Wie die Body-Positivity-Bewegung das eigene Selbstbild verändern soll

Wie die Body-Positivity-Bewegung das eigene Selbstbild verändern soll

Liebe deinen Körper

Wie die Body-Positivity-Bewegung das eigene Selbstbild verändern soll

Durch die sozialen Medien und dem damit einhergehenden Selfie-Trend ist der Druck, möglichst gut auszusehen in den letzten Jahren immer mehr gestiegen. Doch nun gibt es eine Gegenbewegung zum Schönheitswahn: Body-Positivity.

Was ist Body Positivity eigentlich?

Der Begriff Body-Positivity beschreibt etwas, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, es aber leider nicht ist, nämlich: Liebe deinen Körper so, wie er ist. Mit allen „Makeln“, mit allen Fettpölsterchen, mit Cellulite oder Dehnungsstreifen. Dabei geht es aber nicht darum, sich gegen schlanke, hübsche Menschen zu stellen, sondern die Vielfalt der menschlichen Körper zu zelebrieren. Statt immer mehr dem Optimierungswahn zu verfallen und unsere Fotos stundenlang zu bearbeiten, bevor wir sie mit der Öffentlichkeit teilen, sollen wir uns einfach akzeptieren und uns stolz der Welt zeigen. Eine gesunde Einstellung, die wir dringend nötig haben.

Der Einfluss perfekter Bilder auf unsere Psyche

Eine Studie der Universität Leipzig über die Auswirkungen der perfekten Instagram-Fotos auf die User hat gezeigt, dass sich insbesondere junge, unsichere Frauen durch die Bilder von schönen, schlanken Menschen stark unter Druck gesetzt fühlen. Sie erkennen oft nicht, wie viel Retusche hinter den Bildern steckt und fühlen sich noch unsicherer und schlechter, als sie sich ohnehin schon fühlen. Manche Influencer wissen das und bemühen sich lobenswerterweise darum, klarzumachen, dass nicht alle Bilder, die wir in den sozialen Medien sehen, die Realität widerspiegeln. So zeigen manche anhand zweier kurz hintereinander geschossenen Fotos, wie sehr eine schmeichelhafte Pose die Figur verändern oder welchen Einfluss das Licht auf die Sichtbarkeit von Orangenhaut haben kann.

Mode für Übergewichtige ist im Kommen

Obwohl uns soziale Medien eine perfekte Welt vorgaukeln, bekommen – paradoxerweise – Übergewichtige heutzutage mehr Aufmerksamkeit als das vor zehn Jahren der Fall war. Die Body-Positivity-Bewegung hat da sicherlich auch ihren Teil zu beigetragen. Hatten Menschen, die größere Kleidergrößen benötigen, früher noch Probleme, modische Kleidung zu finden, bieten heutzutage auch namhafte Hersteller wie Nike, Tom Tailor oder Levi‘s Plussize-Kleidung an. Kein Wunder, dass auch Plussize-Models wie Ashley Graham immer bekannter und beliebter werden. Vor fünf Jahren gab es einen riesigen Shitstorm für die amerikanische Marke Abercrombie & Fitch, da die größte Größe im Sortiment für Frauen L war. Man wolle nur schöne, schlanke, erfolgreiche Kundinnen haben. Mittlerweile produziert der Hersteller auch größere Größen.

Was ist überhaupt perfekt?!

Gerade bei Abercrombie & Fitchs zweifelhafter Firmenphilosophie muss man sich natürlich fragen: Ist denn wirklich nur schlank schön? Wer bestimmt denn, was schön ist und was nicht? Viele Models berichten in Interviews davon, in ihrer Schulzeit wegen ihrer Größe oder ihrer schmalen Figur gehänselt worden zu sein. Was die Mitschüler von einst also offenbar als „unschön“ betrachtet haben, kommt in der Modebranche gut an. Und was wäre Cindy Crawford ohne ihr Markenzeichen, den Leberfleck? Das Label Missguided hat kürzlich in einer Kampagne diverse Models mit vermeintlichen Schönheitsmakeln, wie Hautkrankheiten oder einem Feuermal gezeigt, dass man auch schön sein kann, ohne dem gängigen Ideal zu entsprechen.

Kritik an der Bewegung

So gut der Body-Positivity-Trend auch klingt: Kritiker befürchten, dass die Bewegung den Körper noch mehr in den Fokus rücken könnte. Dabei sollten wir uns doch lieber um die wirklich wichtigen Dinge im Leben kümmern. Ein weiteres Problem ist, dass sich unter dem Hashtag #bodypositivity viele Fotos von makellosen Menschen befinden, was unsichere User noch mehr unter Druck setzen könnte. Und was ist mit Menschen, die zwar medizinisch gesehen unter einer Essstörung leiden, sich aber trotzdem wohl in ihrem Körper fühlen? Soll die Körpervielfalt Grenzen haben? Wenn ja, wer soll sie bestimmen? Ein schwieriges Thema.

Liebe dich selbst – und andere

Grundsätzlich ist es gut, sich gegen den Schönheitswahn zu wehren, aber wir haben vermutlich noch einen weiten Weg vor uns. Es ist toll, dass wir mittlerweile nicht mehr ausschließlich perfekte Körper in der Werbung sehen und gerade für junge Frauen ist es wichtig, wenn sich Bekanntheiten mit Vorbildfunktion für Body-Positivity einsetzen. Aber es ist genau so wichtig, dass schlanke, konventionell gut aussehende Menschen nicht verteufelt werden. Es würde vielleicht helfen, wenn in Zukunft auch mit gängigen Vorurteilen aufgeräumt werden würde. Nicht jede schlanke Frau isst nur Salat und nicht jede dicke Frau hängt die ganze Zeit faul vor dem Fernseher.

 

Foto: Syda Productions / stock.adobe.com

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1 Kommentar zu “Wie die Body-Positivity-Bewegung das eigene Selbstbild verändern soll

  1. Liebe ist ein Gefühl, und Gefühle fühlen wir nicht auf Knopfdruck. Es ist überhaupt fragwürdig, ob man sich überhaupt dazu bringen kann, etwas zu lieben. Das Zweite, was mir hier aufstösst ist Folgendes: wenn man Selbstoptimierung Ihrer Meinung nach sein lassen sollte, dann betrifft das dann ja auch so etwas wie Weiterbildungen, Renovierungen am Haus, Reparaturen? „Sollte man“ (Ihre Ausdrucksweise) denn nicht auch sein Haus lieben, so wie es ist? Und den eigenen Geist? Auch wenn er ungebildet ist? Würde der gleichen Logik folgen. Dazu kommt, dass es mich nervt, wenn mir Leute aus den Medien sagen, was ich tun sollte, besonders wenn es nur mich selbst betrifft. Außerdem gibt es doch weit mehr Menschen, die sich aussehenstechnisch gehen lassen, als die, die sich bemühen. Ich werde jedenfalls mein Streben nach Qualität nicht einstellen, auch nicht, wenn ich dann die Einzige bin, die noch gut aussieht.


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