Christiane Paul über Filmrollen, Flugzeuge und Familie

Christiane Paul über Filmrollen, Flugzeuge und Familie

Christiane Paul über Filmrollen, Flugzeuge und Familie

Ajouré: Am 29. Oktober wird dein neuester Film „Mein gebrauchter Mann“ im ZDF ausgestrahlt. Hier spielst du Sophie, die sich sehnlichst Kinder wünscht. Als sie aber mit Fritz endlich den richtigen Mann trifft, stellt sich heraus, dass dieser geschieden ist, einen Sohn hat und keine weiteren Kinder mehr bekommen möchte…

Christiane Paul: Zu Beginn sagt er Sophie noch gar nicht, dass er einen Sohn hat. Irgendwie ergibt sich diese Situation zwischen den beiden nicht. Erst später offenbart er sich ihr.

Ajouré: Sicherlich eine schwere Situation. Wie gut konntest du dich in Sophie hineinversetzen?

Christiane Paul: Generell ist es immer unterschiedlich, wie gut ich mich in eine Rolle hineinversetzen kann. Bei Sophie fiel es mir nicht besonders schwer, weil sie einfach eine sehr große Sehnsucht hat. Es gibt, glaube ich, viele Frauen in meinem Alter, die ihren Weg gegangen sind, ihre Karriere gemacht haben, es aber nicht geschafft haben, in diese Karriereplanung Kinder „einzubauen“. Entweder weil sie dachten, es sei noch genug Zeit oder weil sie nicht den richtigen Partner gefunden haben. Ich kann diese Sehnsucht von Sophie total nachvollziehen, da ich ja selber zwei Kinder habe. Ich kann auch ihre Enttäuschung verstehen, die sie erlebt, als sie auf einen Mann trifft, von dem sie glaubt, dass er der Richtige ist, dann auch ihren Kinderwunsch wieder in Betracht zieht und von dem sie dann hören muss, dass er das eben nicht möchte. Diese Uneinigkeit ist ein Thema, das einem relativ häufig in meiner Altersklasse begegnet. Das hat es mir umso leichter gemacht, mich in Sophie hinein zu versetzen.

Ajouré: Du bist selber geschieden und hast zwei Kinder. Wie nah hast du dich der Rolle des Fritz gefühlt? Kannst du seine Beweggründe nachvollziehen?

Christiane Paul: Bei Fritz ist es ja so, dass er noch nicht besonders lange geschieden ist. Das Handling einer Patchwork-Familie ist für ihn noch sehr mit Emotionen behaftet. Er ist noch sehr gezeichnet von der Trennung. Auch das kann ich sehr gut nachvollziehen. Nach einer Trennung geht man häufig von einem persönlichen Scheitern aus, egal ob die Trennung gut und richtig war oder nicht. Aber prinzipiell hat man sich eine Trennung am Anfang einer Beziehung ja nicht vorgestellt. Insofern hat eine Trennung auch immer eine Auswirkung auf einen selbst. Man braucht sicherlich auch Zeit, um das zu überwinden, bis man sich wieder ernsthaft auf Jemanden einlassen kann. Bei Fritz ist das der Fall. Das Kennenlernen von Sophie überrollt ihn in gewisser Weise. Es ist nicht so, dass er nicht will, er ist einfach überfordert mit der Situation.

Ajouré: Du hast mal gesagt, dass Filme immer an Themen heranführen sollten, also auch einen pädagogischen oder gesellschaftskritischen Aspekt haben sollten. Ist das für dich der Zweck von Schauspielerei?

Es wäre, glaube ich, zu viel zu sagen, dass man mit jedem Film eine bestimmte Message verbindet. Das kann man gar nicht und das muss auch nicht sein. Unterhaltung hat durchaus eine Daseinsberechtigung. Wir müssen auch mal Zeit haben, uns zu entspannen. Egal auf welche Weise. Ich lasse mich selber gerne unterhalten. Sicherlich gibt es Unterhaltung auf unterschiedlichen Niveaus. Unterhaltung muss aber meiner Meinung nach nicht immer zweckdienlich sein. Wir Schauspieler haben natürlich schon die Chance, als Medium zu fungieren. So sehe ich mich auch selbst. Mich stellt quasi jemand hin und ich führe seine Ideen aus, indem ich sie auf den Bildschirm oder die Leinwand bringe. Im besten Fall schafft man es, Menschen zu bewegen, emotional zu berühren.

Ajouré: Du nimmst also auch Rollen an, die weniger ernsthaft sind?

Christiane Paul: Ja, sicher tue ich das. „Neues vom Wixxer“ und „Jerry Cotton“ habe ich ja auch gedreht. Es ist auch schön, die Leute einfach mal zum Lachen zu bringen und für ein paar Stunden in eine andere Welt zu entführen.

 

Christiane Paul im Interview
 

Ajouré: Du legst auch sehr viel Wert darauf, deinen Kindern gewisse Werte zu vermitteln. Du engagierst dich stark für Umwelt und Nachhaltigkeit. Angefangen bei Mülltrennung, viel Fahrrad fahren bis hin zum Verzicht auf das Fliegen…

Christiane Paul: Jetzt spielst Du bestimmt auf mein Buch an. Ich muss zugeben, dass es nicht immer möglich ist, mich an meine eigenen Grundsätze zu halten. Was ich da aufgeschrieben habe ist natürlich sehr vereinfacht dargestellt. Der Alltag ist ja immer viel komplexer. Allein durch meinen Job ist es mir tatsächlich nicht immer möglich, aufs Fliegen zu verzichten. Was ich aber schon tue, ist, das Fliegen auf das Nötigste zu beschränken. Wir fliegen einmal zusammen in den Urlaub und nicht fünf Mal. Sonst weichen wir auf das Auto oder die Bahn aus.

Ajouré: Schaust du auch heute noch aus dem Flugzeugfenster, wenn du abhebst und stellst dir vor, wie viel Energie da grade verbraucht wird?

Christiane Paul: Ja, auf jeden Fall. Ganz schlimm sind überhaupt Flughäfen. Es gibt ja unglaublich große Flughäfen, wie zum Beispiel Zürich, Amsterdam und Istanbul. Wenn ich an so einem großen Flughafen bin und dann über die Energiedebatte nachdenke, denke ich immer: das kann doch nicht funktionieren. Wie sollen wir etwas verändern, wenn wir in einer Welt leben, in der Materielles so wichtig ist und der Konsum durch den Bau von Einkaufstempeln noch verstärkt wird. An Flughäfen siehst Du zum Einen die Reisenden, die das Fliegen als Fortbewegungsmittel nutzen und gleichzeitig dort auch noch konsumieren. Wenn ich das sehe, weiß ich nicht, wie sich das jemals ändern soll.

Ajouré: Momentan bist du Single und alleinerziehend. Was muss denn ein Mann mitbringen, um dir zu gefallen?

Christiane Paul: (lacht) Keine Ahnung, das kann ich so gar nicht sagen. Liebevoll sein auf jeden Fall. Nächste Frage (lacht wieder).

Ajouré: Okay, zurück zur Schauspielerei. Viele denken ja, das Leben als Schauspieler sei total glamourös. Rote Teppiche, Partys, wenig Arbeit.

Christiane Paul: Denken das wirklich viele?

Ajouré: Zumindest stellen sich viele den Job glamouröser vor als er ist. Was verlangt dir denn am meisten ab? Was braucht es, um jahrelang so erfolgreich Rollen zu spielen?

Christiane Paul: Weiß ich gar nicht genau, alle Rollen sind immer wieder neu für mich. Natürlich suche ich sie mir auch ein Stück weit so aus, dass sie immer neu sind. Ich versuche auch immer etwas zu machen, was mich selber fordert. Ich möchte mich nicht auf das beschränken, was ich vermeintlich kann. Spannend ist es, wenn ich vorher noch nicht weiß, wie genau ich etwas machen werde. Ich habe schon so viele unterschiedliche Filme gedreht – lustige, ernste, mit amerikanischem Akzent. Das alles kann natürlich auch mal schief gehen. Das eine ist also, dass ich immer wieder versuche, mich selber herauszufordern.

Ajouré: Wie genau läuft das dann ab?

Christiane Paul: Also ich brauche schon sechs bis acht Wochen, um mich auf einen Film vorzubereiten und auch das Drehbuch zu lernen. Natürlich ist jede Rolle anders.
„Unsere Mütter, unsere Väter“ war zum Beispiel ein Dreiteiler fürs ZDF, an dem ich faktisch nur neun Drehtage hatte. Aber die Vorbereitungszeit war dafür umso länger. Ich habe sehr viel für diese Rolle arbeiten müssen, da sie mit einem russischen Akzent sprach, Krankenschwester und Jüdin war, vertrieben und auch noch eine Doppelrolle als russische Offizierin hatte. Ich habe mich also auch noch mit der russischen Armee beschäftigt, unglaublich viel zur Vorbereitung gelesen und mich auch mit Experten getroffen. Es kommt also immer auch drauf an, was eine Rolle mitbringt. Daran entscheidet sich dann, was es zur Vorbereitung braucht. Jede Rolle ist also neu und anders. Mir wurde einmal nach einem erfolgreichen Dreh, bei dem ich eine Kommissarin spielte, eine ähnliche Rolle angeboten. Die habe ich abgelehnt, weil ich was Neues und auch einfach Abstand zur vorherigen Rolle brauchte. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Vorbereitung immer relativ aufwendig ist. Im Herbst kommen noch ein paar neue Filme heraus, in denen ich mitspiele: „Unterm Radar“, „Ein Fisch namens Liebe“ und „Der Beobachter“. Als diese Filme gedreht wurden, hatte ich einmal das Problem, dass einfach nicht genug Zeit war, um sich auf den nächsten Film vorzubereiten, weil die Vorbereitung für den aktuellen Dreh so intensiv war. In manche Rollen kann man auch mehr oder weniger hineinspringen und sie intuitiv umsetzen. Das geht aber natürlich nicht immer. Jeder Film ist neu und anders und genau darin liegt meiner Meinung nach auch die Anstrengung. Man hat eben kein Sicherheitsnetz.
 

Christiane Paul im neuen Opel Astra
 

Ajouré: Wie schwer ist es, diesen zeitintensiven Job mit der Familie unter einen Hut zu bringen?

Christiane Paul: Ich schaffe das mit meiner Familie. Meine Eltern unterstützen mich sehr, auch die Väter der beiden sind sehr präsent. Dazu habe ich noch eine Kinderfrau. Anders würde es wohl auch nicht gehen, so oft, wie ich unterwegs bin.

Ajouré: Wie schwer ist es, wenn du länger von Deinen Kindern getrennt bist?

Christiane Paul: Es kommt immer drauf an, wo man ist und ob man zwischendurch mal nach Hause kann. Als ich fünf Wochen in der Türkei gedreht habe, war das schon sehr schwierig. Grundsätzlich merke ich natürlich jeden Tag, dass ich weg bin. Man muss einfach für sich herausfinden, wann es reicht. Selbst wenn ich in Berlin zu einer Abendveranstaltung eingeladen bin, überlege ich mir dreimal, ob ich hingehe oder nicht doch lieber zuhause bei den Kindern bleibe.

Ajouré: Du bist Liebhaberin der Marke Opel. Wie kam es dazu?

Christiane Paul: Ganz einfach dadurch, dass auch ich ein Auto brauche und ja auch eins fahre. Ich fahre zum Beispiel den Opel Zafira. Denn Opel vereint etwas, was mir sehr sympathisch ist: Bodenständigkeit und Effizienz. Nicht zu viel Luxus und Schnickschnack, was zu einem höheren Energieverbrauch führen würde. An der Stelle kommen Opel und ich dann zusammen. Mit dem Ampera gibt es ja auch das Projekt, ein e-Auto nachhaltig auf den Markt zu bringen. Aber das e-Auto wurde in Deutschland bisher noch nicht groß angenommen. Hier braucht es noch Zeit und vor allem auch Unterstützung vom Staat. Konzept und Technologie sind ja schon vorhanden. Aber bis dahin bleibt ein Auto natürlich ein Auto – und belastet die Umwelt. Daher fahre ich eben nicht nur mit dem Auto, sondern versuche immer, Mobilität auf verschiedene Verkehrsmittel aufzuteilen – Auto, Bahn, Fahrrad.

Ajouré: Sag uns doch abschließend noch einmal, worauf wir uns mit dir freuen können.

Christiane Paul: Auf „Ein Fisch namens Liebe“ (ZDF, 18.10.), „Mein gebrauchter Mann“ (ZDF, 29.10.) und auf „Der Beobachter“ von Charlotte Link (ARD, November).

 

Fotos: Martin Trenkler

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