Über ein Drittel der deutschen Männer tragen ihre Unterhose mehrere Tage hintereinander. Bei Frauen beträgt die stinkende Quote ca. fünf Prozent. So eine Studie. Aufatmen, Ladys, wir sind im grünen Bereich. Die Männer eher im Braunen. Nachdem ich diese Studie gelesen habe, befinde ich mich im absolut süchtig machenden Hygiene-Statistik-Google-Rausch und was dabei herausgekommen ist, ist folgende Theorie:

Die breite Masse Männer legt sehr viel weniger Wert auf Sauberkeit, als die breite Masse der Frauen es tut.

Igitt. Ich rümpfe gerade sekündlich meine Nase. Und erinnere mich an diverse Begebenheiten in meiner alten WG. Wie eklig das Bad immer aussah, wenn es gerade ein Mann verlassen hatte. So viel zu dem Thema, die langen Haare einer Frau würden grundsätzlich den Abfluss verstopfen. Nix, nada. Der Exfreund meiner damaligen Mitbewohnerin hat sich immer sehr gerne und sehr Raum einnehmend über dem Waschbecken rasiert. Danach sah das ganze Badezimmer aus, als würde man mitten im Laden eines Barbier stehen. Noch nie habe ich solche Zustände mit den insgesamt sieben Frauen, mit denen ich innerhalb von vier Jahren zusammengelebt hatte, erlebt. Waren Männer anwesend, wurde nie gespült (manchmal frage ich mich, ob in reinen Männer-Wohngemeinschaften das Geschirr einfach weggeschmissen wird). Es wurde auch nie geputzt, den Staubsauger musste ich regelmäßig als wichtigen Gebrauchsgegenstand deklarieren und jedem Einzelnen vorstellen: „Thorsten, Staubsauger, Staubsauger, Thorsten. Los geht’s.“

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Natürlich ist mir klar, dass Jugendliche bis junge Männer das Klischee der Unsauberkeit mehr erfüllen, als irgendwelche Szene-Yuppies mit geschleckten Haaren, die ungefähr 4,5 Mal am Tag duschen, da sich ja zwischendurch ein Staubkorn in den Wimpern festsetzen könnte. Und selbst die (das sind nämlich diejenigen, die oft noch bei Mami wohnen) lassen ihre dreckige Wäsche in kleinen riesigen Haufen auf dem Boden liegen – Hotel Mama lässt grüßen.

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Also, mal abgesehen von den Ausnahmen, die immer die Regel bestätigen: Geht den Männern die Hygiene wirklich am Arsch vorbei?

Betrachten wir dazu mal die Industrie: Warum gibt es beispielsweise Zielscheiben, die man sich ins Klo kleben kann, damit der Mann aufgrund seiner ausgeprägten Liebe zum Wettbewerb dazu animiert wird, in die Schüssel zu treffen, anstatt das ganze Bad zu fluten? Zwar handelt es sich hierbei um einen Geschenkartikel, aber hey, der würde sich nicht so blendend verkaufen, wenn es keinen Gesprächsbedarf dazu geben würde. Es würde auch keine Hygiene-Seiten geben, die mit oben erwähnten Statistiken darauf aufmerksam machen, dass Hygiene spätestens jetzt im Alltag eines jeden gestandenen Mannes angekommen sein muss.

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Vor kurzem ist übrigens das Buch „ XX XY: Männer und Frauen. Graphiken erklären die Unterschiede“ herausgekommen. Es befasst sich mit einigen Unterschieden zwischen den Geschlechtern: Unter anderem, dass jährlich 16,2 Millionen Slips für Damen hergestellt werden, während es für Männer lediglich 5,7 sind. Klar, wir wissen alle, dass die meisten Frauen viel Wert auf schöne Unterwäsche legen, Spitzen-Dessous kaufen und immer wieder ausgeblichene Teile wegwerfen – warum? Meist, um dem Mann zu gefallen. Und damit schließt sich der Kreis, der irgendwie unfair ist. Denn spätestens, wenn mir wiedermal ein Mann eröffnet, dass er manchmal drei Tage lang nicht duscht (Festivals ausgenommen), sehe ich es persönlich überhaupt nicht mehr ein, meine Kreditkarte für Unterwäsche zu sprengen.
 

Foto unten: „street art bonn 003“ von Buechertiger via flickr.com, cc by 2.0