LOUKA: Sie kam, sah und sang

LOUKA: Sie kam, sah und sang

#Interview

LOUKA: Sie kam, sah und sang

Selten haben wir in einem Interview so viel gelacht, wie mit Louka. Die wortgewandte, quirlige Wahlberlinerin fand schon früh zur Musik und überzeugt besonders durch die Einzigartigkeit ihrer Liedtexte, gepaart mit einer unverkennbaren Stimme. Trotz all dem Stress rund um ihre aktuelle Tour zum neuen Album „Lametta“ schafft sie es, den Spaß an allem nicht zu verlieren, den Blick fürs Wesentliche zu behalten und an Lebensfreude und Tiefgang festzuhalten. Seit drei Jahren lebt die 31-jährige in Berlin-Wedding. Es wurde also Zeit, dass wir uns Louka geschnappt haben, um sie zu ihrer Tour, ihrem Leben und ihrer Kreativität bezüglich ihrer Texte zu befragen.

 

Ajouré: Wie kam es zu dem Namen Louka, denn dein richtiger Name ist ja Lisa?

Ehrlich gesagt habe ich es gerne, einen Künstlernamen zu haben, um eine gewisse Distanz zu meiner Privatperson zu haben. Also nicht, dass ich jetzt berühmt wäre, aber ich finde, wenn ich eine Figur habe, die ich erschaffen habe, kann ich vielleicht manchmal Dinge tun, die ich als Lisa gar nicht tun würde. Das ist dann ein bisschen wie eine Spielwiese. Ganz früher habe ich oft den Song „(My name is) Luka“ von Suzanne Vega gecovert und finde, das passt zu mir (grinst).

Ajouré: Du bist ja, wie viele hier, eine Wahlberlinerin. Was genau hat dich denn nach Berlin verschlagen?

Ich war vorher lange in Mannheim und dachte mir irgendwann, dass ich als Künstlerin vielleicht ich mal in Berlin beziehungsweise einer Großstadt leben sollte. Gesagt, getan. Und so haben mein Freund und ich spontan die Koffer gepackt und sind nach Berlin. Im Wedding haben wir dann die erste Wohnung bekommen und sind bis heute dort geblieben. Ich mag Wedding und bin gerne dort, denn ich finde es gut, dass dort nicht so viel los ist. Also ich bin gerne in Berlin unterwegs und finde ja, dass Wege machen kreativ macht, was meinen Songtexten natürlich zugute kommt. Außerdem bin ich mit dem Wissen hierher gezogen, dass ich hier Wege machen muss, daran habe ich mich gewöhnt und ich mache sie gerne.

Ajouré: Du hast vor einiger Zeit am Theater in Zürich gearbeitet, um dort die Theatermusik für „Alice im Wunderland“ aus übereinandergeschichteten Stimmen zu komponieren. Was müssen wir uns denn darunter vorstellen?

Unser Konzept war, die Musik zu erarbeiten, nur aus den Sounds raus, die man mit der Stimme machen kann. Da kann man ja auch Akkorde und Akkordstrukturen bauen. Dann kam ein bisschen Beatboxen hinzu, aber ich würde jetzt nicht behaupten, dass ich das beherrschen würde. Aber wir haben es probiert. Ich fand das sehr spannend für mich selbst und auch für Louka, denn ich bin am Instrument nicht ganz so stark und so wurde es dann gut. So sind dann die ersten Demos für Louka entstanden. Insgesamt war ich drei Monate in Zürich und in dieser Zeit wurde das Stück erarbeitet. Das ist halt geil, denn du kommst da hin, bekommst ein Budget und einen Zeitraum, dann ist Premiere und es muss fertig sein. Bei deiner eigenen Mucke wirst du irgendwie nie fertig.

Fehlt dir das Theater? War es vielleicht weniger stressig?

Ja. Es ist weniger stressig in dem Sinn, dass du dich eben so aussperrst aus der Welt und dir in dieser Zeit deine eigene Welt aufbaust, was aber auf Dauer auch nicht so gut ist (lacht). Aber es fehlt mir schon, denn ich bin gerne in diese Welt ein- und abgetaucht. Oder auch den Schauspielern zuzusehen, wie diese aus sich rausgehen. Von denen habe ich einiges lernen können. Da war ich schon sehr beeindruckt, als ich gesehen habe, wie die Leute ihre Eitelkeiten komplett fallengelassen haben.
 

Louka im Interview
 

Ajouré: War für dich schon immer klar, dass du Sängerin werden möchtest?

Nein. Aber ich habe schon immer Musik gemacht. Mein Vater ist Gitarrist und hat viel mit uns Musik gespielt. Irgendwann hat er mir die erste Gitarre geschenkt und ich habe dann auf Mini-Discs Songs aufgenommen für Leute, in die ich da halt gerade verknallt war. Dann hatte ich verschiedene Bands von dort, wo ich herkomme. Coverbands zum Beispiel. Wir haben auch auf Festen gespielt und hatten so treue Fans, die einfach immer da waren und mitgegrölt haben. Das war auf jeden Fall eine coole Zeit. Dann habe ich nach dem Abitur eine Schneiderlehre angefangen, habe diese aber abgebrochen, weil ich nach Mannheim an die Popakademie gegangen bin.

Ajouré: Was löst singen in dir aus?

Ich bin immer dann ganz da, wenn ich singe. Es holt mich runter, denn ich bin oft verpeilt und vergesslich, und dann ist diese Stadt Berlin auch echt anstrengend, finde ich. Wenn ich dann singe, dann schaltet sich das alles ab. Dazu kommt, immer wenn ich singe, bin ich am wenigsten ängstlich, denn das bin ich ab und zu. Ängstlich vor diesem ganzen Wust und wenn ich auf der Bühne bin, merke ich, dass ich irgendwie runterkomme.

Ajouré: Singen denn deine Fans auch schon mal deine Lieder mit?

Das ist uns auf der letzten Tour in Hamburg einmal passiert. Da haben sich die Leute „Wann immer“ als Zugabe gewünscht, was wir aber an dem Abend schon gesungen haben. Aber da wir schon alle Songs gesungen haben, hatten wir keinen neuen parat. So haben wir dann nochmal „Wann immer“ gesungen und die Leute haben das Lied von Anfang bis Ende mitgesungen. So laut, dass ich teilweise gar nicht singen musste. Da war ich überwältigt und den Tränen nahe, denn das habe ich nicht erwartet. Das ist schon ein sehr spezielles Gefühl von Dankbarkeit. Das war niemals meine Intention, als ich diesen Song geschrieben habe, aber dass es dann so war, hat mich überwältigt.

Ajouré: Wir leben in einer hochmodernen Welt. Um so faszinierender ist es für uns, dass du stets mit deinem Notizbuch herumläufst, um dir alles aufschreiben zu können, was dir den Tag über auffällt. Aus all deinen Notizen entstehen dann am Ende deine einzigartigen Lyrics, die nicht selten zum Nachdenken einladen. Unter welchen Gegebenheiten schreibst du denn am liebsten?

Ich wache morgens auf, mache mir einen Kaffee, setze mich an den Tisch und schnapp mir meine Notizen. Zwischendurch spaziere ich mal eine halbe Stunde draußen rum und dann geht’s weiter. Ich kann praktisch immer und überall schreiben, weil ich es auch so ein bisschen als meine Arbeit ansehe. Ich muss nicht von der Muse geküsst werden, aber ich merke natürlich auch, wenn das passiert. Selbst wenn ich Tage habe, an denen ich merke, dass es heute vielleicht nicht so flüssig läuft, versuche ich trotzdem dranzubleiben. Auch das mache ich erst einmal handschriftlich und später bringe ich es auf meinen Rechner.
 

 

Ajouré: Wie viel Wahrheit steckt in deinen Songs über dich selbst? Sind es alles Geschichten, die dir selbst passiert sind, oder handelt es sich einfach um Menschliches, was jedem einmal passieren könnte und du versetzt dich einfach in die Situation hinein?

Teils teils. Es gibt schon viele Sachen, die ich erlebt habe, aber die sind im Song nicht 1:1. Die Emotionen, die da drinstecken, habe ich schon meistens selber erlebt. Aber ich würde schon behaupten, dass ich sie mir ein Stück weit zurechtbaue. Mir fällt es manchmal schwer, wenn Leute immer nur ihren eigenen Schmerz präsentieren, dass ich hin und wieder nicht mehr zuhören kann. Mich überlädt das dann teilweise. Wenn man lange in diesem Geschäft ist, könnte ich mir schon vorstellen, dass man irgendwann mal seine persönlichste Platte rausbringen möchte, aber gerade jetzt mag ich es, mir die Dinge auszudenken.

Ajouré: In deinem Song „Berlin Berlin“ auf deinem Album „Lametta“ singst du über die Hauptstadt, dass das Wort „Bittersüß“ die passende Beschreibung hierfür wäre. Warum?

(lacht) Ich weiß nicht. Ich finde, Berlin ist sehr ambivalent. Du gehst auf den Ku´damm und irgendwo liegt einer in seinem Erbrochenem rum. Das ist so krass irgendwie. Ich kam damals in Berlin an und habe jedem, der gebettelt hat, etwas gegeben und dachte, irgendwann bin ich einer von euch, wenn das so weiter geht. Da fiel mir dann auf, wie sehr man hier abstumpft. Das gehört halt zum Stadtbild mittlerweile. Das ist aber auch etwas, was mich ein bisschen fertigmacht. Vor kurzem ist eine durch die U-Bahn gelaufen, die geheult hat. Da denkst du dir erst einmal: Ist das jetzt echt? Ist sie ne gute Schauspielerin? Allein der Gedanke ist hart, denn es ist ja immer noch ein Mensch, der vor dir steht. Da komme ich emotional noch nicht so drauf klar. Da muss man emotional einfach zumachen und ein Stück weit abstumpfen. Dann ist Berlin für mich all die vielen verschiedenen bunten Leute. All die Stadtteile und alle Menschen. In der Hipster-Szene sind zwar alle so krass individuell, aber trotzdem sehen alle irgendwie gleich aus. Manchmal ist es mir dann zuviel und ich denke mir so: „Ich würde Berlin total genießen, wenn´s einfach mal die Klappe halten und ich einfach nur so durchgehen könnte.“ Aber all die Inspiration, die man hier bekommen kann, wenn man einfach nur spazieren geht, finde ich sagenhaft.
 

Lametta von Louka
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Ajouré: Du bist gerade durch Deutschland getourt. Bist du noch nervös, bevor du auf die Bühne gehst, oder hast du dich an das Drum-Herum schon gewöhnt?

Im Gegenteil! Ich bin vorher hart am sweaten! Ich bin hippelig, aber ich freue mich. Ich finde, du weißt nie, was passiert. Bei Support-Sachen bin ich noch nervöser, denn du wirst den Leuten im Prinzip so vorgesetzt, denn die sind ja nicht wegen dir da, sondern wegen der Band, die im Anschluss kommt. Meistens geht’s ganz gut aus (lacht). Aber nervös bin ich immer.

Ajouré: 3 kurze Fragen zu Berlin – 3 kurze Antworten:

Berlin, „du hältst mich wach, ich halt´ dich aus“, weil… du bist wie du bist.
Berlin, wenn ich dich sehe, möchte ich einfach nur… durch deine Straßen spazieren.
Berlin, würde ich dich mit drei Worten beschreiben, wären es… bittersüß, bunt und viel zu laut.
 

 

Fotos: Sophie Krische; PR / LOUKA

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