Es war einmal… die Monogamie

Es war einmal… die Monogamie

Es war einmal… die Monogamie

…und zwar vor langer, LANGER (!) Zeit…

 

Denn heute sieht’s mau aus mit „in guten wie in schlechten Zeiten, bis dass der Tod uns scheidet“. Schneller als der Tod ist nämlich die Untreue. Und die kommt häufiger als befürchtet.

 

Bin ich jetzt zynisch, wenn ich das so behaupte? Je mehr ich höre von gegenwärtigen Ehen und Beziehungen, desto eher verabschiede ich mich von unserer Idealvorstellung einer Liebe. Ein Neverending Happy End, ein Zusammensein durch Dick und Dünn, eine Liebe wie im Märchen oder in der Kinderschokolade-Werbung. Und das Märchen der Monogamie wurde uns doch allen schon an beispiellosen Lovestories aus Filmen und Büchern vorgelebt: Da treffen sich zwei Menschen und die Funken beginnen zu sprühen – und was für Funken. Funken, die auch nach Jahren so leidenschaftlich leuchten wie am ersten Tag, die zwei Seelenverwandte ein ganzes Leben lang zusammenhalten können, die dafür sorgen, dass du und ich zusammen alt und grau werden. Und wenn das nicht der Fall ist, dann war der oder die Richtige einfach noch nicht da.

Aber reality hits hard! Nachdem ich mit so einigen meiner männlichen Freunde das Thema Untreue angeschnitten habe, bin ich zum Entschluss gekommen, dass jede Frau mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann einmal in ihrem Leben betrogen wird – bye bye Disney, bye bye Milch und Schokolade.

Die Gründe für’s Fremdgehen sind so unendlich zahlreich wie verzweifelte Singles bei Partnerbörsen. Unzufriedenheit in der Beziehung, sei sie emotional oder sexuell, ein besoffener Ausrutscher oder einfach nur „die Gelegenheit war halt da“. Letzteres scheint mir ziemlich häufig der Fall zu sein und man möge meinen, dass gerade in einer gut laufenden Beziehung eine „Gelegenheit“ nicht genutzt und angesprungen wird. Aber drehen wir mal die Zeit zurück und schauen, wie realistisch Monogamie überhaupt ist.

Der Schritt zum Moralbruch leichter und schneller getan, als so manch einer denkt

Die meisten von uns haben ein ganz festgefahrenes Ideal von Liebe und Beziehungen. Und dazu gehört die Monogamie. Tatsache jedoch ist: Heirat und Partnerschaften der Liebe wegen war für viele Jahrhunderte (und ist in vielen Ländern und Kulturen der Welt heute immer noch!) eine Ausnahme. Menschen heirateten aus finanziellen, politischen und gesellschaftlichen Gründen. Und Liebe? Die gab’s nur außerhalb der Ehe. Ironisch, wie man auf alte Tradition verweist, wenn über Treue und Loyalität gesprochen wird, denn Monogamie ist ein relativ junges Phänomen. Nun gut, die gesellschaftlichen Strukturen haben sich, zumindest in den westlichen Ländern, deutlich geändert und die monogame Liebe wird heute gepriesen. Daher findet die Evolution eine andere Erklärung für Untreue: Liegt alles in den Genen und an der Natur. Urinstinkt eines Mannes ist es nämlich, möglichst viele Nachkommen mit möglichst vielen Partnerinnen zu zeugen, denn das gewährleistet die optimale Verbreitung des eigenen Erbgutes: Je mehr Kinder von verschiedenen Frauen, desto besser. Das mit den Kindern fällt heutzutage natürlich weg, schließlich ist „Unterhaltszahlung“ schon ein ziemlich abschreckendes Wort. Was geblieben ist, ist der tierische Trieb, sexuelle Lust auszuleben. Und da sich heute in jedem Nachtclub und an jeder Straßenecke eine Verführung an die andere reiht, ist der Schritt zum Moralbruch leichter und schneller getan, als so manch einer denkt.

 

Dann wäre also die Frage, woher das ganze Herumvögeln kommt, nun auch geklärt. „Ja aber…liebst du deine Freundin denn nicht?“, habe ich mal jemanden gefragt. Es scheint aber, dass, wenn das Eis einmal gebrochen ist, Gewissen und Gefühle immer leiser werden und irgendwann keinen Ton mehr von sich geben. Und das ist vielleicht alles logisch und wissenschaftlich begründet, man könnte es fast schon akzeptieren und dahinnehmen, dass wir einfach auch mal schwach und primitiv sein können, dennoch ein ziemlich trauriges Armutszeugnis für Mensch und Gesellschaft. Denn auf Urinstinkt und natürliche Triebe zu verweisen, wo uns Kultur und Moral doch zum Menschen machen und uns vom Tier unterscheiden, ist eine äußerst schlechte Rechtfertigung für’s Fremdgehen.

Die Menschheit schreitet jeden Tag auf’s Neue über ihre vermeintlich natürlichen Grenzen hinaus, wir leben heute in einer Gesellschaft mit Werten, die mehr beinhalten als die simplen Regeln der Jäger und Sammler. Klar ist nämlich: Ein bisschen Spaß und Lustbefriedigung können nicht im geringsten die Waage halten gegen den Schmerz und die Trauer, die wir unserem Partner damit zufügen. Menschsein heißt nämlich vor allem eines: Nächstenliebe, und das Wohl der Person, die wir lieben, über eigene Bedürfnisse stellen zu können.

Foto top: clipdealer.com


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1 Kommentar zu “Es war einmal… die Monogamie

  1. Monogamie gab es auch in Jäger- und Sammler-Kulturen schon.
    Ein sich geradezu aufdrängendes Thema wenn es um Monogamie geht, die Eifersucht, wird hier nur implizit angesprochen.
    Die Gene von Männern die es aufgrund Ihrer Eifersucht nicht ertragen konnten Kuckuckskinder aufzuziehen haben sich scheinbar durchgesetzt (die Gene der Kuckuckskinder natürlich auch, sie wurden schliesslich nicht immer im Fluss ersäuft, sondern blieben meistens unentdeckt).
    Eifersüchtige Frauen (die Gene haben sich ganz sicher durchgesetzt), die es verstanden den Vater ihres Kindes an sich zu binden, verschafften ihrem Nachwuchs (und den eigenen Genen) einen Ressourcenvorteil und damit bessere Überlebenschancen.
    Letztendlich also auch wieder nur Monogamie aufgrund von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Aber den Nachwuchs gemeinsam aufzuziehen, insbesondere dort wo Ressourcenknappheit herrscht (die haben wir in unseren Breitengraden nicht mehr), kann emotional enorm zusamenschweissen, und da nicht jeder alt wie Methusalem wurde galt damals vielleicht auch schon bis das der Tod…
    Oder es war doch Omas Schuld?
    Jedenfalls ist Monogamie schon wesentlich älter als ein paar Jahrhunderte und hat wohl auch irgendwie was mit den Genen zu tun. Polygamie aber eben auch.
    Schlussendlich scheint sich abzuzeichnen dass es bis heute zwei Gruppen von Menschen gibt: monogame und nichtmonogame. Es gibt also durchaus auch monogame Männer, denen die Gefühle ihrer Frauen nicht egal sind. Ich bin einer davon (meine Vater definitiv nicht, meine Mutter definitiv ja). Da beide Gruppen ständig aufeinander treffen und es schwerlich schaffen sich aus dem Weg zu gehen, wird das Spiel immer weiter gehen. Zu welcher Gruppe man gehört muss jeder selbst herausfinden. Vielleicht sollten sie sich sowohl ihre Männer als auch ihre „männlichen Freunde“ (Harry und Sally – sie verstehen schon) besser aussuchen.
    Und prüfe wer sich ewig bindet,…
    P.S.: Empathie und Spiegelneuronen gibt es auch im Tierreich… logisch, denn auch wir sind nur Affen, die aus Afrika stammen (frei nach Richard Dawkins).
    Übrigens betrügen Frauen genausoviel wie Männer – haben sie die gleiche Frage auch ihren Freundinnen gestellt, die ihren Partner betrogen haben? Oder haben sie nur „männliche Freunde“?


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