, die in den Sonnenuntergang laufen und mir erzählen, was ich tun muss, um auch so glücklich zu sein. Mittlerweile frage ich mich allerdings: Warum brauchen wir das eigentlich?

Gab es irgendwann einen Zeitpunkt, an dem unser Freigeist einfach so geweckt wurde? An dem jemand beschlossen hatte, dass ab jetzt jeder wieder träumen muss, ganz viel reisen gehen sollte und am besten auch noch fabelhaft sonnengeküsst dabei auszusehen hat? Die virtuellen Inspirationsquellen kamen auf einmal aus dem Boden geschossen und der persönliche Guru ist mittlerweile nur noch einen Klick entfernt.

Ich finde das ja toll. Buddhismus-Weisheiten in meiner Timeline? Grandios. Die nächste Reiseinspiration flattert durch einen umwerfenden Tumblr direkt in mein Postfach? Einfacher geht es kaum.

Und trotzdem: Wer hat denn mit dem Ganzen angefangen? Und, viel wichtiger: Brauchen wir wirklich die omnipräsente Weisheit um uns herum, damit wir unseren Hintern vom Sofa kriegen und das tun, was wir wirklich tun wollen? Warum fühlen wir uns mit dem Blick auf die schönen Bilder mit noch wundervolleren Zeilen bestückt so viel besser als kurz zuvor? Ich für meinen Teil bin jedes Mal nicht weit davon entfernt, meine Rechnungen zu begleichen, den Mietvertrag zu kündigen und der Wanderlust zu folgen, dahin, wo sie mich bringt, wahlweise genau zu dem Ort, der auf dem Bild ist, das mich letztlich zu dieser Entscheidung gebracht hat.

Früher, ja früher, da gab es das nicht. Wenn man Inspiration gesucht hat, hat man ein Buch aufgeschlagen oder mit den richtigen Leuten geredet. Waren die Menschen damals unglücklicher – oder hat es einfach ein bisschen länger gedauert, bis sie wussten, was sie wollten? Man hat wohl in kleineren Dimensionen gedacht und geträumt – selbst gereist ist man im Durchschnitt lange nicht so weit und so oft, wie wir es mittlerweile tun.

Die Frage ist aber doch allerdings die: Nur, weil uns jemand sagt, wie wir was zu machen haben, wenn wir dies und das erreichen wollen, heißt es nicht, dass es a) für jedes Individuum die Lösung darstellt und b) wir das dann auch wirklich umsetzen. Ich meine, Hand aufs Herz, wie viele von euch haben sich die Zitate auf kleinen Bildchen oder Postkarten nicht nur eingerahmt und ins Zimmerchen gehängt, sondern auch wirklich etwas daraus mitgenommen?

Wir reden. Und wir lassen uns berieseln. Aber die Hausaufgaben, das Wichtige aus den Infos herauszuziehen und umzusetzen, das machen doch die Wenigsten. Vielleicht hat Julia Engelmanns Slam auch gerade deswegen letztes Jahr so eingeschlagen.

Weil wir alle ein bisschen erkannt haben, dass der eigene Schweinehund ein eigentlich angenehmes Haustier ist, mit dem man gerne gemeinsam auf dem Sofa kuschelt. Weil er so groß und flauschig ist, dass man kaum über ihn drüber steigen kann, ach was, möchte!

Die Komfortzone wird ganz groß geschrieben. Einfach, weil ferne Länder durch das Internet auf einmal unglaublich nah erscheinen und nicht endlos weit weg, unberührbar. Weil wir uns binnen Sekunden durch alle möglichen Informationen klicken können, die wir brauchen, um einen schnellen Motivationskick zu bekommen. Einen Flash, der mir aufzeigt, was ich doch eigentlich möchte.

Aber am Ende des Tages ist es dann doch einfacher, die Weisheit einfach nur weiterzugeben. Sollen die anderen das doch machen.

„Decide who you want to be and go be it“. Ach, lieber dem Schweinehund die Ohren kraulen.

(Bildquelle: Anika Landsteiner)