Im Club der Teufelinnen…

Im Club der Teufelinnen…

Im Club der Teufelinnen…

Ich kann mich noch glasklar daran erinnern, als der Exfreund einer Freundin sich von ihr via Skype trennte, um dann kurze Zeit später mit seiner neuen Flamme durch die Stadt zu flanieren. Als es darum ging, einen Teil der gemeinsamen Möbel aus der Wohnung abzuholen und daraus ein riesen Zinnober seinerseits wurde, bauten sich in mir die fantasievollsten Rachegelüste auf und ich dachte mir nur: Besser ist es, dass mir so was nicht passiert ist  – für den anderen!

Stimmt das, stimmt das? Rachegelüste machen Frauen ein klitzekleines bisschen mehr Spaß als Männern? Ich habe ehrlich gesagt noch nie mit einem Mann darüber geredet, aber wenn ich das Internet durchforste, dann finde ich reihenweise Ratgeber und Foreneinträge für Frauen, ob und wie sie sich am Herzensbrecher rächen könnten. Und auch einer meiner absoluten Lieblingsfilme, der Club der Teufelinnen, untermauert mein kleines Vorurteil nur noch mehr. Wer den Film nicht kennt, unbedingt anschauen, doch bis dahin die kurze Erläuterung: Diane Keaton, Goldie Hawn und Bette Midler werden alle drei schlecht von ihren Ehemännern behandelt und rächen sich auf so bittersüße und sehr durchdachte Weise, dass sie am Ende als die Siegerinnen hervorgehen – und die Männer auf einmal Schlange stehen. Großartig.

So, mal abgesehen von meinem Filmtipp für heute Abend, muss ich wirklich zugeben, im Kreise meiner Freundinnen schon oft etliche Rachezüge durchgespielt und zelebriert zu haben. Napoleon wäre nichts dagegen gewesen, den hätten wir gleich zusätzlich mit aufgespießt. Warum macht es also Frauen so unglaublichen Spaß, sich vorzustellen, den Flachbildfernseher – das Baby des Mannes – aus dem fünften Stock zu schmeißen? Oder den Wagen des Übeltäters zu verkratzen?
 

Rachegelüste – Exfreundin tobt sich am Wagen ihres ehemaligen Freundes aus
 

Da kann man nur hoffen, dass es sich um mehr als das Müll-heruntertragen-Problem handelte. Aber wie sie davonstolziert, das ist doch ganz großes Kino! Irgendwie sympathisch. Als Feindin möchte man sie trotzdem nicht haben.

Wie dem auch sei. Solche bittersüßen Gelüste sind ja ganz menschlich. Man wird verletzt und steht auf einmal nackt und entblößt da, was keine angenehme Sache ist. Für alle Beteiligten. Also bildet man sich ein, dass eine Rache ein angemessenes Gleichgewicht wieder herstellen könnte. Was es natürlich nicht tut, denn sobald die Aktion getan ist, kommt die Rechnung. Oder die Vorladung. Beispielsweise für das Auto aus dem obigen Video, Terroranrufen oder dem klassischen Rufmord. Denn solche Racheaktionen bleiben in erster Linie einzig und allein ein Strafdelikt. Wird man bei der Aktion gefilmt, ist die Sache vielleicht für den Richter nachvollziehbar, allerdings auch schnell aufgeklärt. Und man selbst? Sitzt am Ende immer noch da mit gebrochenem Herzen, die Endorphinausschüttung ist längst vorüber und zurück bleibt das große Loch im Geldbeutel. Das ist alles andere, als ein glamouröser Abgang.

Die Männer scheinen uns im Bereich der Rachegelüste nach verpatzten Liebesangelegenheiten einen Schritt voraus zu sein – und zwar indem sie nicht nach der Axt greifen und etwas zertrümmern, sondern den Liebeskummer aussitzen. 80 Prozent der Frauen haben schon Rache geschworen und sind dieser auf kreative Weise (!) nachgegangen, während es bei den Männern viel weniger sind.

Vielleicht sollten wir bei den Kill-Bill-mäßigen Überlegungen bleiben und uns beim Schmieden von Plänen ausleben. Da sollte dann aber auch Schluss sein. Über Jahre hinweg die Strafe wegen eines zerlegten Porsche zurückzahlen zu müssen, ist irgendwie unsexy, wenn man mittlerweile mit zwei Kindern und Ehemann am Kaminfeuer sitzt.

 

Foto: Anika Landsteiner privat

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