Jessica Schwarz: „You Are Wanted war eine Herausforderung“

Jessica Schwarz: „You Are Wanted war eine Herausforderung“

#Interview

Jessica Schwarz: „You Are Wanted war eine Herausforderung“

Die erste Staffel von „You Are Wanted“ ist die erfolgreichste deutsche Serie auf Amazon. In diversen Ländern dieser Welt schoss diese über Nacht auf Platz eins. Wer hier der Meinung war, dass „Staffel 1“ an Spannung nicht überboten werden könne, der hat sich geirrt. Die zweite Staffel wird nochmals richtig einen draufsetzen – und dies nicht zuletzt wegen ihrer neuen Starbesetzung. Jessica Schwarz stößt zum Auftakt der zweiten Staffel dazu und tut das, was man von ihr seit vielen Jahren gewohnt ist: Sie überzeugt auf ganzer Linie und zeigt, was sie kann. Wir haben uns Jessica in Berlin geschnappt und ihr die wichtigsten Fragen rund um „You Are Wanted“ und die Herausforderungen, die es zu meistern galt, gestellt.
 

Ajouré: Du hast die erste Staffel sicherlich gesehen und genau studiert. Wie fandest du sie und was war es für dich für ein Gefühl, als du erfahren hast, dass du bei der zweiten Staffel eine tragende Rolle spielen sollst?

Ich habe mich total gefreut. Im März habe ich Matthias (Schweighöfer) in einer Pizzeria getroffen und er fragte mich, was ich denn gerade mache, denn er hätte da was. Und so konnte ich zum Casting und habe hierfür alle meine Energie zusammengenommen und ihm gezeigt, dass ich die Beste hierfür bin. Ich habe mit Matthias ja schon seit fast zehn Jahren nicht mehr gedreht und es ist toll, dass es für „You Are Wanted“ dann endlich mal wieder so weit war.

Ajouré: Wir konnten die erste Folge der neuen Staffel bereits sehen. Noch erkennt man nicht, wohin deine Rolle geht. Was darfst du zu deiner neuen Rolle bereits sagen?

Ich bin eine Journalistin. Viel kann ich dazu nicht sagen, aber ich bin Matthias sehr dankbar, dass er mir so viel zugetraut hat. Und es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich muss auch Matthias an dieser Stelle mal loben. Er ist so unglaublich viel beschäftigt und kriegt trotzdem alles auf die Reihe. Ich denke mir immer, dass er bestimmt irgendwo mehrere Klone rumlaufen haben muss, die ihm helfen. Und der Dreh war großartig. Er hat uns die Chance gegeben, uns in andere Welten zu begeben und dafür liebe ich ihn.
 

Jessica Schwarz in You Are Wanted
 

Ajouré: Musstest du dich besonders vorbereiten? Oder anders vorbereiten?

Ja, kann man so sagen. Da gab es durchaus Dinge, die ich so noch nicht gemacht habe und mir zwischendurch dachte „okaaaaaay…puh.“ Ich würde euch ja gerne so viel mehr sagen, aber ich darf ja nicht (lacht). Das ist ja voll doof. Ich denke die ganze Zeit, dass ich so viele Geschichten zu erzählen hätte und keine darf ich ausplappern.

Ajouré: Wie waren die Dreharbeiten so? Gab es Unterschiede zu weniger großformatigen Produktionen?

Ich finde es schon verrückt, wenn man am Set ankommt und da sind drei Straßenzüge gesperrt, nicht wie sonst, wenn nur eine Straße dichtgemacht wird. Ich habe auch tolle Locations kennengelernt. Und genau diese ganzen, so gut ausgesuchten Orte spiegeln eben dieses Gefühl von Stasi und Geheimdienst extrem gut wider. Auch das Soho House, wo wir ja gerade sitzen, ist so ein geschichtsträchtiges Haus und ich finde, das spürt man einfach. Man merkt, dass da einfach etwas dahintersteckt. Und genau dieses Gefühl hatte ich auch beim Drehen. Man merkte, dass ganz besondere Locations gefunden wurden.

Ajouré: War die Stimmung vor Ort anders? Und wurde mehr von dir abverlangt?

Ich muss schon sagen, dass ich Matthias schon manchmal gerne auf die Finger gehauen hätte. Er ist wirklich ein toller Regisseur und auch in Zusammenarbeit mit Bernhard Jasper, die zwei Teams gleichzeitig am Laufen haben. Und es kann sein, dass du dreimal am Tag das Team wechselst. So von A nach B und wieder zurück zu A, um dann wieder zu B zu gehen. Dazwischen umziehen und viel laufen. Erst ist hier für mich eine große Szene zu spielen, dann wechsele ich zum nächsten Team und habe eine Szene, wo ich nur in ein Auto einsteige. Da merkt man schon, dass es einfach ein anderes Drehen ist. Es ist anders organisiert und von jedem Team ist das Doppelte da. Du hast aber auch einen Matthias, der unfassbar viel an diesen Büchern mitarbeitet und der nachher sagt, dass er derjenige ist, der später den Schauspielern erklären muss, was das vielleicht für ein bescheuerter Satz im Drehbuch ist und deswegen könne man den nicht so stehen lassen.

Das kann ein Problem werden, denn wenn man in den ersten vier Drehtagen am Set ist, wo die Motivation noch besonders groß ist und hat teilweise Drehbücher, die ständig geändert werden. Wenn du selbst dann einen vierseitigen Monolog vor dir hast, ohne die Chance, den Text lernen zu können und ich dann heulend am Set stehe und so sauer bin, dass ich nur noch Heim möchte, dann kommt Matthias und sagt: „Jessy, wir machen das Satz für Satz.“ Ich kam mir schon kurz ein wenig doof vor, aber jeder Schauspieler hatte das gleiche Problem, von daher war es in Ordnung. Das war echt eine Herausforderung, die mich tatsächlich gestresst hat. Trotz allem war die Stimmung aber total geil, weil Matthias das auch echt großartig macht. Er kommt und sagt: „Ich lass dich jetzt nicht hier hängen.“ Und gemeinsam haben wir das dann immer auf die Reihe bekommen.
 

 

Ajouré: Du hast im Interview gesagt, du spielst nur Charaktere, die auf dich zugeschnitten sind? Wie passend ist die Rolle bei „You Are Wanted“ für dich?

Ich will natürlich eine Figur haben, die ich einfach geil finde und wo ich vom ersten Moment an sage: „Will ich spielen!“ Es muss einfach was da sein, das mich catcht. Selbst wenn es nur ein einziger Satz ist. Dann finde ich zum Beispiel diesen Satz besonders toll und bin der Meinung, dass dieser in der Filmgeschichte unbedingt gesagt werden muss. Wenn ich den dann sagen darf, dann mache ich das gerne.

Bei „You Are Wanted“ kamen viele Dinge zusammen. Ich habe zugesagt, weil ich unbedingt mal wieder mit Matthias arbeiten wollte, denn ist es toll, wenn du irgendwann schon mal so eine Art Dream-Team warst und das waren wir einfach. Wir durften ja tatsächlich schon heftigste Szenen miteinander erleben und haben uns also voreinander seelisch und körperlich sozusagen nackt gemacht. Von daher muss man da keine Mauern mehr einreißen, denn die sind ja alle schon eingerissen worden. Es gibt bei uns keine Schamgrenzen mehr und mit solchen Kollegen kannst du ganz anders spielen und dich wortlos aufeinander verlassen. Und das ist etwas, worauf ich sehr stehe. Ich weiß, dass Matthias ein sehr loyaler Mensch ist, das bin ich auch und das ist noch ein Grund mehr, dass ich so gerne mit ihm spiele.
 

Jessica Schwarz im Interview
 

Ajouré: „You Are Wanted“ soll mit der 2. Staffel besonders in den USA von Amazon nochmal gepusht werden, da sie in Brasilien, Frankreich, Spanien bereits sehr erfolgreich ist. Ist die Leistung als Schauspielerin, die von einem erwartet wird, dann eine andere?

Ach, alles was ich mir da denke ist, dass ich so gerne drei Kilo weniger gewogen hätte (lacht). Im Europäischen ist das ja immer noch ok, aber die Amis sind da ja schon nochmal eine andere Nummer. Ich verstehe diese totale Begeisterung von Matthias, wenn man selber was ins Leben gerufen hat und dann auf einmal eine Premiere im Kodak Theatre bekommt. Das muss unfassbar sein, denn ehrlich gesagt habe ich auch nie damit gerechnet, irgendwann mal eine Premiere in L.A. zu haben. Da freue ich mich natürlich wie ein kleines Kind. Und vor allem freue ich mich, dass auch Amerika genau das in „You Are Wanted“ gesehen hat, was auch Matthias gesehen hat und das ist fantastisch.

Ajouré: Wir haben diese Frage auch Matthias gestellt: Hat sich nach der Serie bei dir persönlich etwas geändert in Bezug auf digitale Sicherheit zuhause? Klebst du Kameras privat ab?

Ich war letzte Woche im Spionage-Museum, habe dort mein Passwort eingegeben und da stand, dass es innerhalb von sechs Sekunden geknackt werden würde. Mein zweites Passwort habe ich dann natürlich auch gecheckt und dafür bräuchte man allerdings neun Tage. Aber ja, ich muss ein bisschen kleben, denn als Matthias mir haarsträubende Geschichten mit Fingerabdruck, Kamera und so erzählt hat, dachte ich mir auch, dass es sicherer ist, wenn ich wenigstens die Kameras abklebe.
 

Jessica Schwarz Interview
 

Ajouré: Was machst du, um dich für deine Rollen fitzuhalten und was sind deine Beauty-Geheimnisse?

Ich liebe auf YouTube „Boho Beautiful“. Mit ihr trainiere ich wahnsinnig viel. Pilates, Yoga und solche Dinge. Ich versuche, alle zwei Tage eine halbe Stunde Zeit dafür zu haben. Ansonsten gehe ich hin und wieder in ein Fitnessstudio, welches Freunden gehört und übe dort unter anderem eine Human Flag – aber das wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich das annähernd kann. Zwischendurch reite und schwimme ich.

Ajouré: Hast du eine Herzensangelegenheit, für die du dich besonders einsetzt?

Ja tatsächlich, das habe ich. Ich arbeite für die Kinderzukunft, die in ganz schwierigen Ländern dieser Erde ihr Bestes geben. Guatemala, Kosovo oder Rumänien zum Beispiel. Alles Orte, an denen ich auch schon war, um zu helfen. Hier sind wir dann in Kinderdörfern und kümmern uns, dass die Kleinen etwas zu essen haben. Es ist ja nicht so, dass nur in Afrika Hungersnöte sind. Dieses Problem findet man sehr oft auf der Welt. Und bei dieser Organisation gelangt das Geld direkt zu den Menschen und wird nicht für Bürokratien und Zwischenstationen aufgebraucht, wie es ja so oft der Fall ist.

Ajouré: Liebe Jessica, vielen Dank, dass du dir so viel Zeit genommen hast. Wir drücken die Daumen, dass „You Are Wanted“ Staffel II alle Vorstellungen sprengen wird.

Vielen Dank für das schöne Interview.
 

 

You Are Wanted
Die zweite Staffel „You Are Wanted“ startet am 18. Mai auf Amazon Prime Video.

 

Fotos: Joachim Gern; © Amazon 2018

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