Kürzlich war ich auf einer Hochzeit eingeladen. Das Brautpaar, das seit unseren gemeinsamen Teenagerjahren zusammen ist, hatte beschlossen, den nächsten Schritt zu gehen. Und für mich war dieser Tag ein Ritt in die Vergangenheit, der mich nachdenklich stimmte.

Vor 13 Jahren. Das war die Zeit, in der man noch Asbach mit Cola mischte, um das Zeug irgendwie runterzubekommen. Das war damals, als man dann um drei Uhr nachts vor dem Festzelt im Regen knutschte. Und später sich die analog geschossenen Fotos gemeinsam anschaute und ins Album oder an die (echten) Wände klatschte.

Ich gebe zu, ich hatte vor diesem großen Tag ein bisschen Bammel. Denn ich sollte auf Leute treffen, die ich seit rund sieben Jahren nicht mehr gesehen hatte. Alte Bekannte, mit denen ich Arm in Arm über nächtliche Gefilde nach Hause stolperte, mich in manche verliebte und sie mir beibrachten, was ein gebrochenes Herz bedeutete.

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Für das Brautpaar bin ich zur Feier gegangen, weil ich sie an ihrem großen Tag unterstützen wollte. Gemeinsam ein bisschen mitweinen und die Zeiten Revue passieren lassen. Und als ich dann in dem Brautmodengeschäft saß, meine wunderschöne Freundin aus der Kabine kam, in einem Traumkleid eines spanischen Designers, mich schüchtern anlächelte und fragte „und, gefällt es dir?“, da merkte ich vor allem eins:

Wir sind alle, irgendwann zwischen Asbach-Cola und dem Studienabschluss, erwachsen geworden.

Im Laufe des Tages habe ich das immer deutlicher festgestellt. Wo ich anfangs noch skeptisch war, ob ich an dieser Hochzeit einen Platz finden würde, weil ich doch die meisten seit so vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte, verstand ich, dass es nicht nur mir so ging. Denn während ich mich an den Jungen zurückerinnerte, der mir damals schüchtern seine Liebe gestand, sah ich einen Mann vor mir stehen, der mittlerweile verheiratet war und so gar nichts mehr mit dem Kerl von damals gemein hatte.

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Ich schwelgte einen ganzen Tag lang in Erinnerungen. Nicht nur in den Guten, sondern auch in denen, die ich verdrängt hatte und von denen ich wusste, dass sie heute wieder hochkommen würden. Wann auch sonst? Mit vergangenen Lieben ist es manchmal nicht einfach, in der Gegenwart zurecht zu kommen. Entweder, man ist noch verletzt, oder man hat mittlerweile alle Geschehnisse gut verkraftet, möchte die Person aber vielleicht trotzdem nicht sehen? Wie auch immer es ist, eins ist dabei sicher:

Gleichgültigkeit spürt man nicht, wenn man den Geistern der Vergangenheit gegenübersteht. Man sieht, was war und versteht dann, dass es so war, damit das Heute so sein kann, wie es ist. Und ja, das ist manchmal gar nicht so leicht zu akzeptieren.

Was mich betrifft, so war der Flashback etwas Wichtiges, dem ich mich letztendlich stellen musste. Dann kann man auch wieder weitergehen, ohne die Vergangenheit mitzuschleppen. Man kann sie dort lassen, wo sie hingehört und ab und an gemeinsam anschauen. Zum Beispiel an einer Hochzeit, bei der alle strahlen, weil es für zwei Personen ein Happy End gab.
 

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(Bildquelle: Eigene. Zeigt: Unsere Kolumnistin an ihrem 18. Geburtstag. Das Schild war ein Geschenk zu ihrem bestandenen Führerschein. Sie hat es nach eigenen Angaben nie ans Auto geklebt, wozu auch, wir seien schließlich alle Anfänger.)