„Look Up“ – und zwar hierhin: Auf Facebook

„Look Up“ – und zwar hierhin: Auf Facebook

„Look Up“ – und zwar hierhin: Auf Facebook

…Und es war mal wieder Zeit für ein virales Video im Netz. Ungelogen: Ich wurde die letzten drei Tage überschwemmt von „This Is A Video EVERYONE Needs To See. For The First Time In My Life, I’m Speechless“. Erst vor ein paar Minuten kam ich dazu, das Video anzuklicken, heraus kam dann Folgendes:

 

Erstmal vorneweg: „Look Up“ heißt der gut 5-minütige Clip und das, was der Herr hier in dem Video rüberbringen will, hat alles Hand und Fuß. Die Botschaft, man solle trotz der Möglichkeiten, die uns neue Technologien – allen voran soziale Netzwerke – bieten, darauf achten, sein reales Leben nicht aus den Augen zu verlieren, trifft den Nerv der Zeit und bedarf keiner Widerrede.

Nach dem Motto „Früher war alles besser, weil da sind wir noch auf Bäume geklettert und haben in Matsch rumgewühlt, und zwar in Echt und nicht auf dem iPad“ reiht sich das Video von Gary Turk in eine immer länger werdende Reihe von Anti-Soziale-Netze-Kampagnen ein. In nicht einmal zwei Wochen klickten fast 30.000.000 Internet-Nutzer auf den Clip, ein viraler Mega-Hit und sozusagen DAS Video der Stunde. Auf Facebook habe ich es bestimmt bereits 200 Mal auf meinem Newsfeed entdeckt und auch über Twitter teilt die Netzwelt kräftig mit.

Aber ist es nicht schrecklich ironisch, dass das Video sich über genau jene Kanäle so rasant verbreitet, die es im Clip selbst auf’s Heftigste kritisiert? Und wer dann nach solcher Kritik auch noch seinen Twitter-Account verlinkt, der sollte sich seine Botschaft vielleicht nochmal genauer anhören.

Fakt ist nämlich: Neue Technologien – und das weiß Gary Turk spätestens nach seinem Viral-Erfolg (höchstwahrscheinlich aber schon vorher) – sind unglaublich nützlich und alles andere als eine „Illusion“ (wie es so schön im Clip heißt). Denn dass alles schwarz oder weiß ist, gut oder schlecht, Bill Gates oder Kim Kardashian, das war noch nie so gewesen und wird auch nie so sein. Das Internet ist keine bösartige Parallelwelt, die unser Sozialleben vernichtet. Es ist viel mehr eine virtuelle Erweiterung und mediale Ergänzung zur Realität und sollte auch so betrachtet werden.

An der Dummheit der Leute ist sicherlich nicht das Smartphhone schuld

Je mehr Facebook-Freunde, desto weniger echte Freunde? Die Gleichung geht schon da nicht auf, weil gerade die Menschen, die im realen Leben ihre sozialen Kontakte gut pflegen, dazu neigen, auch in der virtuellen Welt viele Bekanntschaften zu haben. Soziale Netzwerke ersetzen nicht das Zwischenmenschliche, sie ermöglichen dem zusätzliche und ganze neue Kommunikationswege. „Wir sind eine Generation von Idioten, mit smarten Telefonen und dummen Leuten?“ Natürlich existieren da, wo Chancen sind, auch Risiken, aber das ist bei allen Dingen dieser Welt so. An der Dummheit der Leute ist sicherlich nicht das Smartphhone schuld (ohne Smartphone steigt dein IQ ja auch nicht automatisch an). Die Menschheit, das Leben und unsere Welt sind außerordentlich komplex und stetig im Fortschritt: Das Moderne ist nicht prinzipiell gut oder besser, aber mit Sicherheit auch nicht zwangsläufig schlecht. Mit den Zweifeln und Risiken umgehen zu können, die das Neue und Unbekannte mit sich bringt, ist ein Muss und dazu gehört zu lernen, wie die Möglichkeiten positiv genutzt werden können.

Sprich: Wer ein Gerät in der Hosentasche hat, über das man Zugang hat zu praktisch dem gesamten menschlichen Wissen, mit dem es möglich ist, mit Freunden und Fremden aus aller Welt in Kontakt zu treten und zu kommunizieren, und es dafür benutzt, um 24/7 Angry Birds zu spielen oder bei Lovoo den nächsten One-Night-Stand zu suchen… JUNGE, selbst dran schuld, wenn du dein Leben verpasst!

„Look Up“ – und zwar auf Facebook, denn hier habe ich das Video gerade geteilt, ebenso meine 422 Freunde

„Facebook ist scheiße, Twitter macht dumm und Smartphones sind böse“ ist nur dann wahr, wenn man es so zulässt. Denn Facebook, Twitter und Co. sind zunächst nichts weiter als Chancen und Möglichkeiten, die man für sich und seinen Alltag nutzen kann. „Look Up“ – und zwar auf Facebook, denn hier habe ich das Video gerade geteilt, ebenso meine 422 Freunde, macht genau so viel bzw. wenig Sinn wie vor einigen Monaten der ultimative Shitstorm gegen Whatsapp. Wir erinnern uns: Whatsapp ist durch den Aufkauf durch Facebook praktisch über Nacht zu einem ganz schrecklichen Medium mutiert („Jetzt können wir keine Nacktbilder mehr versenden, ohne dass Mark Zuckerberg alles sieht!“). So die Meinung einer nicht zu verachtenden Menge der Öffentlichkeit. Und die wird geteilt – na klar – auf Facebook.

So viel Scheinheiligkeit sollte mal hinterfragt werden. Oder mal so gesagt: Wieso immer alles schlechter reden, als es ist?

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