StartFinanzenEZB erhöht die Zinsen: Was du jetzt mit deinem Geld machen solltest

EZB erhöht die Zinsen: Was du jetzt mit deinem Geld machen solltest

Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen wieder erhöht. Am 10. September 2026 beschloss die EZB eine Anhebung ihrer drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte. Ab dem 16. September liegt der für die Geldpolitik besonders wichtige Einlagenzins bei 2,50 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz steigt auf 2,65 Prozent. Quelle: EZB

Das klingt zunächst nach einer Nachricht für Banker und Börsenprofis. Tatsächlich betrifft die Entscheidung aber ziemlich alltägliche Fragen: Bekommst du bald wieder mehr Zinsen auf dein Tagesgeld? Wird ein Kredit teurer? Was bedeutet das für eine geplante Immobilienfinanzierung? Und solltest du jetzt beim Sparen oder Investieren etwas ändern?

Die kurze Antwort: Nicht hektisch werden. Aber deine Finanzen einmal durchzugehen, lohnt sich jetzt.

Denn gleichzeitig zieht die Inflation wieder an. Im August lagen die Verbraucherpreise in Deutschland 2,9 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Besonders Energie ist zum Preistreiber geworden: Energieprodukte verteuerten sich im Jahresvergleich um 10,5 Prozent, Kraftstoffe sogar um 27,7 Prozent. Quelle: Destatis

Es geht deshalb nicht nur darum, irgendwo ein paar Zehntelprozent mehr Zinsen herauszuholen. Es geht darum, dein Geld so aufzustellen, dass Rücklagen, Schulden und langfristiger Vermögensaufbau weiterhin zu deinem Leben passen.

Warum hat die EZB die Zinsen überhaupt erhöht?

Das wichtigste Ziel der Europäischen Zentralbank ist Preisstabilität. Mittelfristig strebt sie eine Inflationsrate von 2 Prozent an.

Davon ist der Euroraum momentan wieder ein Stück entfernt. Die EZB rechnet in ihrer aktuellen Projektion mit einer durchschnittlichen Inflation von 3,0 Prozent im Jahr 2026, 2,5 Prozent 2027 und 2,1 Prozent 2028. Als wesentlichen Belastungsfaktor nennt sie den Konflikt im Nahen Osten und die damit verbundenen Inflations- und Energiepreisrisiken. Quelle: EZB

Höhere Zinsen sollen die Nachfrage bremsen: Kredite werden tendenziell teurer, Sparen attraktiver und weniger Geld fließt unmittelbar in Konsum und Investitionen. Dadurch soll der Preisdruck nachlassen.

Für deinen Alltag ist aber etwas anderes wichtig:

Der EZB-Leitzins ist nicht der Zinssatz auf deinem Konto.

Deine Bank muss dein Tagesgeld deshalb am 16. September nicht automatisch um 0,25 Prozentpunkte besser verzinsen. Ebenso wird ein bestehender Kredit nicht automatisch um exakt 0,25 Prozentpunkte teurer.

Die EZB beeinflusst das Zinsniveau im Finanzsystem. Wie viel davon bei dir ankommt, hängt unter anderem von deiner Bank, dem Produkt, der Laufzeit und dem Wettbewerb am Markt ab.

1. Tagesgeld: Jetzt solltest du deinen Zinssatz überprüfen

Wenn du Geld auf einem Tagesgeldkonto liegen hast, ist jetzt ein guter Zeitpunkt für einen einfachen Check:

Wie viel Zinsen bekommst du dort eigentlich gerade?

Viele Menschen eröffnen irgendwann ein Tagesgeldkonto und schauen danach jahrelang nicht mehr hinein. Gerade nach einer Änderung des allgemeinen Zinsniveaus lohnt sich aber ein Vergleich.

Dabei solltest du nicht nur auf einen auffälligen Aktionszins schauen. Prüfe auch:

  • Wie lange gilt der beworbene Zinssatz?
  • Gilt er nur für Neukundinnen?
  • Welcher Zinssatz gilt danach?
  • Gibt es eine maximale Anlagesumme?
  • Wie schnell kannst du über dein Geld verfügen?
  • Unterliegt die Bank einer gesetzlichen Einlagensicherung und welcher?

Der entscheidende Punkt ist: Geld, das du kurzfristig brauchen könntest, hat eine andere Aufgabe als Geld für deinen langfristigen Vermögensaufbau.

Dein Notgroschen soll nicht möglichst hohe Renditen erzielen. Er soll verfügbar sein, wenn etwas passiert.

2. Dein Notgroschen wird jetzt noch wichtiger

Eine kaputte Waschmaschine, eine größere Autoreparatur, eine unerwartete Nachzahlung oder einige Monate mit weniger Einkommen: Für solche Situationen brauchst du Geld, auf das du sofort zugreifen kannst.

Gerade wenn Preise steigen, kann ein zu knapp kalkulierter Sicherheitspuffer schneller aufgebraucht sein als gedacht.

Als grobe Orientierung werden häufig drei bis sechs Monatsausgaben als Reserve verwendet. Wenn du selbstständig bist, ein schwankendes Einkommen hast, Kinder versorgst oder hohe finanzielle Verpflichtungen trägst, kann ein größerer Puffer sinnvoll sein.

Wie hoch deine persönliche Reserve sein könnte, kannst du direkt mit unserem AJOURE´ Notgroschen-Rechner berechnen.

Wichtig ist die Trennung: Ein Notgroschen gehört in der Regel nicht ins Aktiendepot. Wertpapiere können genau in dem Moment fallen, in dem du dein Geld benötigst. Ein separates, schnell verfügbares Tagesgeldkonto ist für diesen Zweck meist wesentlich geeigneter.

3. Kredite: Jetzt genauer auf die Kosten schauen

Die andere Seite höherer Zinsen ist weniger angenehm.

Wer Geld leihen möchte, muss tendenziell mit höheren Finanzierungskosten rechnen. Das betrifft beispielsweise Ratenkredite, Unternehmensfinanzierungen und Immobilienkredite.

Hast du einen bestehenden Kredit mit fest vereinbartem Zinssatz, ändert eine einzelne EZB-Entscheidung daran normalerweise zunächst nichts.

Anders kann es bei variabel verzinsten Finanzierungen oder einer anstehenden Anschlussfinanzierung aussehen.

Wenn du gerade einen größeren Kredit planst, solltest du deshalb nicht ausschließlich auf die monatliche Rate schauen. Vergleiche vor allem:

  • effektiven Jahreszins,
  • Gesamtkosten des Kredits,
  • Zinsbindung,
  • mögliche Sondertilgungen,
  • Restschuld am Ende der Zinsbindung.

Eine vermeintlich kleine Zinsdifferenz kann bei hohen Kreditsummen und langen Laufzeiten einen erheblichen Unterschied machen.

4. Vorsicht beim Dispo und bei teuren Konsumschulden

Noch wichtiger als die Frage, ob dein Tagesgeld bald etwas mehr abwirft, kann eine andere Zahl sein:

Wie viel Zinsen zahlst du selbst?

Wenn du gleichzeitig 2 oder 3 Prozent auf Ersparnisse erhältst, aber für einen Dispokredit oder andere kurzfristige Schulden einen deutlich höheren Zinssatz zahlst, sollte deine Priorität nicht allein auf der Optimierung der Sparzinsen liegen.

Schau deshalb einmal auf deine Kontoauszüge und Kreditverträge.

Welche Schulden hast du? Was kosten sie tatsächlich? Und gibt es teure Verbindlichkeiten, die du schneller reduzieren könntest?

Das ist nicht spektakulär. Für deine finanzielle Situation kann dieser Schritt aber erheblich mehr bewirken als die Jagd nach dem letzten Zehntelprozent Tagesgeldzins.

5. Die Inflation ist mindestens genauso wichtig wie der Zins

2,9 Prozent Inflation bedeutet nicht, dass jedes Produkt exakt 2,9 Prozent teurer geworden ist.

Die Unterschiede sind derzeit sogar erheblich.

Während Energieprodukte im August gegenüber dem Vorjahresmonat um 10,5 Prozent teurer waren, stiegen die Preise für Kraftstoffe um 27,7 Prozent. Heizöl verteuerte sich sogar um 49,6 Prozent. Strom war dagegen 5,5 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Quelle: Destatis

Deshalb kann sich deine persönliche Inflation deutlich von der offiziellen Inflationsrate unterscheiden.

Wenn du beispielsweise viel Auto fährst, treffen dich die derzeit hohen Kraftstoffpreise stärker als jemanden, der überwiegend mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist.

Das ist auch der Grund, warum starre Budgetregeln immer nur Ausgangspunkte sein können.

Unsere 50-30-20-Regel kann dir helfen, dein Einkommen in Grundkosten, Wünsche und Sparen beziehungsweise Schuldentilgung aufzuteilen. Wenn deine notwendigen Ausgaben deutlich gestiegen sind, solltest du die Prozentsätze aber an deine tatsächliche Situation anpassen.

6. Solltest du wegen der höheren Zinsen jetzt weniger investieren?

Nicht automatisch.

Hier werden zwei völlig unterschiedliche Arten von Geld häufig miteinander vermischt.

Geld für kurzfristige Sicherheit:
Notgroschen und kurzfristig benötigte Rücklagen sollten schnell verfügbar sein und möglichst keinen starken Wertschwankungen unterliegen.

Geld für langfristige Ziele:
Wenn du über viele Jahre Vermögen aufbauen möchtest, können breit gestreute Wertpapieranlagen eine völlig andere Funktion erfüllen.

Eine EZB-Zinsentscheidung allein ist deshalb normalerweise kein sinnvoller Grund, einen langfristigen Sparplan plötzlich zu stoppen oder deine komplette Anlagestrategie umzuwerfen.

Entscheidend sind dein Anlagehorizont, deine Risikobereitschaft und deine persönliche finanzielle Situation.

Wenn du mit ETFs gerade erst anfängst, erklären wir dir in Investieren für Anfängerinnen die wichtigsten Schritte. Eine ausführliche Anleitung findest du außerdem in unserem ETF-Sparplan für Frauen.

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Wenn dein Notgroschen bereits steht und du langfristig investieren möchtest, kannst du dort auch direkt den nächsten Schritt gehen und ein Depot beziehungsweise einen ETF-Sparplan über unseren Partner Scalable Capital eröffnen.

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Dein 15-Minuten-Geldcheck nach der EZB-Entscheidung

Du musst wegen der Zinserhöhung nicht dein gesamtes Finanzleben umkrempeln.

Nimm dir stattdessen einmal 15 Minuten und prüfe diese Punkte:

Minute 1–3: Giro- und Tagesgeldkonto
Wie viel Geld liegt dort und welchen Zinssatz bekommst du?

Minute 4–6: Notgroschen
Wie viele Monate könntest du deine notwendigen Ausgaben bezahlen, wenn dein Einkommen plötzlich wegfällt?

Minute 7–9: Schulden
Hast du Dispo-, Kreditkarten- oder Ratenkreditschulden? Wie hoch sind die jeweiligen Zinssätze?

Minute 10–12: größere Finanzierungen
Steht eine Immobilienfinanzierung, Anschlussfinanzierung oder ein größerer Kredit an? Dann vergleiche nicht nur Monatsraten, sondern die Gesamtkosten.

Minute 13–15: langfristiges Geld
Liegt Geld auf dem Konto, das du voraussichtlich viele Jahre nicht benötigst? Dann kannst du prüfen, ob deine bisherige Strategie für Altersvorsorge und Vermögensaufbau noch zu deinen Zielen passt.

Was du jetzt nicht tun solltest

Vor allem drei Dinge nicht:

Nicht aus Angst alles umschichten. Eine einzelne EZB-Sitzung ist keine persönliche Anlagestrategie.

Nicht Notgroschen und Investmentdepot verwechseln. Sicherheit und langfristiger Vermögensaufbau erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Nicht nur auf Sparzinsen schauen. Wenn du gleichzeitig teure Schulden hast oder deine monatlichen Ausgaben nicht kennst, liegen dort möglicherweise die größeren finanziellen Hebel.

Fazit: Die Zinserhöhung ist ein guter Anlass für deinen persönlichen Finanzcheck

Ab dem 16. September 2026 liegt der Einlagenzins der EZB bei 2,50 Prozent. Gleichzeitig beträgt die deutsche Inflationsrate aktuell 2,9 Prozent. Beides zusammen macht deutlich: Geld einfach irgendwo liegen zu lassen und jahrelang nicht mehr hinzuschauen, ist keine besonders gute Strategie. Quelle: EZB, Destatis

Du musst deshalb weder zur Börsenexpertin werden noch jeden Monat dein Konto wechseln.

Prüfe zuerst deine Basis: Wie hoch sind deine Ausgaben? Ist dein Notgroschen ausreichend? Welche Zinsen bekommst du auf deine Rücklagen? Welche Zinsen zahlst du für Schulden? Und welches Geld kannst du tatsächlich langfristig investieren?

Wenn du diese fünf Fragen beantworten kannst, hast du aus einer abstrakten EZB-Entscheidung etwas wesentlich Wertvolleres gemacht: eine konkrete Entscheidung für deine eigenen Finanzen.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage-, Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung dar.

Bild: AJOURE´ / KI-generiertes Symbolbild

Melanie Bojko
Melanie Bojko
Melanie Bojko ist Mitgründerin und Chefredakteurin von AJOURE´ — und seit über 20 Jahren selbständig. Mit der NEBO marketing GmbH hat sie sich ihr eigenes Unternehmen aufgebaut und kennt den Weg dahin aus erster Hand: die Anfänge, die Fehler, das was wirklich funktioniert. In ihren Artikeln schreibt sie über Selbständigkeit ohne Beschönigung — für Frauen, die sich fragen ob das auch für sie möglich ist. Sie lebt mit Mann und zwei Kindern in Berlin.

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