Katharina Kowalewski: „Ein Zuhause ist immer im Herzen.“

Katharina Kowalewski: „Ein Zuhause ist immer im Herzen.“

Im Interview

Katharina Kowalewski: „Ein Zuhause ist immer im Herzen.“

Im Gespräch mit der schönen Schauspielerin verriet sie uns so einiges über ihre Familiengeschichte und ihre Lieblingsplätze in New York City.

 

Ajouré: Du drehst mit deiner Schwester einen Dokumentarfilm über die Vertreibung eurer ukrainischen Familie. Wie kam es dazu, dass ihr eure Familiengeschichte verfilmt?

Wir haben eine sehr bewegende Familiengeschichte. Die Ehemänner und der Vater unserer Großmutter und ihrer Schwester wurden damals brutal umgebracht und die Trauer darüber lag immer über unserer Familie. Als junge Filmemacher waren wir uns sofort bewusst, dass wir diese Erlebnisse dokumentieren müssen, um sie verarbeiten und für zukünftige Generationen konservieren zu können – auch wenn es ein sehr emotionales Vorhaben war und wir beim Schnitt oft weinen mussten.

Ajouré: Wie ist es, gemeinsam mit der Schwester so einen bewegenden Film zu drehen?

Wir haben zunächst einfach angefangen die Geschichten aufzunehmen und mir wurde erst im Nachhinein bewusst, dass wir Schwestern das Leben von zwei Schwestern (meiner Oma und meiner Tante) aufzeichnen und so auch unsere eigenen Wurzeln erkunden.

Ajouré: Du hast deutsche, ukrainische, polnische und kanadische Wurzeln. Spiegeln sich alle Kulturen in deinem Wesen/Charakter wider?

Dadurch, dass ich überall Familie habe, von Deutschland über Polen bis hin zu Kanada und auch in den USA (leider wurden alle aus der Ukraine vertrieben), bin ich mit vielen Sprachen aufgewachsen und mit dem tief verankerten Gefühl, dass wir alle gleich sind. Ich habe keine Berührungsängste mit anderen Kulturen, Sprachen und Menschen. Dieser Ausgangspunkt hilft mir als Schauspielerin sehr, denn ich würde nie über einen Charakter voreingenommen urteilen oder ihn in eine Schublade stecken. Leider habe ich im Laufe der Jahre jedoch gemerkt, dass alles Fremde und Andersartige bei vielen Menschen oft Ängste hervorruft. Vorurteile und Rassismus existieren heute leider immernoch. Mir fällt es schwer zu beobachten, wie wenig wir als Gesellschaft aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben.
 

Katharina Kowalewski
Foto: Suzana Holtgrave
 

Ajouré: Du hast in Paris studiert, wohnst und arbeitest momentan aber in New York. Wo in der Welt fühlst du dich zu Hause?

Ein „Zuhause“ ist immer im Herzen, dort ist meine Familie. Auch wenn wir teilweise weit voneinander entfernt leben, spreche ich jeden Tag mit ihnen, egal wo ich gerade drehe oder wohne.

Ich muss sagen, dass New York eine wundervolle Stadt ist. Es fühlt sich an, als würde die ganze Welt hier zusammenkommen, so viele Akzente, so viele Menschen und so viele Kulturen. Es ist für mich die Stadt, in der die Menschen wirklich gleich zu sein scheinen: Egal ob sie sich in der dreckigen Subway oder auf der Straße begegnen, egal wo sie herkommen, sie fühlen sich als New Yorker.

Meine Zeit in Paris war einmalig, ich habe dort an der Sorbonne studiert, und war später auf der Schauspielschule Cours Florent. Paris ist eine wunderschöne Stadt, vielleicht sogar die schönste der Welt (lacht).

Ajouré: Was macht New York für dich persönlich so besonders?

Für mich steht New York für Freiheit und unbegrenzte Möglichkeiten. Als ich vor Jahren zum ersten Mal zur Fashion Week herkam, habe ich tatsächlich kaum geschlafen (lacht). Man bekommt sofort einen Energieschub und will unbedingt aktiv sein. Was die Stadt für mich so besonders macht, ist, dass hier alles zusammenfließt, während Paris in erster Linie eine Modestadt und Los Angeles für die Filmindustrie bekannt ist, bündelt New York all diese Facetten. Man trifft ständig neue kreative Menschen, die einen inspirieren und die Arbeit bereichern. Es ist so vielseitig!

Mein NYC ist aktuell Brooklyn. Ich glaube, hier wird sich schon bald alles abspielen. Es ist ein wenig wie Berlin. Mit seinen Cafés, Bars, Künstlern, Graffitis, und House Parties ähnelt Williamsburg Berlin Mitte und Bushwick erinnert mich an Kreuzberg.

Ajouré: Was sind deine Insider-Tipps wenn man in New York gut shoppen, essen und feiern gehen will?

Ich liebe Opening Ceremonies zum Shoppen. In Williamsburg gibt es zahlreiche Second Hand Läden wie „Beacon’s Closet“. Hier habe ich kürzlich Kleidung für ein Theaterstück, das ich gerade im Susan Batson Studio vorbereite, gekauft. Zum Essen gehen liebe ich das LUCIEN, ein tolles französisches Restaurant, das „Bowery Hotel“ hat köstliche Drinks und zum Ausgehen kann ich das Rooftop vom Soho House in NYC empfehlen. Aus dem stylishen „Boom Boom Room“ hat man definitiv den besten Blick über die Stadt! Tolle Parties gibt es im „Blond“, „Paul’s Baby Grand“ oder in der „Rose Bar“. Manhatten hat übrigens auch eine coole Bar die „Berlin“ heißt (lacht). Ich war hier in New York allerdings nicht so oft feiern, weil ich morgens lieber zum Kundalini Yoga gehe (Golden Bridge Yoga), im Central Park spaziere oder die Museen erkunde – das „Whitney Museum of American Art“ ist super!

Ajouré: Aktuell drehst du auch den Independent-Film „The Frozen Sea“ – in dem es um Zeitreisen geht. Wenn du in der Zeit reisen könntest – wo würdest du anhalten?

Ich liebe die 60er Jahre und freue mich schon darauf, wenn wir die ersten Szenen aus diesem Zeitalter drehen. Das ist für mich die stylischste Epoche und wenn ich mich in Fellini’s „8 ½“ beamen lassen könnte, wäre ich super glücklich (lacht). Ich schaue mir ständig alte Filme an. Aktuell arbeite ich auch noch an einem anderen Kurzfilm und sichte hierfür als Inspiration Interviews aus den 60ern. Die Kleidung, Möbel und die Attitude würde ich gerne mit in unsere jetzige Zeit nehmen.

Ajouré: Für den Film „Joy de V“, der jetzt erscheint, hast du u.a. mit Claudia Cardinale vor der Kamera gestanden. Wie waren die Dreharbeiten mit so einer Grand Dame?

Claudia Cardinale und ich hatten keine gemeinsamen Szenen. Der männliche Protagonist trifft im Laufe des Films auf verschiedene Frauen und versucht sie auszutricksen. Bei Claudia hat er Erfolg, bei mir allerdings nicht (lacht). Ich habe sie bei der Premiere des Films in Paris kennengelernt. Sie ist eine absolute Inspiration für mich. Ich liebe all ihre alten Filme und sie hat in „Joy de V“ exzellent gespielt.
 

mit Katharina Kowalewski im Gespräch
Foto: FRANCO PTETTAMANTI PICTURES
 

Ajouré: Hast du sonst Vorbilder oder Kollegen, mit denen du unbedingt noch zusammenarbeiten möchtest?

Oh ja! Viele. Ich liebe Paolo Sorrentino – seinen Film „La Grande Bellezza“ habe ich in Berlin im Kino gesehen und von der ersten bis zur letzten Sekunde geweint.

Ein weiteres Vorbild ist Sylvester Stallone. Ich liebe „Rocky“ und bin vor allem beeindruckt, wie schnell er das Drehbuch geschrieben hat und obwohl er damals finanzielle Engpässe hatte, lehnte er alle Angebote sein Script zu verkaufen ab und bestand darauf selbst die Hauptrolle zu spielen. „Eye of a Tiger“ ist mein persönlicher Lieblingssong!
Auch Oprah ist für mich eine riesige Inspiration, aufgrund ihrer Energie und der Tatsache, dass sie so viele Emotionen und Spiritualität in ihre Arbeit bringt.

Inspiriert haben mich außerdem auch David O Russel, Sean Baker, Wim Wenders, Werner Herzog, Paul Thomas Anderson, David Lynch, James Grey, Roman Polanski, Richard Linklater, Sam Mednes, Derek Cianfrance und viele mehr.

Was Schauspielkollegen betrifft, bewundere ich diejenigen, die eine Message haben, Aktivisten sind und sich bekennend für etwas einsetzen, wie z.B. Mark Ruffalo, Leonardo Di Caprio, Russel Brand oder Angelina Jolie. Manchmal ärgert mich allerdings die Männerdominanz im Filmgeschäft, eine Vorbildfunktion haben daher auch coole Frauen wie Lena Dunham,
Brit Marling oder Julie Delpy – sie schreiben, spielen, führen Regie, produzieren und äußern ihre Meinung öffentlich.

Ich bin außerdem auch ein großer Fan von Tilda Swinton, Jennifer Lawrence, Julianne Moore… So, ich höre jetzt besser auf, sonst würde ich noch bis morgen Namen aufzählen (lacht).

Ajouré: Welche Träume hast du noch?

Weiterhin Filme zu machen. Ich würde gerne nach Brasilien reisen, um dort einen spirituellen Film zu drehen. Wer weiß, vielleicht schnappe ich mir schon morgen meinen Kameramann und wir machen uns auf den Weg (lacht).

Ajouré: Vielen Dank, Katharina.
 

Titelfoto: Philipp Mueller

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