StartKarriereKollegen nerven? So bleibst du professionell, ohne dich zu verbiegen

Kollegen nerven? So bleibst du professionell, ohne dich zu verbiegen

Du musst nicht mit jedem Menschen im Job privat warm werden. Aber wenn dich ein Kollege so sehr nervt, dass du schon mit angespannter Laune ins Büro gehst, wird aus Antipathie schnell ein echtes Karriere- und Energieproblem.

Kolleginnen und Kollegen sucht man sich selten aus. Man landet in Projekten, Teams, Meetings und Abstimmungen mit Menschen, die anders kommunizieren, anders arbeiten, lauter sind, chaotischer sind, kontrollierender sind oder schlicht einen wunden Punkt treffen. Das ist unangenehm, aber erst einmal normal.

Entscheidend ist nicht, ob du jemanden sympathisch findest. Entscheidend ist, ob du trotzdem professionell, klar und handlungsfähig bleibst. Denn wenn Ärger über Kolleginnen oder Kollegen dauerhaft deinen Arbeitstag bestimmt, verlierst du Fokus, Gelassenheit und manchmal auch den Blick dafür, was wirklich passiert.

AJOURE´ Impuls

Nicht jeder schwierige Kollege ist ein Problem, das du lösen musst. Aber jede dauerhafte Anspannung ist ein Signal, das du ernst nehmen solltest.

1. Prüfe zuerst: Geht es um Sympathie oder um Verhalten?

Manchmal stört uns an einem Menschen nicht sein konkretes Verhalten, sondern sein Stil. Die Kollegin redet schneller als du. Der Kollege ist sehr direkt. Jemand braucht mehr Rückfragen, als dir lieb ist. Eine andere Person wirkt kühl, obwohl sie vielleicht nur konzentriert ist.

Bevor du innerlich ein Urteil fällst, lohnt sich ein kurzer Realitätscheck. Frage dich:

  • Was genau stört mich an dieser Person?
  • Gibt es konkrete Situationen oder eher ein allgemeines Gefühl?
  • Beeinträchtigt das Verhalten unsere Arbeit wirklich?
  • Oder reagiere ich auf einen Kommunikationsstil, der einfach nicht meiner ist?
  • Habe ich selbst schon klar gesagt, was ich brauche?

Dieser Schritt ist unbequem, aber wichtig. Denn wenn du nur denkst „die Person nervt“, bleibt alles diffus. Wenn du dagegen benennen kannst, was konkret passiert, kannst du viel besser reagieren.

2. Lass dich nicht von Gruppendynamik anstecken

In vielen Teams entstehen stille Lager. Eine Person gilt irgendwann als „schwierig“, „anstrengend“ oder „unprofessionell“, und plötzlich übernimmt man diese Bewertung, ohne die Situation selbst noch sauber zu prüfen.

Natürlich kann es sein, dass mehrere Menschen dieselben Probleme wahrnehmen. Es kann aber auch sein, dass sich eine Stimmung verselbstständigt. Gerade im Büro werden kleine Reibungen schnell zu Geschichten, die immer wieder erzählt werden.

Deshalb: Hör hin, aber mach dir dein eigenes Bild. Sprich nicht über die Person, wenn du eigentlich mit ihr sprechen müsstest. Und vermeide es, dich durch Lästern kurzfristig besser zu fühlen. Es löst selten das Problem und macht dich im Zweifel selbst angreifbar.

3. Trenne Beobachtung von Interpretation

Ein guter Konflikt-Check beginnt mit nüchternen Beobachtungen. Nicht: „Er respektiert mich nicht.“ Sondern: „Er unterbricht mich in Meetings regelmäßig, bevor ich meinen Punkt beendet habe.“ Nicht: „Sie will mich sabotieren.“ Sondern: „Sie gibt wichtige Informationen erst sehr spät weiter.“

Der Unterschied ist groß. Beobachtungen kann man besprechen. Interpretationen lösen dagegen schnell Verteidigung aus.

Kleiner Satz mit großer Wirkung: „Mir ist aufgefallen, dass …“ funktioniert fast immer besser als „Du machst immer …“.

4. Sprich es früh an, bevor aus Ärger eine Grundhaltung wird

Viele Konflikte werden nicht groß, weil das Problem so riesig ist, sondern weil zu lange nichts gesagt wird. Man schluckt etwas herunter, wird innerlich gereizter, liest irgendwann jede Kleinigkeit negativ und explodiert dann an einer Stelle, an der das Gegenüber gar nicht versteht, was los ist.

Wenn dich ein konkretes Verhalten wiederholt stört, bitte um ein kurzes Vier-Augen-Gespräch. Nicht zwischen Tür und Angel, nicht im Gruppenmeeting und nicht als Spitze vor anderen. Besser ist ein ruhiger Moment mit einem klaren Ziel.

Du kannst zum Beispiel sagen:

Gesprächshilfe

„Ich möchte kurz etwas ansprechen, damit wir besser zusammenarbeiten. Mir ist in den letzten Meetings aufgefallen, dass ich meine Punkte oft nicht zu Ende ausführen kann. Mir wäre wichtig, dass wir uns gegenseitig ausreden lassen. Können wir darauf achten?“

So bleibst du konkret, ruhig und lösungsorientiert, ohne dich kleinzumachen.

5. Bleib professionell, auch wenn du innerlich kochst

Es ist verständlich, wenn dich eine Person triggert. Trotzdem ist der Arbeitsplatz nicht der Ort für Seitenhiebe, Augenrollen, stille Strafen oder öffentliche Bloßstellung. Das fühlt sich vielleicht in dem Moment gerecht an, macht die Situation aber selten besser.

Professionalität bedeutet nicht, alles zu ertragen. Sie bedeutet, bewusst zu entscheiden, wie du reagierst. Manchmal heißt das: kurz rausgehen, durchatmen, eine Nacht darüber schlafen oder erst dann antworten, wenn du wieder sachlich formulieren kannst.

Wenn du generell Schwierigkeiten hast, Grenzen zu setzen, passt dazu auch unser Artikel Nein sagen lernen: Wie du Grenzen setzt, ohne dich schuldig zu fühlen.

6. Setze klare Arbeitsgrenzen

Nicht jede Beziehung im Job muss herzlich werden. Manchmal reicht eine klare, respektvolle Arbeitsebene. Das ist besonders hilfreich, wenn du mit jemandem regelmäßig zu tun hast, aber merkst: Persönlich wird das wahrscheinlich nichts.

Arbeitsgrenzen können ganz praktisch aussehen:

  • Absprachen schriftlich zusammenfassen
  • Meetings mit klarer Agenda führen
  • Zuständigkeiten sauber festhalten
  • bei wiederkehrenden Reibungen neutrale Dritte in Abstimmungen einbeziehen
  • private Gespräche reduzieren, wenn sie immer wieder kippen

Das ist keine Kälte. Es ist Selbstschutz und gute Zusammenarbeit. Gerade ambitionierte Frauen verwechseln Harmonie oft mit Professionalität. Du darfst freundlich sein, ohne dich emotional verfügbar für jedes Teamdrama zu machen.

7. Dokumentiere, wenn es nicht mehr nur nervig ist

Ein schwieriger Kommunikationsstil ist das eine. Wiederholte Abwertung, Bloßstellung, Drohungen, Ausgrenzung, sexuelle Belästigung oder diskriminierende Bemerkungen sind etwas anderes. Dann geht es nicht mehr um „Ich mag meinen Kollegen nicht“, sondern um ein Arbeitsumfeld, das geklärt werden muss.

Wenn du das Gefühl hast, dass eine Grenze überschritten wird, dokumentiere konkrete Vorfälle: Datum, Situation, Beteiligte, Wortlaut, mögliche Zeugen und Auswirkungen auf deine Arbeit. Das hilft dir, die Lage klarer zu sehen und macht spätere Gespräche mit Führungskraft, HR, Betriebsrat oder Vertrauensperson konkreter.

Wichtig: Das ist keine Rechtsberatung. Aber wenn es um Mobbing, Diskriminierung oder Belästigung geht, solltest du nicht versuchen, alles allein über gute Kommunikation zu lösen.

8. Hole Führung oder HR dazu, wenn Gespräche nicht reichen

Direkte Gespräche sind sinnvoll, solange sie sicher und realistisch sind. Wenn du aber schon mehrfach versucht hast, die Zusammenarbeit zu verbessern, und sich nichts ändert, darfst du eskalieren.

Bereite ein Gespräch mit deiner Führungskraft möglichst sachlich vor:

  • Was ist konkret passiert?
  • Seit wann besteht das Problem?
  • Wie wirkt es sich auf Arbeit, Projekt oder Team aus?
  • Was hast du bereits versucht?
  • Welche Lösung wünschst du dir?

Je konkreter du bist, desto weniger wirkt das Gespräch wie persönlicher Frust und desto eher wird daraus ein lösbares Arbeitsproblem.

9. Frag dich ehrlich, ob der Job noch zu dir passt

Manchmal ist ein schwieriger Kollege nur der sichtbare Teil eines größeren Problems. Vielleicht gibt es im Team keine klare Führung. Vielleicht werden Konflikte grundsätzlich ignoriert. Vielleicht ist die Unternehmenskultur genau die Art von Umfeld, in der du dauerhaft Energie verlierst.

Dann darf die Frage größer werden: Will ich hier bleiben? Gibt es interne Optionen? Brauche ich eine andere Rolle? Einen anderen Arbeitgeber? Oder ist es vielleicht Zeit, beruflich grundsätzlich neu zu denken?

Das heißt nicht, bei jedem Konflikt sofort zu kündigen. Aber es heißt, deine berufliche Energie ernst zu nehmen. Wenn du morgens dauerhaft mit Widerstand aufwachst, ist das ein Signal.

Mehr zu beruflicher Entwicklung, Selbstständigkeit und neuen Optionen findest du in unserem Hub Business für Frauen. Wenn es eher um innere Klarheit, Grenzen und Selbstführung geht, passt auch Mindset für Frauen.

Zum Mitnehmen

Du musst Kolleginnen und Kollegen nicht lieben. Aber du darfst erwarten, dass Zusammenarbeit respektvoll, klar und professionell möglich ist. Wenn das nicht klappt, brauchst du nicht mehr Geduld, sondern einen besseren nächsten Schritt.

Fazit: Schwierige Kolleginnen und Kollegen sind ein Klarheitstest

Wenn dich jemand im Job regelmäßig nervt, ist das nicht automatisch ein Drama. Es ist aber eine Einladung, genauer hinzuschauen: Was stört mich wirklich? Was kann ich direkt ansprechen? Wo brauche ich Grenzen? Und ab wann ist das Problem größer als persönliche Antipathie?

Je früher du aus dem inneren Ärger in eine klare Handlung kommst, desto weniger Raum nimmt die Person in deinem Kopf ein. Genau darum geht es: nicht um perfekte Harmonie, sondern um Selbstführung, Energie und professionelle Klarheit.

Quellen und weiterführende Informationen

Foto © laflor/iStock.com

Melanie Bojko
Melanie Bojko
Melanie Bojko ist Mitgründerin und Chefredakteurin von AJOURE´ — und seit über 20 Jahren selbständig. Mit der NEBO marketing GmbH hat sie sich ihr eigenes Unternehmen aufgebaut und kennt den Weg dahin aus erster Hand: die Anfänge, die Fehler, das was wirklich funktioniert. In ihren Artikeln schreibt sie über Selbständigkeit ohne Beschönigung — für Frauen, die sich fragen ob das auch für sie möglich ist. Sie lebt mit Mann und zwei Kindern in Berlin.

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