Gefährliches Ideal: Wenn mager sein „schön“ ist

Gefährliches Ideal: Wenn mager sein „schön“ ist

Gefährliches Ideal: Wenn mager sein „schön“ ist

88cm – Das sind die Idealmaße einer Modelhüfte. Die muss mehrmals am Tag gemessen werden, und wehe, die magische Zahl wird überschritten. Nur ein Zentimeter zu viel oder ein halbes Kilogramm zu schwer und der Traum von der großen Laufstegkarriere kann ganz schnell in weite Ferne rücken.

Morgens etwas Müsli, natürlich ohne Milch, mittags einen grünen Salat mit Essigdressing und am Nachmittag darf es vielleicht noch ein Apfel sein. Danach wird gehungert, am besten aber natürlich schon davor. Wer Abends isst, bei dem lagern sich schließlich die Kalorien fester an. Dass der Ernährungsplan der meisten Models sie langzeitlich nicht auf gesunden Beinen halten wird, rückt bei Aussicht auf Karriere, Ruhm und das große Geld ganz weit nach unten auf der Prioritätenliste.

Als 2010 Ana Carolina Reston starb, war der Aufschrei groß. Eine Durchstarterin war sie, aus ärmlichen Verhältnissen hatte es das junge Mädchen zum Kapagnengmodel für Armani geschafft, lebte den typischen Model-Jetset. Trotz hohem Stressfaktor und einem extrem anstrengendem Lebensstil war die Zahl auf der Waage stets das wichtigste. Die damals 18-Jährige Brasiliaserin wog bei einer Größe von 1,74m nur 40kg. Von Magersucht will ihre Agentur trotzdem nichts gewusst haben. Genau diese Verschwiegenheit der Modewelt über ihr schwerwiegendstes Problem ist wohl das größte Dilemma. Agenturen, Designer und Auftraggeber schauen gekonnt weg, Ignoranz steht hier an der Tagesordnung.

Von einzelnen Verbänden werden Versuche unternommen, untergewichtige Models zu verbannen. So haben zum Beispiel die Magazine Vogue und Brigitte zugesagt, nicht mehr mit Magermodels arbeiten zu wollen. Auch der große Beautykonzern Dove setzt bei jüngeren Kampagnen auf normalgewichtige Frauen. Ein Schritt, den aber zu wenige wagen. Die Fashion Weeks in Paris und Mailand zeigen immer noch, was auf den internationalen Catwalks als „schön“ empfunden wird: Dürre Mädchen, die ausgemergelter nicht sein könnten.

„Das sind keine Frauen, sondern Marionetten“, sagt Adi Barkan, israelischer Modefotograf und Agenturchef:„Es gibt einen Unterschied zwischen dünn und zu dünn, ein Unterschied zwischen Leben und Tod.“ Nachdem Hila Elmalich, ein ehemaliges israelisches Topmodel, 2007 in seinen Armen an den Folgen ihrer Magersucht starb, startete Barkan eine Gesetzesinitiative, die dieses Jahr in Kraft getreten ist: Israel schreibt einen Mindest-BMI von 18,5 für Models vor, andernfalls dürfen ihre Arbeiten nicht für kommerzielle Zwecke eingesetzt werden. Dem Verstoß drohen hohe Geldstrafen.
Neben zahlreichen Befürwortern gibt es auch viel Kritik. Zu leicht sei das Gesetzt zu umgehen, das zudem den natürlich schlanken Models im Weg stände. Auch viele Modemacher wehren sich gegen solche und ähnliche Auflagen. Couture sehe an sehr schlanken Frauen nunmal einfach besser aus, lautet das Argument.

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Anti-Anorexie-Kampagne der brasilianischen Agentur Star Models

Die Modewelt ist zwiegespalten. Man will nicht mit dem hässlichen Thema Magersucht in Verbindung gebracht werden, doch aktiv dagegen zu kämpfen tun nur die wenigsten. Die brasilianische Modelagentur Star Models machte kürzlich mit einer Anti-Anorexie auf sich aufmerksam: „You are not a Sketch“ steht groß auf den Plakaten. Man will hoffen, dass die Industrie diesem Beispiel folgt. Denn wer so verbissen auf Ideale setzt wie die Modebranche, geht als gefährliches Vorbild voran. Schönsein hat nichts mit Kranksein zu tun und Schönheit kennt keine Zahlen und Maße. Geschützt werden sollen schließlich nicht nur die Models, sondern vor allem auch die vielen jungen Mädchen, die zu ihnen als Ideal aufblicken.

 

 

Foto top: Werbekampagne gegen Magermodels in Israel

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