Antje Schomaker im Interview: Von Helden und Halunken

Antje Schomaker im Interview: Von Helden und Halunken

Mit Konfetti in den Haaren und einem Löwenherz

Antje Schomaker im Interview: Von Helden und Halunken

2018 wird das Jahr für Antje Schomaker. Die Sängerin ist Mitte Zwanzig, voller Energie, Talent und bereit, mit ihren Texten die deutschen Herzen zu berühren. Sie singt über Gefühle, Freundschaften und Erinnerungen und trifft den Nabel der Zeit. Ihr Album und die gleichnamige Tour „Von Helden und Halunken“ steht in den Startlöchern und elf Städte können sich auf einen ganz besonderen Abend mit ihr freuen. Wir wollten es uns natürlich nicht nehmen lassen, uns mit der lustigen Wahlhamburgerin zu unterhalten und haben sie in Berlin getroffen.
 

Liebe Antje, am 27. Februar geht es los. Die „Von Helden Und Halunken“-Tour startet und elf Städte stehen auf dem Plan. Wie aufgeregt bist du?

Tatsächlich freue ich mich einfach mega auf diese Tour. Und es macht mich sehr glücklich, wenn ich sehe, dass schon Leute Tickets gekauft haben, obwohl ich noch gar kein Album draußen habe. Ich bin echt froh, wenn das Album endlich da ist. Ich bin es immer irgendwie leid, auf so ein Debüt hinzuarbeiten, da es für mich ja schon lange geht, und ich möchte, dass es jetzt soweit ist. Aber so richtig aufgeregt bin ich nicht. Es ist einfach eine riesige Vorfreude, die ich habe und so eine große Lust, dass es jetzt bald losgeht. Aber vielleicht ändert sich das ja, denn in die ein oder andere Location passen schon so 800 bis 1000 Leute rein – frag mich lieber doch nochmal kurz vorher (lacht).

 

 

Hast du dir das einmal träumen lassen, dass du eines Tages durch Deutschland touren würdest? Denn eigentlich begann ja alles durch einen Aufenthalt auf Mallorca, wo du deine heutigen Manager kennengelernt hast.

Ich habe ja schon immer Musik gemacht und auch selbst geschrieben. Vorher habe ich Theater gespielt, und dabei hat mich dann in Hamburg jemand entdeckt. Während meiner Abi-Reise am Ballermann, wo ich eigentlich überhaupt nicht hinpasse, waren da so ein paar Typen, die selber Musik gemacht haben und mit denen ich ins Gespräch gekommen bin. Die Jungs hatten ein Studio in München und dort habe ich mich förmlich für ein Praktikum beworben. Anschließend war ich dort für zwei Monate in der Musikproduktion, und so haben wir uns angefreundet. Bei der Musik war ich also schon immer, aber mir war es nie so richtig bewusst, was da mal irgendwann passieren wird oder passieren könnte.

Wieviel eigene Lebenserfahrung steckt in deinen Texten? Handelt es sich bei den Lyrics immer um Geschichten, die du selbst erlebt hast oder sind es auch Träumereien, die dir zwar nie passiert sind, die aber eben menschlich genug sind, um genau so passieren zu können?

Ich schreibe ja alles selber. Zwar habe ich auch einen Song mit einem Kumpel zusammengeschrieben, aber meine Stücke sind immer 100% Schomaker. In die Lyrics spielen so viele Faktoren mit rein. Ich habe auch Trennungs-Songs geschrieben, in denen ich mich von normalen Freunden getrennt habe, und andere haben die Songs dann so ausgelegt, als hätte man sich von einem Partner getrennt. Das ist, glaube ich, immer eine Auslegungssache. Der Song „Gotham City“ ist schon sehr autobiographisch, aber vieles spielt in meine Songs auch immer so rein und verschwimmt dann ein bisschen. Es ist sozusagen ein Mix aus beidem. Manchmal nehmen einen ja auch Geschichten von anderen Menschen so mit, als hätte man sie selbst erlebt. Aber es ist schon sehr viel von mir persönlich.

 

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Was inspiriert dich, wenn du neue Texte schreiben möchtest? Wie bringst du dich in die richtige Stimmung für die nötige Kreativität?

Das kann tatsächlich alles sein. Wenn ich sehr viel zu tun habe, ist es sehr schwierig für mich, Songs zu schreiben, aber wenn ich die Zeit habe und inspiriert werde, dann schreibe ich einfach los. Es können alle möglichen Dinge sein, die mich dabei inspirieren. Filme, Menschen… Ich glaube, man saugt das immer so auf. Ich denke auch, dass kein Songwriter so etwas wie einen Platz hat, an dem er weiß, „Hier kommen die Hits“ oder so. Bei mir kommt das einfach so. Meistens schreibe ich auch Lieder, wenn ich an der Gitarre sitze. Dann kommt ein Song dabei heraus, den ich auch kaum noch überarbeite. Ich lasse den einfach so. Denn ich mache ja sowohl die Texte, als auch die Melodien selbst.

Du hast immer wieder Textpassagen in deinen Liedern, über die man lange nachdenken kann. Zum Beispiel bei deinem Titel „Ganoven“, der inzwischen zwei Millionen Mal auf Spotify lief. Da singst du „Wir waren wie eine Jahreszeit – gingen einfach so vorbei.“ oder „Wo die Liebe hinfällt, schlägt sie sich die Knie auf.“ Wie genau kommst du auf diese kleinen Kostbarkeiten, wie wichtig sind genau diese für dich selbst und das, was du ausdrücken möchtest?

Bei „Ganoven“ ist es so, dass es tatsächlich eine Trennung von einem Menschen gab. Die Zeile „Gestern waren wir noch Ganoven“ kam daher, da ich mit ihm über mein Babysitter-Kind gesprochen habe, auf welches ich aufgepasst habe. Dabei fiel auch der Satz „gestern waren wir noch Piraten“, und da bin ich ans Klavier, habe mir den Text aufgeschrieben, und dann kam es einfach so raus. Manchmal fallen mir aber auch solche Sätze ein, bei denen ich dir gar nicht sagen kann, wie ich auf diese komme. Ich habe tatsächlich eine Narbe am Knie und das passiert dann so. Ich sehe mein Knie und irgendwie kommt dann dieser Satz dabei heraus. Ich hasse zum Beispiel große Metaphern. Ich liebe es aber, große Sachen klein zu erzählen. Mit kleinen Worten Großes zu sagen ist das, was ich toll finde. Leider schaffe ich es selbst nicht immer, aber den Anspruch habe ich dann doch an mich selbst, auch mal etwas „ok“ zu finden und nicht alles immer „super toll“.
 

Antje Schomaker im Interview
 

Wer selbst in kreativen Berufen arbeitet, weiß, wie anstrengend diese Kreativität werden kann. Schaltest du auch mal ab oder dreht sich in deinem Kopf ständig alles um Lyrics und den nächsten Song?

Ich kann generell sehr schlecht abschalten. Ich habe ja momentan so viele Sachen um die Ohren, Tour-Planung und die ganzen Sachen. Ich habe bei meiner ersten Tour damals zum Beispiel alle meine Hotels selbst gebucht, denn ich hatte das Gefühl, ich muss es selber mal gemacht haben, um es zu verstehen. Letztens lag ich im Urlaub am Strand und habe meinen Kopf nicht ausgekriegt. Fürs Schreiben muss ich dann doch ein bisschen zur Ruhe kommen und mich wieder darauf einlassen. Aber eigentlich fällt mir ständig irgendwas ein – da ist dann nichts mit Abschalten.

Welche großen Träume sind schon in Erfüllung gegangen?

Ich habe keinen Masterplan für die Zukunft, aber ich habe so einen kleinen Tick. Immer wenn es 11:11 Uhr oder 12:12 Uhr ist und ich das auf meiner Uhr sehe, dann küsse ich das Uhrglas und wünsche mir etwas. Das hat meine Freundin damals gemacht, ich fand es total süß und habe es ihr einfach nachgemacht. Ich habe mir dann zwei Sachen gewünscht, die superschnell in Erfüllung gingen. Ich war bei „Passenger“ auf einem Konzert, er stand da so alleine mit seiner Gitarre und ich dachte mir: „Da will ich stehen – mit meiner Gitarre.“ Danach habe ich mir eineinhalb Jahre wie blöd und größenwahnsinnig immer gewünscht, dort zu stehen und 2016 stand ich da mit BOSSE als Support auf dieser Sporthallenbühne. Genau dort und genau das, was ich mir gewünscht habe. Da dachte ich mir: „Krass, was wünsche ich mir jetzt?“ Und meine Freunde sagten alle, ich soll mir die „Barclaycard Arena“ wünschen. Tja, und letztes Jahr stand ich dann mit Johannes Oerding auf der Bühne der Barclaycard Arena. Ich glaube, Träume, die man so hat, auf die arbeitet man unterbewusst so lange hin, bis sie in Erfüllung gegangen sind.

Laut Instagram steht auf deinem Briefkasten „Bitte keine Werbung – nur Liebesbriefe“. Klappt‘s?

(lacht) Ja, das steht da tatsächlich. Es klappt nur nicht so richtig. Da kommen trotzdem Rechnungen und so rein. Ich dachte mir, mein Postbote nimmt den Spruch vielleicht mal als Einladung, aber er wirft kräftig immer weiter alles andere als Liebesbriefe ein. Ich habe auch schon mal Fanpost bekommen, aber die wurden immer an die Promotion-Agentur beziehungsweise an das Management gesendet und nicht zu mir nach Hause, die leiten das dann zu mir weiter. Wenn ich die Briefe bekomme, dann freue ich mich sehr. Ich freue mich echt über alles. Das ist manchmal so süß, was auch Leute einfach machen. Zum Beispiel gibt es jetzt auf Instagram eine „Antje Schomaker“-Fanpage. Letztens habe ich auch jemanden entdeckt, der mein Lied covert. Ich habe mich riesig gefreut. In Hamburg werde ich manchmal auf der Straße erkannt und werde dann angesprochen. Darüber freue ich mich unglaublich und bin manchmal sogar aufgeregter als die, die mich gerade ansprechen.

 

Antje Schomaker
 

„Liebe kann der Sonntag sein“. Welcher Tag ist bei dir heute?

Ähm… ich glaube, ich habe überhaupt kein Tagegefühl. Ich weiß irgendwie nie, welchen Tag wir haben, denn wir haben ja auch kein wirkliches Wochenende als Freiberufler.

Damit weichst du natürlich meiner Frage aus (beide lachen).

Ok, also… ich glaube, Beziehungen sind super, aber ich finde es wichtiger, dass man das Glück erst mal in sich selbst findet. Und dass Liebe zu sich selbst viel wichtiger ist. Man muss zuerst mit sich zufrieden sein. Deshalb denke ich, dass jeder Tag ein Sonntag sein kann.

In deinem Video zum Song „Bis mich jemand findet“ befindest du dich beim Speed-Dating. War das einfach nur eine Location, die eben gut zum Text passt oder käme so etwas für dich tatsächlich in Frage?

Ich würde Speed-Dating tatsächlich niemals machen. Das passt einfach auch überhaupt nicht zu mir. Ich bin vor allem auch überhaupt nicht auf der Suche nach irgendwas. Ich habe in meinem Leben immer so mein Ding gemacht, dann kam jemand dazu, und das war dann schön. Aber ich wollte ein Video machen, bei dem man auch mal schmunzeln muss. Die Darsteller im Video waren Schauspieler, die auch improvisiert haben und zwar so gut, dass wir teilweise so sehr gelacht haben. Es hat uns unglaublich Spaß gemacht.

Lieber Klavier in voller Halle oder lieber Gitarre an einer Straßenecke?

Lieber Klavier in einer vollen Halle, die zuhört. Meine Lieder müsste ich immer mit Mikrofon spielen, denn meine Texte verstehen sonst immer nur die, die direkt vor mir stehen. Ich mag Straßenmusik sehr, aber es ist unglaublich anstrengend.
 

Liebe Antje, vielen Dank für dieses super symphytische Interview. Für einen Tour-Start drücken wir dir die Daumen und hoffen, dass wir dich bald wieder bei uns haben.

 

Fotos: Columbia Slash / Sony Music

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