StartPeopleInterviewsCollien Ulmen-Fernandes: „Selbstironie finde ich total wichtig!“

Kooperation mit Opel

Collien Ulmen-Fernandes: „Selbstironie finde ich total wichtig!“

Gemütlich sitzen wir in der „Villa Kennedy“ in „Mainhattan“ (Frankfurt am Main) mit Collien Ulmen-Fernandes. Es scheint so, als ob ihr der ganze Stress, den sie so im Alltag hat, nichts anhaben kann, da sie unglaublich freundlich und zuvorkommend ist. Collien ist ursprünglich für die Präsentation des neuen Grandland X von Opel nach Frankfurt geflogen, um für diverse Medien und natürlich für Opel vor der Kamera zu stehen. Trotz dem ganzen Trubel ist Collien total gelassen und nimmt sich auch gerne die Zeit, um uns ein paar Fragen zu beantworten, was denn gerade so in ihrem Leben passiert.
 

Ajouré: Was verbindet dich mit der Marke Opel?

Collien: Mich verbindet mit der Marke Opel, dass ich einen Opel fahre und quasi in einem Opel aufgewachsen bin, weil mein Vater sein Leben lang Opel fuhr und auch aktuell immer noch einen besitzt.

Ajouré: Wenn du heute ins Auto steigen dürftest und einfach fahren könntest wohin du möchtest, wohin geht die Reise?

Collien: Jetzt gerade?

Ajouré: Jetzt sofort!

Collien: Jetzt im Moment würde ich nach Hause fahren (lacht).

Ajouré: Klar, jetzt gerade möchtest du nach Hause, aber so allgemein lebenstechnisch mit Familie – wohin würde deine Reise gehen? Oder bist du gerade am Liebsten zu Hause?

Collien: Ja, ich finde es eigentlich immer am Schönsten nach Hause zu kommen. Ich will gar nicht irgendwo anders hin. Ich bin zwar total urlaubsreif, aber trotzdem würde ich jetzt nicht sofort in den Urlaub fahren wollen.

Ich habe gerade das Bedürfnis, weil ich so viel unterwegs war, einfach mal zu Hause zu sein. Am Liebsten bei schönem Wetter mit der Familie im Garten sitzen. Das wäre für mich jetzt gerade der Sehnsuchtsort.

Ajouré: Jetzt, wo wir gerade von Urlaub reden: Du bist urlaubsreif und du bist ja auch ein großer Familienmensch. Bist du denn gerne mit Familie im Auto unterwegs oder was ist dein Lieblings-Reisegefährt?

Collien: Ich bin viel mit dem Auto unterwegs. Ich fahre, immer sobald ich mehr als zwei Tage irgendwo in einer anderen Stadt sein muss mit dem Auto, weil ich es mag, vor Ort ein Auto zu haben und mobil zu sein. Selbst wenn ich nur zwei Drehtage in München habe, fahre ich mit dem Auto dahin. Ich kann im Auto auch am besten Text lernen. Ich mag es, vorher im Kopf durchzugehen, was ich spielen muss, und dabei hilft mir die Autofahrt, um die Gedanken kreisen zu lassen und um ein bisschen in die Rolle reinzukommen. Der Hinweg ist also zum Reinkommen und auf den Text konzentrieren und auf dem Rückweg kann man das, was man gedreht hat, dann Revue passieren lassen und verarbeiten. Und man ist für sich, das mag ich auch, man sitzt nicht mit 1000 anderen Leuten in einem Flugzeug. Man ist mit sich und seinen Gedanken alleine, das kann nach einem Dreh auch mal sehr gut sein. Darüber nachzudenken, was beim Dreh gut und nicht so gut lief.
 

Collien Ulmen-Fernandes
 

Ajouré: Jetzt mal weg von Autos. Du scheinst Familie und Karriere super unter einen Hut zu bringen, obwohl du unglaublich viel drehst und arbeitest. Dennoch gab es jetzt Kritik, weil du einfach so früh wieder arbeiten gegangen bist. Wie siehst du das? Wie gehst du damit um?

Collien: Also ich finde das schwierig, vor allem in Sachen Gleichberechtigung. Ich finde, dass wir in einer pseudogleichberechtigten Gesellschaft leben. Während der Flüchtlingsdebatte hieß es oft: „Ja, die sollen mal gucken wie Gleichberechtigung geht am guten Beispiel Deutschland“ und ich finde, das ist nicht so. Nur, dass dieses Ungleichgewicht bei uns viel subtiler stattfindet. Es ist keine offensichtliche Unterdrückung, denn in der Theorie finden alle die Sache mit der Gleichberechtigung total super. Aber wenn eine Frau ein Kind bekommt, wird von ihr erwartet, dass sie dann bitte zu Hause bleiben möge. Als ich, als unsere Tochter ca. acht Monate alt war, einen Babysitter suchen wollte, musste ich mir sonst was anhören. Es ging nicht mal um ein Kindermädchen, sondern einfach darum, dass jemand hin und wieder kurz aufpasst.

Viele fragen sich ja: „Die Frauen sind gleich gut in der Schule und studieren, was passiert dann, dass auf einmal in den Führungsetagen nur Männer sitzen?“ Die Frauen bleiben bei diesem Wettrennen irgendwann hintendran und das liegt eben genau an solchen Sachen.

Ich habe richtig gemerkt, wie man in den ersten drei Jahren des Lebens meiner Tochter von mir erwartet hat, dass ich zu Hause bleibe und danach soll es bitte so aussehen: „Frau: Teilzeit. Mann: Vollzeit.“ Warum ist es nicht viel öfter umgekehrt? Jetzt sind die Männer an der Reihe, damit wir das mit der Gleichberechtigung auch wirklich irgendwann mal hinbekommen.

Eine Mutter eines kleinen Kindes, die beruflich viel reisen muss, finden viele immer noch sehr befremdlich. Bei einem Vater hingegen ist das ganz normal.

Ich habe mit einer sehr bekannten deutschen Schauspielerin darüber geredet, die das genauso empfunden hat und genauso angegriffen wurde wie ich, sich aber nicht traut, in der Öffentlichkeit darüber zu sprechen. Die Angriffe kommen übrigens nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen, die selbst ein Glucken-Mutter-Verhalten entwickelt haben und alles andere als nicht weiblich empfinden.

Ajouré: Würdest du behaupten, das ist so ein rein deutsches Schubladendenken? In Frankreich zum Beispiel wird das ja eher befürwortet und ein Kind geht schon mit einem oder zwei Jahren in die Kita.

Collien: Ich denke, dass die Männer auch mal zuhause bleiben könnten. Denn letztendlich finde ich es auch schwierig, wenn ein Kind nur noch fremdbetreut wird, weil die Eltern beide permant geschäftlich unterwegs sind und fürs Kind ist keiner mehr da.

Ich glaube, dass sich eine richtige Gleichberechtigung nur dann erreichen lässt, wenn auch mal Männer zurückstecken. Das ist aber etwas, das so überhaupt nicht in den Köpfen der meisten Männer drin ist. Also in der Theorie findet man das alles total wichtig mit der Gleichberechtigung, aber selber würde man keine Abstriche machen wollen. Wenn zum Beispiel das Kind krank ist, wer bleibt dann meistens zu Hause? Die Mutter.

Im Prenzlauer Berg sieht man inzwischen viele Männer mit ihren Babys und Kindertragetaschen vor sich, aber auf Gesamtdeutschland gesehen, gibt es da immer noch ein großes Ungleichgewicht. Bis zu einer wirklich gleichberechtigten Gesellschaft liegt noch einiges an Arbeit vor uns. Viele haben es sich einfach in den alten Rollenmustern zu bequem gemacht.

Ajouré: Spannendes Thema, aber ich gehe jetzt trotzdem einmal davon weg. Könntest du dir überhaupt ein Hausfrauenleben vorstellen?

Collien: (räuspert sich) Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man auch sein eigenes Leben lebt, obwohl mir Familie total wichtig ist. Ich finde es toll, wenn ich nach einem abgeschlossenen Projekt nachhause fahren kann und Familien-Zeit habe. Wenn ich mich voll und ganz darauf einlassen und mit meiner Tochter über jedes Bild reden kann, das sie gemalt hat. Manchmal fehlt einem da die Zeit und der Kopf, während man noch in einem Projekt steckt. Aber nur zu Hause zu sein, könnte ich mir nicht vorstellen.
 

Interview Collien Ulmen-Fernandes
 

Ajouré: Du bist auf deinen sozialen Netzwerken sehr aktiv und beantwortest auch viele Fankommentare mit ein bisschen Humor und Augenzwinkern. Wie wichtig ist dir denn dieser Humor und diese Selbstironie?

Collien: Ich finde das total wichtig. Das war ein Thema, für das ich immer sehr kämpfen musste. Ironie mochten die meisten Musikfernseh-Chefs nicht so sehr. Damals war Klaas Heufer Umlauf mein Buddy in Sachen Ironie, wir haben beide dafür gekämpft, durften aber nicht. Er hatte die gleichen Kämpfe mit den Chefs wie ich auch, nur leider habe ich den Kampf verloren. „Bei Frauen sieht der Zuschauer das nicht so gerne. Bei Frauen kommt Ironie schnell zickig rüber“, wurde mir oft gesagt, vor allem, wenn sie so püppchenhaft sind, wie ich.

Ajouré: Wo wir schon wieder dieses Thema haben.

Collien: Ja! Ich finde es total wichtig, dass man so was mal ausspricht. Christian kannte diese Diskussionen auch. Wir haben oft mit den gleichen Leuten über dieselben Dinge diskutiert. Das verbindet. Aber bei Christian hat man mehr zugelassen, weil MANN das darf. Das hat mich eine Zeit lang sehr beschäftigt. (lacht) So, das war jetzt wie eine Therapiestunde für mich, das musste mal raus! Jetzt geht’s mir gleich viel besser! Danke fürs Zuhören!

Ajouré: Welche Projekte sind bei dir aktuell in den Startlöchern? Darfst du uns etwas davon erzählen?

Collien: Gerade drehen wir die neue Staffel „Jerks“. Parallel spiele ich eine Filmhauptrolle, und ich drehe für ein neues Format, das ich moderiere. Das alles kommt Mitte nächsten Jahres raus.

Ajouré: Liebe Collien, herzlichen Dank und wir drücken dir die Daumen für eine weiterhin erfolgreiche Zukunft. Und bitte behalte deinen Humor in den sozialen Medien bei. Er gefällt uns sehr!

 

Fotos: Markus Nass, Thorsten Weigl

AJOURE´ Redaktion
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