Wo die Liebe hinfällt – und wenn sie auf den Mist fällt. Das hat meine Oma schon immer gepredigt und wenn ich auf meine vergangenen Beziehungen zurückblicke, dann kann ich das nur bestätigen. Ich möchte zwar nicht wie viele andere über meine Exfreunde schlecht reden, aber manche Liaison war wirklich einzig und allein eine Landung auf dem hauseigenen Misthaufen.

Eine gute Freundin von mir vertritt die Meinung, dass meine Liebesauflüge zu Künstlern oder Barkeepern nie wirklich etwas werden konnten. Einfach, weil dieser Typ Mann Probleme habe, mit sich selbst zurecht zu kommen und weil meist eine Sache in seinem Leben an erster Stelle stehen würde – jedoch nie die Freundin. Bei Musikern die Musik, bei Barkeepern das Flirten (Anm.: selbst, wenn sie verheiratet sind), bei Hipster-Nerds alle verfügbaren Apple-Geräte. Mag pauschalisierend und klischeebehaftet klingen, aber ich musste sie da meist leidvoll bestätigen. Das Problem an der Sache ist allerdings, dass ihr favorisierter Akademiker nun leider so nie mein Fall war. Hier in München läuft der einem relativ oft über den Weg und… ach. Ne.

Man kann sich einfach nicht aussuchen, in wen man sich verliebt. Zwar kann man sich in bestimmten Kreisen bewegen und diverse Vorlieben hegen, aber im Endeffekt fällt die Liebe dorthin, wo sie eben hinfällt. Mag Vorbestimmung sein, mag Schicksal sein, mag einfach so ein, wie es eben ist. Nicht ohne Grund und reinem Zeitvertreib rennen manche Geschöpfe anderen Menschen so lange hinterher, bis sie endlich kapieren, dass die Liebe nicht erwidert wird. Wenn man manchmal anders könnte, wenn man nur einmal mehr im Leben den Mut hätte, erhobenen Herzens einer unerwiderten Liebe den Rücken zu kehren… dann würde es doch jeder tun, der gerade mittendrin steckt. Oder?

Ich persönlich musste den halben Jakobsweg laufen, um zu verstehen, dass ich jemanden gehen lassen musste. Und eine andere Freundin von mir hatte sich so einige Lieder komponieren lassen, bis sie merkte, dass sie lediglich die Hauptrolle in den Songs spielte, jedoch nicht im Leben des Sängers.

ani_kolumne

Im Nachhinein hat man eigentlich immer etwas über die vergangenen Lieben gelernt. Wenn man zurückblicken und lernen möchte, das ist natürlich die Voraussetzung. Dann fällt es auch leichter, mit der Vergangenheit Frieden zu schließen, schließlich war jede Beziehung für etwas gut und wenn sie nur dafür war, zu sehen, dass sie eben Mist war. Nicht unbedingt wiederholungsbedürftig. Dann hat man die Chance, in genau den Armen zu landen, in denen man nur landen konnte, nachdem die vorangegangenen Fehler gemacht wurden. Und auch nur dann kann man all das wertschätzen, was auf einmal zur Selbstverständlichkeit wird. Weil man vergleichen kann – das, was war. Mit dem, was ist.

Meine Freundin mit Schwäche für Akademiker hat sich übrigens in Thailand in einen Kerl verguckt, der erstens jünger ist als sie, zweitens Weltenbummler und drittens Koch. Die Urlaubsgeschichte hat sie übrigens mit den Worten „Ani, du wirst am meisten lachen, aber das Ganze auch am besten verstehen“ eingeleitet.

Ich habe gelacht. Ehrlich gesagt sogar verdammt laut.

(Quelle Foto: weheartit.com)