Kolumne: Von 0 auf 100 in unter einem Satz!

Kolumne: Von 0 auf 100 in unter einem Satz!

by Diana Debatin

Kolumne: Von 0 auf 100 in unter einem Satz!

Wir schreiben das Jahr 2018 und ich frage mich ernsthaft, ob das mit dieser Beziehung und mir irgendwann noch klappen wird. Nicht, dass ich auf der Suche wäre! Ich verbringe die Zeit viel lieber mit leben. Ich mag meinen derzeitigen Facebook-Status. Soll aber nicht heißen, dass ich mir das Leben auf der anderen Seite nicht auch vorstellen könnte. Und trotzdem – mit den Singlejahren sammelt man nicht nur selbst Erfahrungen, man beobachtet auch so einige Fehltritte im näheren Umfeld. Dabei sind missglückte Tinder-Dates noch das kleinste Elend. Da weiß man für gewöhnlich nämlich wenigstens, auf was man sich einlässt.

Viel schlimmer sind dagegen die augenscheinlich „Netten“, die sich kurz darauf als absolute Freaks entpuppen. Nett hat in diesem Fall übrigens nichts mit der kleinen Schwester von Scheiße zu tun, sondern vielmehr mit gutaussehend, humorvoll und im besten Fall auch noch ein bisschen intelligent. Eine vielversprechende Kombi, die man sich durchaus auch mal genauer anschauen möchte. Zwei Dates später sucht man händeringend nach dem rettenden Ast, mit dem man aus der Nummer wieder rauskommt. Hat sich das Gegenüber tatsächlich so gut verkauft, oder hat einem die rosarote Brille die Sicht vernebelt?
 

Frühstarter vs gebrochene Seele

Finde ich einen Mann attraktiv, bin ich durchaus gewillt, ihn auch näher kennenzulernen. Dabei habe ich im Normalfall kein festes Ziel vor Augen und gehe das Ganze eher entspannt an. Über die Jahre habe ich mir einen recht angenehmen Lebensraum geschaffen und bin daher nicht bereit, diesen für den erstbesten Anwärter umzustrukturieren. Auch nicht für den vermeintlich Richtigen, der sich Monate später als Mogelpackung erweist. Bevor ich mich auf etwas einlasse, betrachte ich den Spaß also gerne mit etwas Abstand. Ganz im Gegensatz zu meinem Gegenüber!

Aktuell findet man auf dem Markt vor allem zwei Arten von Singles, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Frühstarter und die gebrochenen Seelen. Letztere sind nicht wirklich daran interessiert, auf langfristige Weise mit dir in Kontakt zu treten. Zumindest nicht im tieferen Sinne. Sie nutzen zwischenmenschliche Beziehungen lediglich dazu, ihr eigenes Ego zu pushen und sich am bösen, weiblichen Geschlecht zu rächen. „Schau, was für ein toller Typ ich doch bin – ich kann euch alle haben!“ Bleibt abzuwarten, ob dieser raffinierte Schachzug auch dauerhaft gewinnbringend und zufriedenstellend ist. Ich wage es zu bezweifeln.

Um ehrlich zu sein, sind mir die egoistischen Herzensbrecher aber lieber als die Frühstarter. Wann bitte haben Männer eigentlich damit angefangen, sich beim ersten Aufeinandertreffen zu verlieben? Was bei Frauen schon fast an den Normalzustand grenzt, ist beim anderen Geschlecht eher verstörend. Ein gänzlich unmännliches Verhalten, das gerade bei selbstbewussten Frauen eher abschreckend wirkt. Wir alle wünschen uns den Mann, der uns als sein Mädchen sieht! Eine wundervolle Vorstellung, wenn es sich dabei um eine starke Persönlichkeit handelt. Ein um Exklusivität bettelnder Junggeselle ist dagegen nicht ganz so hoch im Kurs. In kürzester Zeit verwandelt er, durch seine übereifrige Art, den anfänglichen Optimismus in blankes Entsetzen.
 

Wenn er zu früh kommt und die Seifenblase platzt

Würde es in der heutigen Kolumne um Sex gehen, wäre es tatsächlich nur halb so schlimm. In diesem Fall wäre eine zweite Chance durchaus vertretbar. Kommt der Mann aber bereits beim Daten zu früh, kann es fatale Folgen haben. Ich finde es nicht nur bedenklich, sondern auch in höchstem Maß erschreckend, wie viele Menschen sich heutzutage in Rekordzeit verlieben. Von 0 auf 100 in unter einem Satz! Eine Tatsache, die förmlich nach Verzweiflungstat schreit.

Bevor jetzt alle mit den Hufen scharren – das soll nicht heißen, dass man sich nicht direkt anziehend finden kann. Ich halte es sehr wohl für möglich, dass man innerhalb kurzer Zeit eine gegenseitige Affinität entwickelt. Aber auch dann sollte man die Kirche mal im Dorf lassen und das Ganze mit einer gewissen Gelassenheit und Distanz angehen. Gemeinsame Zukunftspläne halte ich beim ersten Date nämlich doch etwas fehl am Platz. Gleiches gilt für das exzessive Ringen nach Aufmerksamkeit und romantische Liebeserklärungen per WhatsApp. So ein Verhalten ist in meinem Fall nicht zielführend, es macht mir Angst! Dann heißt es: Rette sich wer kann!

Verrückt, aber Frühstarter interpretieren dieses Verhalten als Unsicherheit. Mithilfe seitenlanger Nachrichten wollen sie einem einreden, dass man seine Gefühle nicht zulassen würde. Ein Ratschlag, den ich doch gerne annehme – von einem Mann, der mir nach zwei Tagen seine Liebe gesteht und nach der Abfuhr direkt dem nächsten Opfer sein Herz schenkt.

 

Diana Debatin

Diana Debatin

Mehr von unserer Kolumnistin Diana Debatin findest du
auf ihrem Blog Lavie Deboite unter laviedeboite.com
oder auf Instagram @laviedeboite

 

 

Foto: egorr / Getty Images; Diana Debatin privat

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